Die deutschen Glücksspielanbieter fordern zum Start der neuen Glücksspielregulierung in Deutschland schärfere Kontrollen. Die Bekämpfung des Schwarzmarkts ist für den Deutschen Sportwettenverband (DSWV) ein zentrales Thema bei der Umsetzung des neuen Glücksspielstaatsvertrags, der seit dem 1. Juli 2021 gilt. Der Branchenverband setzt sich dafür ein, dass die deutschen Behörden von Anfang an konsequent gegen Anbieter auf dem Schwarzmarkt vorgehen. Vor allem bei den Online-Buchmachern und den Online Casinos kommt viel Arbeit auf die zuständigen Behörden zu. Bislang fehlt ein umfassendes Konzept zur Bekämpfung der Glücksspielanbieter, die sich nicht an die deutschen Spielregeln halten.

Glücksspielregulierung und Schwarzmarkt-Bekämpfung gehören zusammen

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Die Einführung der neuen Glücksspielregulierung für Online-Glücksspiele und Online-Sportwetten wird grundsätzlich von der Glücksspielbranche in Deutschland positiv aufgenommen. Auch der Deutsche Sportwettenverband hat mehrfach darauf hingewiesen, dass es grundsätzlich eine gute Idee sei, nach zwei Jahrzehnten Untätigkeit das Online-Glücksspiel und die Online-Sportwetten in Deutschland endlich zu regulieren. Aber am Ende kommt es dann auch auf die Details an. Für den DSWV hängt der Erfolg der neuen Glücksspielregulierung im Internet vor allem davon ab, ob es gelingt, den Schwarzmarkt wirkungsvoll einzudämmen. Im Moment gibt es einige Risikofaktoren, die einen schnell wachsenden Schwarzmarkt begünstigen. Insbesondere wird von Experten immer wieder die Glücksspielsteuer genannt. In Zukunft müssen die Glücksspielanbieter mit deutscher Lizenz eine Besteuerung des Spieleinsatzes hinnehmen. Von jedem Einsatz, der für Sportwetten oder auch virtuelle Spielautomaten erbracht wird, muss der Anbieter eine Steuer von 5,3 Prozent abführen. Die Wettsteuer ist schon seit 2012 implementiert. Aber die neue Glücksspielsteuer für Online Casinos kommt erst mit der neuen Regulierung. Nicht nur für die Unternehmen, die in Deutschland ansässig sind und Online Casinos betreiben oder demnächst betreiben wollen, ist die Glücksspielsteuer ein großes Problem. Auch bei vielen Glücksspielanbietern mit Sitz in einem anderen EU-Land sieht man die deutsche Glücksspielsteuer kritisch.

Hohe Auszahlungsquoten passen nicht zusammen mit einer Glücksspielsteuer, die vom Spieleinsatz erhoben wird. Bei den meisten Spielen fällt für den Glücksspielanbieter weniger Gewinn ab als in Zukunft an Steuern erhoben wird. Wenn beispielsweise ein Slot eine Auszahlungsquote von 95 Prozent und die Wettsteuer eine Höhe von 5,3 Prozent hat, reicht einfache Schulmathematik aus, um zu verstehen, dass die Glücksspielanbieter demnächst viel Geld mitbringen müssen, wenn sie sich nicht an die neue Glücksspielsteuer anpassen. Wie kann diese Anpassung aussehen? Wahrscheinlich werden viele Spielehersteller die Auszahlungsquote in ihren Games nach unten schrauben, damit die Glücksspielanbieter auch in Zukunft die Möglichkeit haben, in Deutschland Geld zu verdienen. Alternativ wäre aber auch eine Gebühr möglich, mit der die Glücksspielsteuer auf indirektem Weg von den Kunden kassiert würde. Beide Lösungen sind nicht besonders beliebt, denn die Spiele werden unter dem Strich unattraktiver. Wenn es ausschließlich Glücksspielanbieter gibt, die sich an die Spielregeln halten, ist das kein Problem. Doch genau an dieser Stelle meldet die deutsche Glücksspielbranche erhebliche Zweifel an. Nicht nur beim Deutschen Sportwettenverband möchte man endlich Konzepte zur Bekämpfung des Schwarzmarkts sehen.

Deutscher Glücksspielmarkt von Anfang an unter Druck

Besonders viel Aufmerksamkeit hat der Neustart des deutschen Glücksspielmarkts nicht bekommen. Jenseits der Fachpresse wurde nur wenig berichtet. Aber in den nächsten Monaten könnte sich das ändern, denn einige Experten glauben, dass der Glücksspielmarkt im Internet sehr schnell zu einem Problem werden wird. Auf der einen Seite gibt es die seriösen Glücksspielanbieter, die in Deutschland eine Lizenz beantragen oder bereits erhalten haben. Auf der anderen Seite gibt es die Glücksspielanbieter, die sich nicht nur Deutschland, sondern auch in anderen Ländern nicht an die Spielregeln halten. Diese Glücksspielanbieter bilden in Zukunft in Deutschland den Schwarzmarkt. Der große Vorteil der Anbieter auf dem Schwarzmarkt ist, dass sämtliche Einschränkungen, die in Deutschland gelten, nicht übernommen werden. Bei den Glücksspielanbietern auf dem Schwarzmarkt gibt es keine Glücksspielsteuer, kein Einsatzlimit, kein niedriges Einzahlungslimit und auch keine Begrenzung auf virtuelle Automatenspiele. Es bleibt zu hoffen, dass viele deutsche Glücksspiel-Fans die deutschen Lizenzen als so attraktiv bewerten, dass sie ganz freiwillig nur noch in Online Casinos mit deutscher Lizenz spielen werden.

Das ist vermutlich aber nur Wunschdenken. Viele Glücksspiel-Fans, insbesondere die High Roller, die um sehr hohe Einsätze spielen, werden sich auch in Zukunft wohl die Glücksspielanbieter suchen, die genau die Spiele und Rahmenbedingungen bieten, die sie bevorzugen. Wie lässt sich verhindern, dass viele Spieler auf dem Schwarzmarkt aktiv werden? Eine Möglichkeit hat Deutschland bereits versäumt. Wenn der legale Markt attraktiver gestaltet worden wäre, hätte es keinen Grund gegeben, nach Anbietern auf dem Schwarzmarkt zu schauen. Es gibt aber noch eine zweite Option, die vom Deutschen Sportwettenverband und vielen Glücksspielanbietern, die in Deutschland aktiv sind, vehement gefordert wird: die Bekämpfung des Schwarzmarkts mit restriktiven Maßnahmen. Welche Maßnahmen das genau sein sollen, ist höchst umstritten. Von Internetsperren bis hin zu Zahlungssperren ist vieles vorstellbar, aber nur wenig sinnvoll umsetzbar. Völlig klar ist aber, dass die deutsche Politik ein umfangreiches Konzept braucht, um eine wirkungsvolle Bekämpfung des Schwarzmarkts beim Online-Glücksspiel hinzubekommen. Ansonsten kommen demnächst die ersten Studien und Berichte darüber, dass die Glücksspielregulierung in Deutschland nicht gut funktioniert.