Ist LUGAS der Grund dafür, dass es bislang nur eine einzige Lizenz für virtuelle Spielautomaten in Deutschland gibt? Scheitern die Casino-Lizenzen am neuen Überwachungssystem? Lange Zeit hat es Rätselraten darüber gegeben, warum das Erlaubnisverfahren im Bereich der virtuellen Spielautomaten so lange dauert. Aber nun ist ein wichtiges Detail in die Öffentlichkeit gekommen, das Licht ins Dunkel bringen könnte. Aktuell ist es wohl so, dass das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das übergangsweise zuständig ist für das Erlaubnisverfahren, den Anschluss an das Länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem LUGAS erwartet, damit überhaupt eine Lizenz erteilt werden kann. Das ist ein riesiges Problem für viele Glücksspielanbieter.

Bremst LUGAS die Lizenzen für virtuelle Spielautomaten aus?

Lizenz Online Casino

LUGAS ist eingeführt worden, um das Einzahlungslimit von 1.000 Euro in Deutschland überwachen zu können. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit lässt sich nur umsetzen durch eine lückenlose Überwachung. Jede Einzahlung muss in einer zentralen Datei registriert werden. Darüber hinaus gibt es auch noch eine Aktivitätsdatei, die ebenfalls zentral erfasst wird. Mit der Aktivitätsdatei wird sichergestellt, dass kein Spieler in mehreren Online-Casinos gleichzeitig aktiv ist. Die zentrale Erfassung der Daten wurde schon bei den Verhandlungen zum Glücksspielstaatsvertrag von Datenschützern sehr kritisch kommentiert. Trotzdem haben die Bundesländer die zentrale Datenerfassung beschlossen. Kippen könnte dieses Detail der Glücksspielregulierung nur noch durch eine politische Initiative oder durch das Eingreifen von Gerichten.

Doch das ist im Moment ein nachgelagertes Problem. Die Glücksspielanbieter, die derzeit auf die Zuteilung eine Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele warten, brauchen wohl einen Anschluss an LUGAS als Erlaubniserteilungsvoraussetzung. Diese Vorgabe ist allem Anschein nach erst in den letzten Monaten zur Erlaubniserteilung hinzugefügt worden. Ursprünglich war nicht davon die Rede, dass der Anschluss schon vor der Erlaubnisersteilung erforderlich wäre. Bei den Sportwetten-Anbietern hat das so auch nicht stattgefunden. Von allen Glücksspielanbietern, die nach dem neuen Glücksspielstaatsvertrag bereits lizenziert sind, also unter anderem von den Wettanbietern, sind aktuell etwa die Hälfte an LUGAS angeschlossen. Warum sollte es nicht auch bei den Anbietern von virtuellen Automatenspiele möglich sein, den Anschluss nach der Erlaubniserteilung durchzuführen?

Schwierige Situation für Glücksspielanbieter

Ein Glücksspielanbieter, der alle Voraussetzungen erfüllt, um eine Erlaubnis für virtuelle Spielautomaten in Deutschland zu bekommen, steht vor einem großen Dilemma. Der Anschluss an LUGAS soll vorab erfolgen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen könnte das aber zu einem Bumerang werden für die betroffenen Glücksspielanbieter. Auf der anderen Seite wird es wohl keine Erlaubnis geben ohne einen Anschluss an LUGAS. Angesichts dieser neuen Erkenntnis ist es ein bisschen leichter zu verstehen, warum es aktuell erst einen Glücksspielanbieter gibt, der eine Erlaubnis für virtuelle Spielautomaten in Deutschland hat. Den meisten anderen Glücksspielanbietern ist die rechtliche Situation wohl im Moment noch nicht sicher genug.

Vielleicht spielen auch einige Glücksspielanbieter auf Zeit. Es kann durchaus sein, dass das eine oder andere Verwaltungsgericht in Kürze tätig wird und LUGAS in der jetzigen Form kassiert. Es kann allerdings auch sein, dass sich jahrelange Gerichtsverfahren entwickeln, die am Ende auf EU-Ebene entschieden werden müssen. In jedem Fall ist mit der neuen Glücksspielregulierung eine Situation geschaffen worden, die für alle Seiten unbefriedigend ist. Fast ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags gibt es nur eine einzige Lizenz für virtuelle Spielautomaten. Schon frühzeitig hatten viele Experten gewarnt, dass es keine gute Idee sei, zuerst den Glücksspielstaatsvertrag in Kraft treten zu lassen und danach die neue Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder aufzubauen.

Keine Lösung für LUGAS in Sicht

Die Regulierung des Online-Glücksspiels ist in Deutschland aktuell ein Scherbenhaufen. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt hatte und hat wahrscheinlich immer noch große Schwierigkeiten, die Erlaubnisanträge zügig zu bearbeiten. Hinzu kommen die rechtlichen Probleme mit den LUGAS und den dazugehörigen Zentraldateien. Eine Bekämpfung des illegalen Glücksspiels findet nicht statt, weil dafür die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder zuständig ist, aber erst ab dem 1. Juli 2022. Die komplette Regulierung des Online-Glücksspiels übernimmt die neue Glücksspielbehörde sogar erst zum 1. Januar 2023. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, vor der Einführung der neuen Glücksspielregulierung in andere Länder zu schauen. Großbritannien verfügt beispielsweise über jahrzehntelange Erfahrung mit der Regulierung des Online-Glücksspiels.