Der Chef-Jurist des Spieleherstellers Endorphina hat ein interessantes Interview gegeben. Jakub Kolomicenko schaut vorsichtig optimistisch auf den neuen Glücksspielmarkt in Deutschland. Allerdings gibt es auch noch einige Unsicherheiten, die zu Problemen führen könnten. Die gute Nachricht gleich am Anfang: Endorphina bleibt auf dem deutschen Glücksspielmarkt. Der renommierte Spielehersteller wird auch in Zukunft Online Casinos auf dem deutschen Glücksspielmarkt bedienen. Allerdings muss hinzugefügt werden: Diese Entscheidung gilt vorläufig. Letztlich wird man sich bei Endorphina ganz genau anschauen, ob der deutsche Markt auch weiterhin lukrative Geschäfte ermöglicht. Kein Unternehmen bleibt auf einem Markt, wenn das nicht der Fall ist.

Endorphina bleibt auf deutschem Glücksspielmarkt

Endorphina Online Spielautomaten

Jakub Kolomicenko ist als Chef-Jurist von Endorphina seit Monaten damit beschäftigt, die neue Glücksspielregulierung zu verstehen und umzusetzen. Das Problem ist allerdings, dass es bislang in Deutschland noch keine Lizenzen für Online Casinos gibt. Es gibt nicht einmal eine Glücksspielbehörde, die zuständig ist für die Online Casinos. Im Interview wird deutlich, dass man bei Endorphina noch nicht ganz genau weiß, wie der Fahrplan ist. Im Moment gibt es eine Übergangsregelung, die letztlich nichts anderes bedeutet, als dass die Glücksspielanbieter, die sich schon vorab an die Regeln halten, keine staatlichen Sanktionen zu befürchten haben. Aber das ist keine rechtsverbindliche Übergangsregelung, sodass die Situation für Endorphina und andere Spielehersteller schwierig bleibt. Erst wenn es deutsche Lizenzen für Online Casinos gibt, wird sich die Situation grundlegend ändern. Allerdings ist schwer absehbar, ob der deutsche Glücksspielmarkt attraktiv bleibt für Spielehersteller wie Endorphina. Jakub Kolomicenko weist im Interview darauf hin, dass die neue Glücksspielregulierung einige Verschärfungen bringen wird. Beispielsweise gibt es ein Einsatzlimit von 1 Euro und jede Spielrunde muss mindestens fünf Sekunden dauern. Zudem muss nach einer Spieldauer von einer Stunde eine Pause von fünf Minuten erfolgen. In dieser Pause wird der Spieler darüber informiert, wie viel Geld er verloren bzw. gewonnen hat.

Diese Maßnahme, die als Realitätscheck bezeichnet wird, soll dazu dienen, Spieler vor sich selbst zu schützen. Allerdings ist in Deutschland auch ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro in Online Casinos vorgesehen, sodass selbst die wildesten Spieler in Zukunft nicht mehr die Chance haben, sich selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten gigantischen Ausmaßes zu bringen. Einzahlungslimits von 10.000 Euro und 30.000 Euro sind in Ausnahmefällen möglich, aber erst nach eingehender Prüfung der Finanzen des Kunden. Insofern wird es in Zukunft keinen Normalverdiener ohne Millionenerbe geben, der in einem Online Casino 10.000 Euro im Monat verlieren kann. Man mag über die einzelnen Maßnahmen und Regeln diskutieren. Aber grundsätzlich ist es eine gute Idee, eine verbindliche Glücksspielregulierung zu schaffen, die dafür sorgt, dass die Casino-Fans sich nicht selbst schädigen. Ein großes Problem hat Jakub Kolomicenko aber mit der neuen Glücksspielsteuer. Das Interview wurde kurz vor der Entscheidung des Bundestags, die Glücksspielsteuer zu beschließen, geführt.

Endorphina sieht neue Glücksspielsteuer skeptisch

Die Glücksspielsteuer ist nach Einschätzung von Jakub Kolomicenko ein großes Problem für den deutschen Glücksspielmarkt. Als das Interview geführt wurde, hatte der Chef-Jurist von Endorphina schon keine Hoffnung mehr, dass der Gesetzgebungsprozess noch gestoppt werden könnte. Was hat es mit der neuen Glücksspielsteuer auf sich? In Deutschland müssen die Glücksspielanbieter eine Steuer in Höhe von 5,3 Prozent von jedem Einsatz an den Staat abführen. Diese Regelung gilt schon ab dem 1. Juli 2021. Ein Außenstehender, der sich mit Online-Glücksspiel nicht auskennt, wundert sich vielleicht, warum Jakub Kolomicenko ein großes Problem in einer vergleichsweise niedrigen Steuer sieht. Aber in Wahrheit stimmt es nicht, dass die Steuer niedrig ist. Der Steuersatz ist zwar niedrig, zum Beispiel im Vergleich mit der Mehrwertsteuer. Aber es handelt sich um eine Spieleinsatzsteuer, die unter dem Strich wahrscheinlich eine deutlich größere Belastung für die Glücksspielanbieter darstellt als eine normale Gewinnsteuer. Für Spielehersteller wie Endorphina gibt es aber noch ein anderes Problem: Die Spiele werden durch die Steuer deutlich unattraktiver gemacht.

Warum werden die Spielautomaten von Endorphina durch die neue Glücksspielsteuer in Deutschland unattraktiver? Im Moment haben die Slots von Endorphina typischerweise eine Auszahlungsquote von 96 Prozent. Bei einem Spielautomaten ist die Auszahlungsquote vielleicht ein bisschen höher. Aber es gibt auch ein paar Slots im Portfolio, die knapp unter 96 Prozent beim RTP-Wert liegen. Schaut man nun auf die Steuer in Höhe von 5,3 Prozent von jedem Einsatz und die Auszahlungsquote von ungefähr 96 Prozent, wird sofort deutlich, dass die Casino-Betreiber Geld auszahlen müssen, wenn diese Konstellation erhalten bleibt. Was bleibt den Spieleherstellern übrig? Wer in Zukunft auf dem deutschen Glücksspielmarkt Spielautomaten im Internet anbieten möchte, muss die Auszahlungsquote bei den Slots senken, um die Gewinnspanne für die Glücksspielanbieter konstant zu halten. Das führt dazu, dass die Spiele weniger attraktiv sind. Wer profitiert davon? Jakub Kolomicenko befürchte wie viele andere Experten, dass auch in Zukunft viele Offshore-Glücksspielanbieter ohne Lizenz die Glücksspielsteuer nicht bezahlen und deswegen Spiele mit höheren Auszahlungsquoten anbieten können. Dieses Problem muss dringend gelöst werden, denn sonst scheitert die Glücksspielregulierung in Deutschland wahrscheinlich sehr schnell. Das Interview mit Jakub Kolomicenko von Endorphina sollten viele Politiker lesen, um zu erkennen, dass gerade ein großes Problem bei der Glücksspielregulierung entsteht.