Eine neue Umfrage zeigt, welche Folgen die neue Glücksspielregulierung in Deutschland haben könnte. Die Autoren der Studie warnen davor, dass zu starke Restriktionen dazu führen könnten, dass die Kanalisierung des Glücksspielmarkts nicht gut gelingt. Die Glücksspielregulierung wird sich in Deutschland zum 1. Juli 2021 komplett verändern, jedenfalls im Internet. Online Casinos werden genauso wie Online-Pokeranbieter die Möglichkeit haben, deutsche Lizenzen zu beantragen. Allerdings sieht der neue Glücksspielstaatsvertrag, auf dem die zukünftige Regulierung basiert, strenge Restriktionen vor, die zum Problem werden könnten.

Studie untersucht Auswirkungen von starken Restriktionen

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Das Handelsblatt Research Institut hat in einer repräsentativen Studie untersucht, wie die Glücksspiel-Fans mit strengen Regeln umgehen. Dabei ging es ausdrücklich um die Online-Glücksspiele, denn in diesem Bereich hat Deutschland bislang keine Erfahrungen mit der Regulierung sammeln können. Professor Dr. Bert Rürup, der Präsident des Handelsblatt Research Instituts, hat nun die Ergebnisse der Studie vorgestellt. Die wichtigste Erkenntnis: Glücksspiel-Fans lassen sich nicht gerne mit strengen Restriktionen gängeln. Nach Einschätzung der Studien-Autoren würden bis zu 40 Prozent der Spieler das Online Casino wechseln, wenn die Regeln zu streng sind. Doch was heißt es, dass die Spieler das Online Casino wechseln würden? In der Praxis würde dies wohl bedeuten, dass die Glücksspiel-Fans sich einen Anbieter suchen würden, der sich nicht an die Glücksspielregulierung hält. Sollte die neue Glücksspielregulierung dazu führen, dass sich schon am Anfang 40 Prozent der Spieler nicht für die Online Casinos mit deutscher Lizenz begeistern können, würde die Kanalisierung nur mäßig gelingen. Mit Kanalisierung ist gemeint, dass die Nachfrage seitens der Spieler zu den regulierten Angeboten geleitet wird. Wenn alle Spieler ausschließlich in Online Casinos mit deutscher Lizenz spielen würden, läge die Kanalisierung bei 100 Prozent.

Die aktuelle Studie des Handelsblatt Research Instituts deutet darauf hin, dass die Kanalisierung aber deutlich niedriger liegen könnte. Was macht die deutschen Online Casinos unattraktiv? In Zukunft wird es ein Einzahlungslimit geben in Höhe von 1.000 Euro. Zwar ist vorgesehen, dass das Limit auf bis zu 30.000 Euro angehoben werden kann, wenn die Spieler einen entsprechenden Nachweis über finanzielle Möglichkeiten erbringen. Aber wie das in der Praxis aussehen soll und ob es wirklich High Roller gibt, die einem Casino-Betreiber ihre Finanzen offenlegen möchten, muss sich erst noch zeigen. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro dürfte vielen Glücksspiel-Fans nicht gefallen. Das größte Problem könnte aber die neue Glücksspielsteuer sein, die gerade erst durch den Finanzausschuss des Bundestags gekommen ist. Diese Glücksspielsteuer ist eine Spieleinsatzsteuer, bei der von jedem Einsatz 5,3 Prozent an den Staat abgeführt werden müssen. Das ist ein riesiges Problem für die Glücksspielanbieter mit deutscher Lizenz, denn dadurch werden die Spiele deutlich unattraktiver. In Zukunft werden die Online Casinos, die sich nicht an die deutschen Spielregeln halten, einen erheblichen Vorteil haben.

Studien-Autoren empfehlen Änderung der Glücksspielregulierung

Muss die Glücksspielregulierung schon geändert werden, bevor der neue Glücksspielstaatsvertrag überhaupt in Kraft tritt. Die Autoren der Studie des Handelsblatt Research Instituts plädieren jedenfalls dafür, die geplanten Restriktionen noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Es kann wohl kein Zweifel daran bestehen, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag dazu führen wird, dass das Online-Glücksspiel unter deutscher Lizenz nicht so attraktiv sein wird wie das Online-Glücksspiel bislang war. Die EU-Lizenzen, die von den meisten seriösen Online Casinos genutzt werden, sind längst nicht so streng wie die neue deutsche Glücksspielregulierung. Der neue Glücksspielmarkt in Deutschland kann nur dann funktionieren, wenn die Kanalisierung gelingt. Aber wie soll das möglich sein, wenn die Politik alles dafür tut, um das Online-Glücksspiel unter deutscher Lizenz unattraktiv zu machen? Deutschland wäre der erste Staat in der Europäischen Union, der es schaffen würde, die Online Casinos ohne nationale Lizenzen vom nationalen Markt fernzuhalten. Das Internet funktioniert anders als Spielhallen und Spielbanken. Wenn eine Spielhalle bestimmte Spiele nicht anbietet oder ein Einzahlungslimit hat, kann der Spieler nicht einfach mit einem Klick in die nächste Spielhalle in einem anderen Land gehen, die alles bietet, was sich Glücksspiel-Fans wünschen können.

Nach Einschätzung von Michael Rotert, einem der Autoren der Studie, sollte Deutschland nach Italien, Spanien und Dänemark schauen. Nach Einschätzung von Rotert ist in diesen Staaten trotz einer neuen Glücksspielregulierung für das Online-Glücksspiel eine gute Kanalisierung vorhanden. Das liegt nach Auffassung von Rotert in erster Linie daran, dass diese Staaten darauf achten, dass der regulierte Glücksspielmarkt im Internet attraktive Angebote möglich macht. Aktuell scheint es jedoch keine Möglichkeit zu geben, die Glücksspielregulierung zeitnah zu verändern. Das ist auch bei den Diskussionen um die neue Glücksspielsteuer deutlich worden. Viele Politiker, die sich mit der Glücksspielregulierung befassen, haben nicht ganz verstanden, wie das Internet funktioniert. Das ist schockierend? Wer Deutschland in den letzten 20 Jahren beim Thema Digitalisierung verfolgt hat, wundert sich allenfalls darüber, dass in Deutschland die Glücksspiel-Fans überhaupt schon Internetanschlüsse haben. Die aktuelle Studie des Handelsblatt Research Instituts ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Deutschland mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag alles andere als ein großer Wurf gelungen ist.