Die Mernov Betriebsgesellschaft mbH hat die erste Lizenz (Erlaubnis) für virtuelle Spielautomaten in Deutschland bekommen. Das Unternehmen der Gauselmann-Gruppe ist heute plötzlich auf der White List des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt aufgetaucht. Die Gerüchte, dass die Gauselmann-Gruppe die erste Lizenz bekommen könnte, gibt es schon länger. Aus den Gerüchten ist nun Gewissheit geworden. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt ist übergangsweise zuständig für die Erteilung der Erlaubnisse für Online-Glücksspielanbieter in Deutschland. Ab 2023 wird sich die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder um die Lizenzvergabe kümmern. Bestätigt werden musste die Vergabe der ersten Erlaubnis an Mernov durch das Glücksspielkollegium, in dem Vertreter aller Länder sitzen.

Erste Lizenz (Erlaubnis) für virtuelle Spielautomaten ist da!

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Bei der Vergabe der ersten Lizenz (juristisch korrekt: Erlaubnis) für virtuelle Spielautomaten in Deutschland ist die Öffentlichkeitsarbeit noch ausbaufähig. Wir müssen als Journalisten nicht unbedingt zu einem Sektempfang eingeladen werden, um den Anlass zu feiern. Aber eine Pressemeldung des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt und der Mernov Betriebsgesellschaft mbH hätten wir schon erwartet. Stattdessen sieht es so aus, als hätte das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt einfach auf der White List ohne weitere öffentliche Ankündigung den ersten Eintrag gemacht. Dabei wäre es doch eigentlich ein Grund zu feiern, dass es nach nicht einmal einem Jahr bereits gelungen ist, eine einzige Lizenz für virtuelle Spielautomaten zu vergeben. Oder ist man sich im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt vielleicht darüber im Klaren, dass es ein wenig seltsam wirkt, dass im ersten Schwung nur eine einzige Lizenz vergeben wird?

Wer sich nicht näher mit dem Online-Glücksspiel in Deutschland auskennt, wird beim Firmennamen Mernov wohl nur mit Schulterzucken reagieren. Aber beim Blick auf den Firmensitz im idyllischen Espelkamp wird einem Kenner der Szene sofort klar, dass es sich um ein Unternehmen der Gauselmann-Gruppe handeln muss. Die Gauselmann-Gruppe ist der größte deutsche Glücksspielanbieter. Als Betreiber zahlreicher Spielhallen und Spielbanken ist der Glücksspielkonzern, der von Paul Gauselmann gegründet wurde und nach wie vor wie ein Familienunternehmen geführt wird, vielen Glücksspiel-Fans bekannt. Besonders populär sind die Merkur-Spielotheken. Es ist davon auszugehen, dass die Merkur-Slots, die unter deutschen Glücksspiel-Fans einen legendären Ruf genießen, in den neuen Online-Casinos des Unternehmens eine wichtige Rolle spielen werden.

Kommen bald weitere Lizenzen für virtuelle Spielautomaten?

Als vor ein paar Monaten die niederländische Glücksspielbehörde im ersten Schritt nur zehn Lizenzen für Online-Casinos verteilte, war der Aufschrei groß in der Glücksspielbranche. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie begeistert aktuell die zahlreichen Glücksspielanbieter sind, die ebenfalls auf eine Erlaubnis für virtuelle Spielautomaten in Deutschland warten. Es ist schwer nachvollziehbar, warum es eine gute Idee sein soll, mit einer einzigen Erlaubnis für virtuelle Spielautomaten zu starten. Theoretisch hat die Gauselmann-Gruppe vorerst in Deutschland ein Monopol für virtuelle Spielautomaten mit deutscher Erlaubnis. Kann es wirklich sein, dass es in den letzten zehn Monaten kein einziger anderer Glücksspielanbieter geschafft hat, die notwendigen Voraussetzungen für die Erteilung einer Lizenz nachzuweisen?

Folgen für Glücksspiel-Fans und Glücksspielanbieter

Es ist noch nicht klar, wie sich die erste Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele in der Praxis auswirken wird. Aber ab Mitte 2023 soll die Glücksspielbehörde damit beginnen, nicht zugelassene Anbieter vom legalen Markt auszuschließen. Betrifft das dann auch die Glücksspielanbieter, die einen laufenden Lizenzantrag haben? Es ist nur schwer vorstellbar, dass es eine sinnvolle und logische Begründung dafür gibt, dass nur ein einziges Unternehmen in Deutschland eine Lizenz für virtuelle Automatenspiele im ersten Schwung bekommt. Selbst wenn die Gauselmann-Gruppe früher als alle anderen Antragsteller alle notwendigen Unterlagen vorgelegt hätte, wäre es doch sinnvoll gewesen zu warten, bis zumindest zehn oder 20 Lizenzen möglich gewesen wären.

Bedauerlicherweise interessieren sich Investigativjournalisten in erster Linie für Randthemen wie Politik und Wirtschaft. Dabei wäre es doch sehr spannend zu erfahren, wie es dazu kommen konnte, dass der größte deutsche Glücksspielanbieter vor allen anderen Konkurrenten, sei es staatlich oder privat, eine Erlaubnis für virtuelle Spielautomaten bekommen konnte. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Gauselmann-Gruppe ist ein top-seriöses mittelständisches Unternehmen. Aber die Professionalität, die beim Glücksspielkonzern zu finden ist, war in den letzten Monaten weder im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt noch beim Glücksspielkollegium der Länder zu erkennen.