Kritiker und Experten werfen der Politik vor, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getreten ist und nun endlich die lang erwartete Legalisierung des Online Glücksspiels mit sich gebracht hat, 20 Jahre zu spät kommt. Durch das neue Gesetz hofft die Bundesregierung auf mehr Steuereinnahmen, die gerade jetzt, nach endlosen Monaten einer weltweit anhaltenden Gesundheitskrise und deren wirtschaftlicher Auswirkungen, dringend von Nöten sind.

Neue Glücksspielbehörde bekommt ihren Sitz in Sachsen-Anhalt

Lizenz Online Casino

In der BRD war das Spielen in Online Spielbanken bis zum Sommer 2021 grundsätzlich nicht legal. Die deutschen Glücksspiel-Enthusiasten scherte das jedoch wenig, denn sie hatten mit einem Mausklick Zugriff auf Anbieter weltweit. Und auch die Glücksspiel-Betreiber im Internet sorgten sich nicht weiter um die deutsche Gesetzgebung. Diejenigen von ihnen, die über eine Lizenz aus einem anderen EU-Mitgliedstaat verfügten, hatten dennoch die Möglichkeit, ihre Geschäfte auch in Deutschland zu betreiben, was der Bundesregierung stets missfiel. So konnte es nicht weitergehen, daher setzten sich Vertreter der einzelnen Länder zusammen und einigten sich nach langem und zähem Ringen auf einen Kompromiss, der nach 20 Jahren nun endlich zum neuen Glücksspielstaatsvertrag führte. Durch ihn existiert mittlerweile eine einheitliche rechtliche Grundlage, mit der jetzt alles anders werden soll. Die Freunde des Online Glücksspiels, die schon seit längerem regelmäßig im Netz zocken, haben bereits Online Casinos gefunden, die sie favorisieren. Die meisten von ihnen sehen daher gar keine Notwendigkeit, den Betreiber zu wechseln und auf einen Anbieter mit deutscher Lizenz umzusatteln. Das leuchtet ja auch ein.

Deutsches Vorbild im Bereich der Online Glücksspiel-Legalisierung war Schleswig-Holstein. Das nördlichste Bundesland hatte bereits seit 2012 Online-Lizenzen verteilt. Allerdings war es offiziell nur den Bürgern Schleswig-Holsteins erlaubt, diese Online Spielbanken zu nutzen. Wer seinen Wohnsitz in einem anderen Bundesland hatte, für den war das Zocken bei diesen Betreibern illegal. Das erinnerte doch sehr an eine Komödie oder an einen schlechten Witz. Durch die neue Novelle soll sich nun alles ändern, allerdings gleichen die zahlreichen darin enthaltenen Einschränkungen immer noch einer Comedy. Ein deutliches Beispiel hierfür liefert das grundsätzliche Verbot von sogenannten Live-Angeboten, wie u.a. Roulette, Black Jack oder Baccarat. Es ist davon auszugehen, dass sich die Fans dieser Glücksspiele durch deren Illegalität nicht abschrecken lassen, sondern weiterhin bei ausländischen Anbietern ihren Spielspaß suchen. Zudem bringt die bundesweit einheitliche Regulierung des Online Glücksspiels auch deutlich mehr Bürokratie mit sich. Die soll in Zukunft in der Hand einer neuen Glücksspielbehörde liegen. Als Hauptsitz dieser Behörde, die sich um die Überwachung der neuen Regeln kümmern soll, ist Halle in Sachsen-Anhalt vorgesehen. Diesen weit in der Provinz liegenden Standort bezeichnen Kritiker ebenfalls als einen Witz, da er für viele seriöse Online Casinos, die bereits seit geraumer Zeit über eine Lizenz aus einem anderen EU-Land verfügen, einen enormen Mehraufwand bedeutet.

Gleicht der neue Glücksspielstaatsvertrag einem steinzeitlichen Fossil?

Insbesondere die Experten und Kritiker, die lange gegen die damals angestrebte „Harmonisierung und Vereinheitlichung“ rebellierten, gehen davon aus, dass es zu einer Zunahme von Spielsucht-Betroffenen kommen könnte. Schon seit Jahrzehnten liegt die Zahl der an Spielsucht erkrankten Personen auf sehr niedrigem Niveau. Sie stieg allerdings ein wenig an, nachdem vor bundesdeutschen Gerichten anerkannt wurde, dass Spielsucht bei Strafprozessen zu einem milderen Urteil führt. Ein Anstieg der Spielsucht konnte auch in anderen EU-Staaten, die schon vor längerer Zeit Online Spielbanken, -Buchmacher und Co legalisiert hatten, nicht verzeichnet werden.

Auch wenn der gesamte Glücksspiel-Markt auf die längst überfällige Novellierung gehofft hatte, so erinnert das Ergebnis doch eher an ein steinzeitliches Fossil, als an eine zeitgemäße Gesetzgebung. Es ist beispielsweise untersagt, dass Prominente aus Sport, Musik oder TV in Zukunft weiterhin für Online Buchmacher oder Online Spielbanken werben, und den Kunden ist nicht gestattet, bei verschiedenen Wettanbietern gleichzeitig ihre Wetten abzuschließen. Für die Freunde von Sportwetten ist das ein ausgesprochen problematischer Passus. Sollte ein Wettfreund tatsächlich bei unterschiedlichen Anbietern gleichzeitig seine Tippscheine abgeben, können ihn die jeweiligen Betreiber sperren lassen und auch den eventuellen Gewinn einbehalten.

So etwas kam auch schon in der Vergangenheit vor, weshalb sich die Betreiber in ihrem Vorgehen oftmals bestärkt fühlen. Auch das Einzahlungslimit in Höhe von 1.000,- Euro erscheint Kritikern wie ein Relikt aus der Steinzeit, da jede Spielerin und jeder Spieler jederzeit die Möglichkeit hat, auf ausländische Anbieter auszuweichen, und auch der noch einzuführende Panik-Button wird von vielen als wenig effektiv eingestuft. Wie sich die Steuer-Erhebung von 5,3 Prozent auf diverse Online Casino-Spiele auswirkt, bleibt auch erstmal abzuwarten. Vermutlich werden die Spielerinnen und Spieler lieber EU-lizenzierte Glücksspiel-Anbieter wählen, um diese Steuer zu umgehen. Auch die Online Casinos werden sich aller Voraussicht nach etwas überlegen müssen, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.