Seit gut zwei Monaten ist nun auch in Deutschland das Online Glücksspiel erlaubt, und der Staat hat ein großes Interesse daran mitzuverdienen. Bevor die große internationale Gesundheitskrise ausbrach, erwirtschafteten die stationären Spielbanken, Casinos und Spielhallen mit staatlicher Konzession jährlich immerhin schon einen Bruttospielertrag von rund sechs Milliarden Euro pro Jahr. Trotz dieser Zahlen ist die Branche verunsichert und macht ihrem Unmut Luft.

Die Branche baut auf Mobile Gaming

Mobile Online Casino

Daniel Henzgen gehört zur Führungsriege der Löwen Entertainment, dem größten Betreiber von Spielhallen in der BRD, der parallel auch einer der erfolgreichsten Hersteller von Spielautomaten ist. In einem Interview mit der großen deutschen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), das unmittelbar vor Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags erschien, äußerte er sich ausgesprochen kritisch, um nicht zu sagen wütend: „In der politischen Diskussion werde ich oft angeschaut, als würde ich Hundebabys frühstücken. Ich finde es eine Unverschämtheit und Hochnäsigkeit einer pseudo-intellektuellen Mittelschicht, die Besucher von Spielhallen pauschal als Gescheiterte gesellschaftlich abzuqualifizieren.“ Stattdessen bricht er eine Lanze für seine Branche und deren Kunden: „Es ist der vielleicht letzte verbliebene Ort, wo sich Leute ohne soziale Schichtung bewegen können. Hier kann keiner mit einem 500-Euro-Schein den dicken Max markieren wie in der Spielbank. Hier sind alle gleich. Wir sehen hier ein Abbild der Gesellschaft, Partygänger vor dem Disco-Besuch ebenso wie Bewohnerinnen aus dem Altersheim, die den Geldeinwurf als Eintrittsgeld für die Teilhabe am Leben betrachten.“ Henzgen versteht sich und sein Unternehmen als einen „Anbieter von Unterhaltungselektronik“; einer Elektronik, die für viele Menschen ein Hobby ist, dem sie regelmäßig oder unregelmäßig nachgehen.

Dieser angenehme und Spaß bringende Zeitvertreib wird durch die Chance auf Geldgewinne für viele Nutzer noch reizvoller. Pro Stunde können an einem Spielautomaten höchstens 400,- Euro gewonnen werden, und für die Verluste gibt es eine Begrenzung von 60,- Euro in der Stunde. Entsprechend werden die Automaten programmiert. Hierfür gibt es ganz klare Regularien, die vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Außerdem sind auch Zeiten für Pausen exakt geregelt, ebenso, wie Spielersperren. Seit dem 1. Juli dieses Jahres hat die Branche nun eine neue Regulierung bekommen, übrigens die vierte im Zeitraum von zehn Jahren. Durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag sind nun auch Online Slots, Online Poker und Online Casinospiele legal geworden, und deutsche Anbieter haben jetzt die Möglichkeit, sich um die Lizenz für ein Online Casino zu bewerben. Dabei baut die Branche in erster Linie auf Mobile Gaming, da das kurze Spiel für Zwischendurch, das auf dem Smartphone an jedem Ort und zu jeder Zeit genossen werden kann, immer beliebter wird. „Das Handy ist der perfekte Pausenfüller“, sagte Daniel Henzgen in dem Interview und erinnerte daran, dass sich sogar Ministerpräsidenten mit dem Zocken im Internet ihre Zeit vertreiben, wenn manche Sitzungen mal wieder zu lange dauern.  

Vergleiche mit der Prohibition in Amerika

Nicht alle neuen Regulierungen werden von der Glücksspiel-Branche begrüßt. Zwar wird die neue Sperrdatei für gefährdete Spieler allseits befürwortet, doch die Beschränkungen für das monatliche Spiel-Volumen stößt auf sehr viel Unverständnis. Daniel Henzgen kritisiert das monatliche Einsatzlimit von 1.000,- Euro. „Das macht keinen Sinn. Für den pathologischen Spieler ist null das richtige Limit. Den anderen würde ich selbst überlassen, wie viel sie spielen mögen.“ Auch die geplante Steuer von 5,3 Prozent der Online Einsätze ist den Anbietern zu hoch. Bislang behielten sie von den Spieleinsätzen rund vier Prozent ein und boten eine Ausschüttung von rund 96 Prozent. Bei dieser neuen Rechnung wären die Anbieter gezwungen die Ausschüttung zu senken. Eine Tatsache, die das Zocken bei legalen Betreibern vermutlich deutlich unattraktiver macht, als das illegale Glücksspiel, das in Deutschland steuerfrei ist.

Diese Situation ist auch für die Politik nicht unkompliziert. Auf eine strenge Kontrolle setzt beispielsweise die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU). Sie sagte noch kurz vor Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags: „Mit der Erlaubnis von bestimmten Arten des Online-Glücksspiels mit klaren Regeln zum Jugend- und Spielerschutz wollen die Länder dem Abdriften ins illegale, komplett unregulierte Zocken im Netz etwas entgegenhalten. Das klingt erst mal gar nicht schlecht. Damit das aber in der Praxis funktioniert, sollte die gemeinsame Glücksspielbehörde idealerweise von Tag eins voll einsatzfähig sein. Das dauert aber leider noch, was alles andere als optimal ist. Wir brauchen Kontrolle, und zwar vom ersten Tag an. Dafür müssen Länder und Kommunen sorgen.“

Parallel bangt die Branche um ihre Existenz. Daniel Henzgen erinnert u.a. an die amerikanische Prohibition und betont, dass das damalige Alkoholverbot auch nicht dazu geführt hätte, dass die Amerikaner weniger Alkohol konsumiert haben. „Es wurde genauso viel getrunken, aber es gab zusätzlich auch noch Erblindete wegen illegaler minderwertiger Schnapsbrenner. Und als Konsequenz des Alkoholverbots-Versuchs ist die Mafia in Amerika entstanden.“ Er fordert: „Die Politik muss unser legales, gut kontrolliertes Angebot als Erfüllungsgehilfen für ihre Ziele sehen.“ Allerdings ist die Branche aktuell noch sehr weit davon entfernt. Die einzelnen Landesregierungen wollen sogar zahlreichen etablierten stationären Glücksspiel-Anbietern ihre Konzessionen entziehen, da sie die neuen Mindestabstand-Regeln nicht erfüllen. Für mehrere hundert Spielhallen bedeutet das das endgültige Aus. Wie viele der zu dicht beieinander liegenden Spielstätten nun tatsächlich schließen müssen, ist aktuell noch unklar. Ebenfalls ungeklärt ist die Rechtssicherheit solcher Maßnahmen. Die Branche geht derzeit davon aus, dass mehr als 8.000 Arbeitsplätze gefährdet sind und rechnet mit einer Welle von Klagen.