Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, die ab 2023 die Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland übernehmen wird, hat angekündigt, dass der Spielerschutz mit drei wesentlichen Ansätzen auf ein neues Niveau gehoben werden soll. Zunächst soll ein datenbasiertes System zur Früherkennung von Problemspielern entwickelt werden. Darüber hinaus soll es eine Plattform für Beschwerden geben. Zudem sollen die Spieler umfassend informiert werden über die geltenden Regeln und Spielerschutz-Maßnahmen. Ob das ausreichen wird, um den Spielerschutz deutlich zu verbessern, muss sich zeigen. Eine gesunde Skepsis ist allerdings angebracht, denn einige zentrale Probleme werden mit diesen drei Ansätzen nicht angegangen.

Neue Glücksspielbehörde will Spielerschutz verbessern

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Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder ist aktuell noch im Aufbau. Ab Mitte 2023 soll die Behörde bereits die Bekämpfung des Schwarzmarkts übernehmen. Da aktuell aber noch keine Lizenzen für Online-Casinos in Deutschland vergeben worden sind, wäre es zumindest im Moment schwierig festzulegen, wer überhaupt auf dem Schwarzmarkt ist. Aber bei den aktuellen Ankündigungen der GGL geht es auch nicht um diese Komponente, die für den Spielerschutz am Ende wohl entscheidend ist. Die beiden GGL-Vorstände Ronald Benter und Benjamin Schwanke haben angekündigt, dass drei neue Säulen für den Spielerschutz in Deutschland aufgebaut werden sollen.

Eine zentrale Rolle soll ein datenbasiertes Früherkennungssystem spielen. Die Glücksspielanbieter sollen Daten über die Aktivitäten der Spieler sammeln und über ein automatisiertes System soll erkannt werden, wenn sich ein Spieler in eine ungünstige Richtung entwickelt. Das klingt gut, bringt aber in der Praxis ein paar Schwierigkeiten mit sich. Zumindest ist derzeit nicht geplant, dass die Glücksspielanbieter allzu viele Daten sammeln. Die Glücksspielanbieter müssen in erster Linie sicherstellen, dass das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro anbieterübergreifend eingehalten wird. Aber ob die Transaktionsdaten ausreichen, um frühzeitig Problemspieler zu entdecken, darf doch bezweifelt werden.

Werden Problemspieler deutschen Markt meiden?

Die meisten Glücksspielexperten gehen davon aus, dass die Problemspieler den regulierten Markt in Deutschland weitgehend meiden werden. Ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro ist für diese Spieler zu niedrig. Deswegen werden die potenziellen Problemspieler auch nicht vom Früherkennungssystem, das demnächst eingeführt werden soll, erfasst. Stattdessen werden wahrscheinlich viele Freizeitspieler in diesem Früherkennungssystem erfasst werden, die kein Problem haben und auch kein Problem entwickeln. Und am Ende sieht es dann so aus, als sei das Früherkennungssystem erfolgreich. Tatsächlich dürfte es aber schwierig sein, mit einem Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat überhaupt ein Problem zu entwickeln. Für manche Spieler ist das ohne Zweifel viel Geld. Aber bei den echten Problemspielern geht es um andere Summen.

Beschwerde-Plattform soll Verstöße aufdecken

Die GGL will eine Plattform für Beschwerden einführen, die jeder Glücksspiel-Fan nutzen kann, um Verstöße gegen die Glücksspielregulierung zu melden. Auch Verstöße gegen die Werberichtlinien sollen auf dieser Plattform gemeldet werden können. Darüber hinaus soll es die Beschwerde-Plattform eine echte Whistleblower-Plattform sein, die anonyme Meldungen ermöglicht. Das klingt gut, könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass die neue Glücksspielbehörde nicht genug Personal hat, um den Dingen selbst auf den Grund zu gehen. Es ist alles andere als schwierig, Glücksspielanbieter im Internet zu finden, die gegen die Spielregeln in diversen EU-Ländern verstoßen. Ein echter Fortschritt wäre es, diese Glücksspielanbieter wirkungsvoll zu verfolgen. Aber wer glaubt ernsthaft daran, dass die neue Glücksspielbehörde erfolgreiche Verfahren gegen Glücksspielanbieter in Asien oder Übersee durchführen wird?

Aufklärung und Information für deutsche Spieler

Nicht zuletzt soll es auf der Webseite der neuen Glücksspielbehörde umfassende Informationen zur Glücksspielregulierung geben. Jeder Spieler soll dazu in der Lage sein, sich ohne Umwege über die geltenden Regeln zu informieren. Ohnehin müssen auch die Glücksspielanbieter, die eine deutsche Lizenz bekommen, zumindest ansprechende Links auf ihren Webseiten präsentieren. Transparenz ist eine gute Sache, wird aber in der Praxis kaum dazu führen, dass ein Problemspieler sich vom Spielen abhalten lässt. Oder gibt es irgendeinen Raucher, der aufgrund schrecklicher Bilder auf der Zigarettenschachtel das Rauchen eingestellt hat? Die neue Glücksspielbehörde wird sich einiges mehr einfallen lassen müssen als die aktuell angekündigten Spielerschutz-Maßnahmen, um nachhaltige Erfolge zu erzielen.