Der Ministerpräsident von Hessen, Boris Rhein, hat sich dafür ausgesprochen, das Glücksspiel in Zukunft qualitativ zu regulieren. Was bedeutet das? In Hessen soll künftig die Qualität des Angebots, und dazu gehört insbesondere auch der Spielerschutz, maßgeblich sein für Lizenzen und Konzessionen. Das ist eine deutliche Abkehr vom quantitativen Ansatz, der im aktuellen Glücksspielstaatsvertrag zu finden ist. Besonders der Mindestabstand zwischen Spielhallen und zu sensiblen Institutionen ist für viele Spielhallen-Betreiber in Deutschland ein riesiges Problem. Boris Rhein will in Hessen eine sinnvolle und pragmatische Glücksspielregulierung umsetzen, die am Ende tatsächlich zu mehr Spielerschutz führt.

Hessischer Ministerpräsident setzt auf Qualität beim Glücksspiel

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Bei der Glücksspielregulierung in Deutschland dominiert in den letzten Jahren der Ansatz, das Angebot möglichst stark zu reduzieren. Das einfache Kalkül lautet: Je weniger Glücksspielanbieter verfügbar sind, desto weniger wird gespielt. Wenn wenig gespielt wird, ist der Spielerschutz hoch. Allerdings sind sich viele Fachleute darüber im Klaren, dass diese einfache Rechnung nicht stimmt. Nicht einmal beim ausschließlichen Blick auf das terrestrische Glücksspiel genügt es, die Anzahl der Spielhallen und Spielbanken zu beschränken. Am Rande bemerkt: Bei der Diskussion um die Reduzierung des Glücksspielangebots geht es praktisch nie um Spielbanken, die oft in staatlicher Hand sind, sondern fast immer nur um Spielhallen.

Ein riesiges Problem beim Glücksspiel ist, dass der gesamte Markt von der Nachfrage bestimmt wird und nicht vom Angebot. Was bedeutet das in der Praxis? Die Nachfrage ist so stark, dass die Anzahl der illegalen Angebote deutlich zunimmt, wenn die Anzahl der legalen Angebote reduziert wird. Von den illegalen Angeboten werden aber vor allem die Spielerinnen und Spieler angezogen, die als besonders gefährdet gelten. Speziell diese Spielergruppe wäre viel besser aufgehoben in hochwertigen Spielhallen, die ordentlich reguliert sind. Auf der Basis dieser Erkenntnis will der hessische Ministerpräsident Boris Rhein das legale Angebot so gestalten, dass mögliche illegale Alternativen gar nicht erst interessant werden für die Glücksspiel-Fans in Hessen. Nicht zuletzt muss berücksichtigt werden, dass sich in den vergangenen Jahren die Glücksspiellandschaft durch das aufkommende Online-Glücksspiel erheblich verändert hat.

Legale Online-Casinos als ernstzunehmende Konkurrenz

Eine gut regulierte Spielhalle, die regelmäßig kontrolliert wird, bietet einen hochwertigen Spielerschutz. Die Ordnungsbehörden haben direkten Zugriff auf die Spielhallen-Betreiber und können, wenn sich etwas in die falsche Richtung entwickelt, schnell und unkompliziert eingreifen. Doch die Vertreter des quantitativen Ansatzes sehen diese Vorteile anscheinend nicht und möchten möglichst viele Spielhallen schließen. Allerdings gibt es längst legale Konkurrenz im Internet. Die deutschen Online-Casinos bieten moderne Automatenspiele in einer großen Vielfalt an. Für die Spielhallen-Betreiber gibt es langfristig vielleicht nur einen Ausweg: eigene Online-Casinos. Aber das dürfte nur eine Option sein für die größeren Unternehmen, die viele verschiedene Spielhallen betreiben.

Für die Automatenbranche in Hessen ist es wichtig zu sehen, dass es keine Pläne gibt, ein großes Spielhallensterben einzuleiten. In Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und einigen anderen Bundesländern ist die Situation deutlich schwieriger für die Spielhallen-Betreiber und die Automatenaufsteller. Allerdings gibt es immer das Problem, dass sich die politische Situation ändern kann. Die aktuellen Aussagen sind deswegen zunächst einmal nur bis zur nächsten Wahl verlässlich. Aber zumindest bis dahin sollte es kein Problem geben mit Spielhallen-Schließungen in Hessen. Und letztlich sollte es auch eine Rolle spielen, ob sich das aktuelle System bewährt. Hessen gehört seit vielen Jahren zu den Bundesländern, in denen das Glücksspielrecht vergleichsweise liberal gestaltet ist. Der Spielerschutz hat bislang darunter nicht gelitten.

Bei Glücksspielregulierung alle Angebote berücksichtigen

Viele Politiker wollen Spielhallen und Spielbanken immer noch so regulieren, als gäbe es kein Online-Glücksspiel. Wer ernsthaft glaubt, dass es möglich wäre, die Nachfrage nach Glücksspiel zu reduzieren durch die Schließung von zahlreichen Spielhallen, hat in den letzten Jahren die Entwicklung auf dem Online-Glücksspielmarkt mitverfolgt. Das Online-Glücksspiel ist mittlerweile so wichtig und attraktiv, dass sich sogar die deutschen Bundesländer auf eine Regulierung einigen mussten, um nicht komplett die Kontrolle zu verlieren. Warum gerade bei der Regulierung von Spielhallen die Konkurrenz durch die Online-Casinos oft bei der Gesetzgebung ausgeblendet wird, lässt sich nicht mit Fakten begründen.