Der Jahresreport 2020 der Glücksspielbehörden in Deutschland ist veröffentlicht worden. In diesem interessanten Dokument gibt es einige wichtige Daten und Fakten, die auch das Online-Glücksspiel betreffen. Zur Einordnung: Erst seit dem 1. Juli 2021 ist es in Deutschland erlaubt, Online-Glücksspiele anzubieten. Somit betrifft der Jahresreport 2020 das letzte Jahr, in dem es keinen regulierten Markt für Online-Glücksspiel in Deutschland gab. Wer sich für den deutschen Glücksspielmarkt interessiert, sollte sich diesen Jahresreport genau anschauen. Das erstaunlich detaillierte Werk ist auch für die Online-Glücksspielanbieter, die auf dem neuen regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland aktiv sind, empfehlenswert.

Auswirkungen der Gesundheitskrise auf Glücksspiel im Jahr 2020

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Das Jahr 2020 wird als das erste Jahr der nach wie vor andauernden Gesundheitskrise in die Geschichtsbücher eingehen. Auch auf die Glücksspielbranche hat sich die Gesundheitskrise erheblich ausgewählt. Im Jahresreport 2020 wird ausführlich dargelegt, wie die Wettbüros, Spielhallen und Spielbanken unter den Einschränkungen, die ab März vom Staat vorgegeben wurden, gelitten haben. Besonders heftig wurde das Sportwetten-Segment getroffen, da zeitweise überhaupt keine Sportveranstaltungen stattfanden. Dementsprechend war es nicht möglich, Sportwetten in nennenswertem Umfang anzubieten. Das galt auch für die Online-Buchmacher, die in Deutschland damals schon auf der Basis einer Duldung Geschäfte machen konnten.

Spielbanken und Spielhallen wurden über einen langen Zeitraum im Jahr 2020 geschlossen und konnten nach der Wiedereröffnung nur mit strengen Hygienevorschriften Kunden empfangen. Das hat sich auf das gesamte Geschäft negativ ausgewirkt, sodass insgesamt das terrestrische Glücksspiel erheblich gelitten hat unter der Gesundheitskrise. Der Jahresbericht 2020 verzeichnet einen Bruttospielertrag von 11,68 Milliarden Euro. In dieser Zahl ist auch der Schwarzmarkt enthalten. Der legale Markt konnte im Jahr 2020 einen Bruttospielertrag von 10,112 Milliarden Euro erwirtschaften. Somit lag der Anteil des Schwarzmarkts bei 13 Prozent. Wenn diese Zahl stimmt, ist der Wert erstaunlich niedrig. Umgekehrt würde gelten: Die Kanalisierung war im Jahr 2020 gut. Die meisten Glücksspiel- und Sportwetten-Fans wären demnach auf dem legalen Glücksspielmarkt unterwegs gewesen.

Terrestrisches Glücksspiel dominierte im Jahr 2020

In Deutschland wurden laut Jahresbericht 2020 im terrestrischen Bereich 9,517 Milliarden Euro als Bruttospielertrag erwirtschaftet. Im Online-Geschäft konnte die Glücksspielbranche hingegen einen Bruttospielertrag von 2,162 Milliarden Euro erzielen. Das Online-Glücksspiel hatte somit einen Marktanteil von 19 Prozent. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2019 lag der Anteil des Online-Glücksspiels bei 15 Prozent. Die Autoren des Jahresberichts gehen davon aus, dass der Anstieg vor allem im Bereich der Lotterien und Sportwetten zustande gekommen ist. Dahingegen konnten die Autoren nicht feststellen, dass bei den Casino-Spielen in der Gesundheitskrise eine deutliche Verschiebung in Richtung Internet stattgefunden hat. Das widerspricht der landläufigen Meinung, dass die Gesundheitskrise dazu geführt hat, dass plötzlich deutlich mehr Glücksspiel-Fans in Online Casinos unterwegs waren. Die offiziellen Zahlen für das Jahr 2020 geben diese Schlussfolgerung jedenfalls nicht her. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es für die Autoren nicht ganz einfach gewesen sein dürfte, den nicht regulierten Glücksspielmarkt im Internet korrekt zu erfassen.

Allerdings kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Glücksspielmarkt in Deutschland vor allem im terrestrischen Geschäft stattfindet. Im Jahr 2020 gab es 71 Spielbanken, bis zu 6.000 Spielhallen, 21 Sportwettenanbieter und diverse Lotterien. Dahingegen gab es keine regulierten Online Casinos. Trotzdem dürfte sich auch damals schon einiges im Internet abgespielt haben im Casino-Bereich. Es dürfte allerdings außerordentlich schwer sein, den Anteil des Online-Glückspiels im Jahr 2020 realistisch abzuschätzen. Offizielle Zahlen gibt es nicht, da es keine Lizenzen in Deutschland gab. Aber die zahlreichen Glücksspielanbieter, die mit EU-Lizenzen und außereuropäischen Lizenzen in Deutschland präsent waren, dürften gute Geschäfte gemacht haben.

Lotterien sind die erfolgreichsten Glücksspiele

Etwa die Hälfte des gesamten Bruttospielertrags, der in Deutschland mit legalem Glücksspiel im Jahr 2020 erwirtschaftet wurde, kommt aus dem Lotto-Bereich. Die staatlichen Lotterien sind enorm erfolgreich und das hat sich auch durch die Gesundheitskrise nicht geändert. Mit einigem Abstand folgen die Spielautomaten, die in Spielhallen und Gaststätten aufgestellt werden. Die Spielbanken sind lukrativ für die meisten Betreiber, haben aber einen relativ kleinen Anteil am Gesamtmarkt. Noch kleiner ist das Geschäft mit Sportwetten und Pferdewetten. Da sich durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 die Spielregeln für das Online-Glücksspiel fundamental verändert haben, könnte der nächste Jahresbericht der Glücksspielbehörden in Deutschland noch spannendere Zahlen liefern.