In Deutschland gibt es immer noch keine Lizenzen für Online Casinos. Das zuständige Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt hat den Jahreswechsel begangen, ohne auch nur eine einzige Lizenz auszustellen. Vieles deutet darauf hin, dass die ersten Lizenzen frühestens Ende des ersten Quartals 2022 vergeben werden. Aber es könnte auch noch eine Weile länger dauern. Angeblich soll die zuständige Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt, die übergangsweise für die Regulierung des Online-Glücksspiels zuständig ist, darauf warten, dass die Politik die Werberichtlinien für das Online-Glücksspiel beschließt. Die neue Glücksspielregulierung entwickelt sich immer mehr zu einem Schildbürger-Streich.

Lizenzen für Online Casinos in der Warteschleife

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Die meisten Glücksspielexperten hatten nicht damit gerechnet, dass in Deutschland innerhalb weniger Monate die ersten Lizenzen für Online Casinos vergeben würden. Als am 1. Juli 2021 der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft trat, war völlig klar, dass es eine Weile dauern würde, bis die über die ersten Lizenzanträge entschieden würde. Aber nun ist mehr als ein halbes Jahr vergangen und es gibt immer noch keine Online Casino mit einer deutschen Lizenz. Für die Glücksspielanbieter und für die Glücksspiel-Fans in Deutschland ist das fatal. Die Übergangsregelung, die nach wie vor gilt, schreibt den Glücksspielanbietern vor, dass sie sich an die neuen Regeln halten müssen. Aber im Gegenzug bekommen die Glücksspielanbieter keinen vernünftigen Schutz geboten. Schutz vor was? Vor dem Schwarzmarkt!

Ein wichtiger Teil der neuen Glücksspielregulierung in Deutschland soll die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels im Internet sein. Im Moment werden aber nur die seriösen Glücksspielanbieter durch die Übergangsregelung erheblich eingeschränkt, während die nicht ganz so seriösen Glücksspielanbieter viel Geld damit verdienen, dass sie deutschen Spielern Online-Glücksspiele in der altbekannter Form anbieten. Besonders gut lässt sich das an dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro zeigen. Dieses Limit gilt für alle seriösen Glücksspielanbieter übergreifend. Die Glücksspielanbieter, die sich nicht an die deutsche Regulierung halten, lassen hingegen deutlich höhere Einzahlungen zu. Preisfrage: Wo zocken aktuell wohl die High Roller, die gerne um deutlich höhere Beträge als 1.000 Euro im Monat spielen? Wohl eher nicht bei den seriösen Glücksspielanbietern, die sich auch ohne Lizenz an die Regeln halten.

Glücksspielregulierung wirkt wenig durchdacht

Auf dem Papier hat Deutschland eine sehr strenge und umfassende Glücksspielregulierung geschaffen. Es gibt einige Kritikpunkte, zum Beispiel die fehlenden Lösungen für High Roller und die fehlende bundesweite Lizenzierung von Online-Tischspielen. Aber mit der neu beschlossenen Regulierung, die durch den Glücksspielstaatsvertrag eingeführt worden ist, wäre es durchaus möglich, einen brauchbaren Online-Glücksspielmarkt zu schaffen. Das Problem ist nur: Deutschland hat die neue Glücksspielregulierung eingeführt, ohne dass die neue Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) arbeitsfähig war. Wenn alles wie geplant läuft, wird die GGL ab Mitte 2022 mit der Bekämpfung des Schwarzmarkt beginnen. Ab 2023 soll dann auch die Lizenzierung und Regulierung der Online Casinos und Online-Pokeranbieter von der GGL übernommen werden.

Wie man auf die Idee kommen konnte, das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das vorher nicht die geringste Erfahrung mit Online-Glücksspiel hatte, für die Lizenzierung und Regulierung der Online Casinos und Online-Pokeranbieter zuständig zu erklären, lässt sich wohl nur mit politischen Argumenten erklären. Fakt ist, dass die Glücksspielaufsichtsbehörde im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt bislang keine gute Bilanz vorzuweisen hat. Viele Experten haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein Kraftakt sei, eine neue Online-Glücksspielregulierung einzuführen. Sicher wäre es besser gewesen, zuerst die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder aufzubauen und anschließend den Glücksspielstaatsvertrag zu ändern. Aber Deutschland ist einen anderen Weg gegangen und die Folgen müssen nun die seriösen Glücksspielanbieter und die Glücksspiel-Fans in Deutschland ausbaden.

Fehlende Kompetenz und Selbstüberschätzung?

Am Beispiel der Online-Buchmacher lässt sich zeigen, dass es durchaus möglich ist, schnelle und pragmatische Lösungen für die neue Glücksspielregulierung zu finden. Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt kümmert sich seit Jahren um die Wettanbieter und dementsprechend bringt das Personal auch viel Erfahrung mit. Wenn zu fehlender Kompetenz auch noch (politische) Selbstüberschätzung hinzukommt, ist das Ergebnis nur selten befriedigend. Immerhin gibt es die Hoffnung, dass irgendwann im Laufe des Jahres 2022 tatsächlich die ersten Lizenzen für deutsche Online Casinos vergeben werden. Aber schon jetzt ist klar, dass die Regulierung des Online-Glücksspiels zumindest im Bereich der Online Casinos und der Online-Pokeranbieter mit einem Stotterstart beginnt. Hätte man doch nur auf die echten Experten gehört!