Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat eine Pressekonferenz abgehalten, um die Übernahme der Regulierung des Online-Glücksspiels mit aktuellen Informationen zu dokumentieren. Laut Ronald Benter, einem der Vorstände, ist die neue Glücksspielbehörde „startklar“. Aktuell arbeiten 75 Personen für die GGL. Allerdings soll der Personalbestand im Laufe des Jahres 2023 auf 104 anwachsen. Benter bedankte sich bei der Pressekonferenz für die Vorarbeit, die vom Regierungspräsidium Darmstadt und dem Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt geleistet wurde. Insbesondere im Sportwetten-Bereich ist Deutschland bereits hervorragend aufgestellt. Aber auch bei den Online-Casinos hat sich einiges zum Positiven bewegt.

Casino-Lizenzen und Einzelspielgenehmigungen noch problematisch

Lizenz Online Casino

Die Whitelist mit den zugelassenen Anbietern ist im Bereich der Online-Casinos in den vergangenen Wochen deutlich gewachsen. Aber Ronald Benter wies in der Pressekonferenz darauf hin, dass es nach wie vor viele positiv beschiedene Lizenzanträge gäbe, die noch nicht zu Lizenzen geführt hätten. Der Grund sei, dass viele Glücksspielanbieter die erforderlichen Sicherheitsleistungen noch nicht hinterlegt hätten. Da von Anfang an klar war, wie hoch die Sicherheitsleistung sein würde, dürfte es sich in erster Linie um organisatorische Probleme handeln. Es ist davon auszugehen, dass in naher Zukunft zahlreiche neue Online-Casinos auf den deutschen Markt kommen werden. Das ist eine gute Nachricht, auch wenn es wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis der neue Online-Glücksspielmarkt sein volles Potenzial entfalten kann.

Ein großes Problem sind aktuell laut Ronald Benter die Einzelspielgenehmigungen. Jedes Spiel, das in einem legalen Online-Casino angeboten wird, muss zuvor von der GGL freigegeben werden. Das ist für sich genommen schon ein riesiger Aufwand. Aktuell lägen ungefähr 3.500 Anträge für Einzelspielgenehmigungen vor. Aber nicht einmal 600 Genehmigungen wurden erteilt. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass nahezu alle Spiele in nicht genehmigungsfähiger Form vorgelegt würden. Was bedeutet das? Für den deutschen Markt müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So muss etwa eine deutsche Spielanleitung integriert sein. Zudem darf es keinen Turbomodus und auch keinen Autostart-Modus geben. Der Zeitaufwand für die Genehmigungen dürfte ohnehin schon hoch sein. Wenn dann auch noch die meisten Spiele keine Genehmigung im ersten Anlauf bekommen, erhöht sich der Zeitaufwand insgesamt deutlich.

Kampf gegen illegales Glücksspiel nimmt Fahrt auf

Schon seit Mitte 2022 ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder zuständig für die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels. Laut Benjamin Schwanke, dem zweiten Vorstand der GGL, wurden bislang mehr als 1.000 Webseiten einer Prüfung unterzogen. In der Folge wurden 100 Schreiben an die Betreiber verschickt. In 30 Fällen wurden Strafanzeigen gestellt. Allerdings wies Schwanke in der Pressekonferenz darauf hin, dass die Durchsetzung der üblichen Vollzugsinstrumente problematisch sei, wenn die Anbieter im Ausland ansässig sind. Deswegen arbeite die GGL auch daran, mit Payment Blocking Zahlungsströme zu den illegalen Glücksspielanbietern zu unterbinden. Darüber hinaus soll auch das IP Blocking, mit dem die Webseiten schon beim Provider gesperrt werden, in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Allerdings gehe es im Moment noch darum, IP Blocking „gangbar“ zu machen, da die rechtlichen Hürden hoch sind.

Das große Ziel der neuen Glücksspielbehörde ist es, das illegale Online-Glücksspiel für die Betreiber unattraktiv zu machen. Sollte dies gelingen, wäre die Basis für den legalen Online-Glücksspielmarkt deutlich besser als aktuell. Derzeit kämpfen die lizenzierten Online-Casinos mit einem riesigen Schwarzmarkt, auf dem all das möglich ist, was die deutsche Glücksspielregulierung untersagt. Der Konkurrenzkampf ist somit nicht ganz fair. Die GGL muss für Fairness sorgen, indem die illegalen Glücksspielanbieter vom Markt genommen werden. Ob das allerdings in der Praxis funktioniert, ist eine völlig offene Frage. Bislang ist es in keinem europäischen Land gelungen, das illegale Online-Glücksspiel nachhaltig auszusperren. Aber vielleicht gelingt Deutschland etwas, das alle anderen Länder nicht geschafft haben.

Spielerschutz auf legalem Markt funktioniert gut

Betrachtet man nur den legalen Online-Glücksspielmarkt, ist der Spielerschutz exzellent. Benjamin Schwanke wies in der Pressekonferenz darauf hin, dass die Zentraldateien einwandfrei funktionierten. Schon bald sollen auch die Safe-Server in vollem Umfang laufen. Der Spielerschutz in den deutschen Online-Casinos ist vorzüglich. Allerdings gibt es derzeit noch das Problem, dass viele gefährdete Spielerinnen und Spieler nicht bei den legalen Glücksspielanbietern aktiv sind. Dementsprechend haben diese Spielerinnen und Spieler in der Praxis keinen besonders guten Spielerschutz.