Die deutsche Glücksspielbehörde hat in kürzlich veröffentlichten FAQ bekannt gegeben, dass alle virtuellen Automatenspiele, die unter einer deutschen Lizenz demnächst angeboten werden, von der Behörde erlaubt werden müssen. Der aktuelle Stand ist, dass die Behörde für jedes Online Casino individuell jedes einzelne Spiel überprüfen muss, bevor eine Erlaubnis erteilt wird. Derzeit sorgt diese Ankündigung für Unsicherheit bei vielen Spieleherstellern und Glücksspielanbietern. Wir hatten die Möglichkeit, mit Robert Lenzhofer, dem CEO des deutschen Spieleherstellers Hölle Games über dieses Thema zu sprechen. Die wichtigste Erkenntnis ist: Am Ende ist wahrscheinlich alles gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussieht. Hier ist unser Interview mit Robert Lenzhofer:

Hölle Games

CB360: Das Landesverwaltungsamt hat erklärt, dass die Casino-Betreiber jedes Spiel zertifizieren lassen müssen. In anderen Jurisdiktionen müssen die Spielehersteller die Spiele zertifizieren. Das bedeutet, dass die zuständige Glücksspielaufsichtsbehörde einen riesigen Aufwand betreiben muss für die Lizenzierung eines Casinos. Auch auf die Casino-Betreiber wartet viel Arbeit. Als Spielehersteller ist Hölle Games eigentlich fein raus, oder? 

Robert Lenzhofer: Da alles neu ist, wissen wir naturgemäß natürlich nicht, was das genau bedeuten wird für uns als Spielehersteller in der Praxis. Man kann nur Vermutungen anstellen im Moment. Wenn man liest, dass das Amt vorwiegend oder eigentlich ausschließlich einen Demo-Link für das Spiel sehen will, ergibt sich daraus, dass dies nur eine sehr oberflächliche Analyse des jeweiligen Spiels sein kann und dass eine Genehmigung dann je Spiel eigentlich extrem rasch erteilt werden könnte.

Weiters steht im Wortlaut in den FAQ auch, dass die Spiele „auf die Einhaltung der in $ 22a Abs. 1-12 GlüStV 2021 genannten Tatbestandsmerkmale geprüft“ werden. Das sind kurz gesagt lediglich Dinge wie Anzeige der Wahrscheinlichkeit des Höchstgewinns, Anzeige der durchschnittlichen Auszahlungsquote (RTP-Wert), dass Spiele nur in Euro und Cent angegeben werden dürfen, dass es kein Autoplay gibt, dass die 5 Sekunden Spielrundendauer eingehalten werden, dass der maximale Einsatz von 1 Euro eingehalten wird etc. Es wird nach meiner Einschätzung im Glücksspielstaatsvertrag und in den FAQ nicht ausdrücklich erklärt, ob auch die bei Zertifizierungsunternehmen wie iTech Labs und GLI (Gaming Labs International) üblichen Schritte wie Source-Code-Review, RTP-Simulation, Spielregeln-Überprüfung, Log-File-Überprüfung etc. gemacht werden. Ich gehe aber von einer sehr einfachen und oberflächlichen Spiel-Analyse aus nach dem aktuellen Stand der Dokumente.

CB360: Habt ihr schon Rückmeldungen von euren Casino-Partnern zum neuen Zertifizierungsprozess bekommen?

Robert Lenzhofer: Sehr wenige. Bis jetzt ist das Einzige, was wir zusätzlich, also über eine MGA-Zertifizierung (Malta Gaming Authority) hinaus, machen müssen, zertifizierte deutsche Übersetzungen des MGA-Zufallsgenerator-Zertifikats und des MGA-Spiele-Zertifikats zu liefern.

CB360: Die Casino-Betreiber müssen kostenlose Demoversionen aller Spiele zur Verfügung stellen, damit die zuständigen Mitarbeiter im Landesverwaltungsamt die Spiele testen können. Habt ihr die passenden Spielgeld-Versionen für eure Spielautomaten bereits im Programm?

Robert Lenzhofer: Ja, die kostenlosen Demoversionen mit Spielgeld sind bei uns genauso wie bei praktisch allen anderen Spieleherstellern problemlos verfügbar.

CB360: Werdet ihr zusätzliche Dokumentationen liefern zu euren Spielen, damit die Glücksspielbehörde zum Beispiel euer innovatives Feature „Bonus Spin“ versteht und richtig bewertet?

Robert Lenzhofer: Der Bonus Spin ist Teil der Spielregeln und wird dem Spieler, dem Casino-Betreiber und der Behörde transparent erklärt. Da der Bonus Spin hinsichtlich der Spielmechanik mit einem Freispiel identisch ist, handelt es sich aus regulatorischer Sicht nicht um eine Besonderheit oder etwas Unübliches.

CB360: Geht ihr davon aus, dass alle eure Spiele die Zertifizierung schaffen? Vermutlich werden Behördenmitarbeiter mit der Zertifizierung beschäftigt sein, die nicht viel Erfahrung mit Online-Slots haben.

Robert Lenzhofer: Ich würde generell das Wort „Zertifizierung“ vermeiden in Bezug auf die Tätigkeiten des Amtes, da es sich wie gesagt aller Wahrscheinlichkeit nach nur um eine sehr oberflächliche Analyse handelt.

CB360: Robert, vielen Dank für das Gespräch!

Hier sind die FAQ des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalts, in denen die Erlaubnisse für Online-Slots erläutert werden.