Die Safe-Server, ein wichtiger Bestandteil der neuen Regulierung des Online-Glücksspiels, werden aller Voraussicht nach nicht vor 2023 eingeführt. Damit gibt es einen weiteren Rückschlag bei der Umsetzung des neuen Glücksspielstaatsvertrags. Jeder Online-Glücksspielanbieter muss Daten zu den Spieleraktivitäten erfassen und der zuständigen Glücksspielbehörde zur Verfügung stellen. Für diesen Zweck sollen Safe-Server eingerichtet werden, auf denen die Daten gespeichert und der Behörde zur Verfügung gestellt werden. Allerdings ist nun herausgekommen, dass es nicht einmal eine technische Richtlinie gibt für den Safe-Server. Deswegen hat auch die Programmierung der erforderlichen Software noch nicht begonnen. Das ist ein bemerkenswertes Problem.

Wichtige Safe-Server kommen frühestens 2023

Spielerschutz Online Casino

Mit den Safe-Servern soll die zuständige Behörde in die Lage versetzt werden, das Online-Glücksspiel detailliert zu überwachen. Mit der Erfassung der Spieleraktivitäten soll eine Basis für sinnvollen Spielerschutz geschaffen werden. Die Idee ist nicht verkehrt, aber es gibt, wie so oft bei der Regulierung des Online-Glücksspiels, Probleme bei der Umsetzung. Ein Blick in den Glücksspielstaatsvertrag genügt schon, um eine Ahnung davon zu bekommen, warum es schwierig ist, die Safe-Server einzuführen. Insbesondere dürfte es nicht ganz einfach sein, detaillierte Daten zu den Spieleraktivitäten zu erfassen und zu speichern, ohne gegen geltende Datenschutz-Gesetze zu verstoßen. Die geplante Pseudonymisierung muss so gestaltet werden, dass die Daten der Kunden nicht eindeutig zugeordnet werden können. Gerade in Online-Casinos mit einem kleinen Kundenstamm dürfte das aber enorm schwierig sein.

Der Glücksspielstaatsvertrag ist am 1. Juli 2021 in Kraft getreten. Doch auch 14 Monate danach ist es immer noch nicht gelungen, eine technische Richtlinie für die Safe-Server zu schreiben. Warum ist das wichtig? Ohne eine technische Richtlinie ist es nicht möglich, ein Unternehmen damit zu beauftragen, die Software, die für den Safe-Server erforderlich ist, zu programmieren. Allein die Umsetzung der technischen Richtlinie soll 6 bis 8 Monate dauern. Für eine Software, die nicht allzu kompliziert sein dürfte, ist das allerdings auch bereits kein besonders ambitionierter Plan. Anschließend müssen noch Praxistests erfolgen, bevor die Safe-Server bei allen Anbietern mit einer Lizenz für Online-Glücksspiele installiert werden. Es wäre fast schon ein Wunder, wenn die Safe-Server noch im Jahr 2023 flächendeckend aktiviert würden.

Höhere Einzahlungslimits schon ab 1. Januar 2023?

Im Sportwetten-Bereich haben die lizenzierten Anbieter bereits die Möglichkeit, individuell Einzahlungslimits bis zu 10.000 Euro oder 30.000 Euro zu gewähren. Es gibt allerdings einen Haken: Diese Limits gelten nicht anbieterübergreifend, sondern nur beim jeweiligen Anbieter. Das liegt daran, dass Lugas, das Kontrollsystem, mit dem unter anderem auch die Einzahlungen überprüft werden, bislang keine höheren Beträge als 1.000 Euro verarbeiten kann. Somit haben Sportwetten-Fans mit den entsprechenden finanziellen Möglichkeiten im Moment die Chance, bei vielen verschiedenen Anbietern hohe Limits zu bekommen und entsprechend viel einzusetzen. Für High Roller, die kein Problem mit einer Bonitätsprüfung haben, ist das eine gute Sache.

Es steht noch nicht fest, ob die höheren Limits von 10.000 Euro und 30.000 Euro pro Monat auch für die legalen Online-Casinos in Deutschland kommen werden. Sicher ist aber, dass die Einführung nicht vor dem 1. Januar 2023 stattfinden wird, da die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erst ab diesem Datum die Kontrolle übernimmt. Die GGL hat rechtlich die Möglichkeit, höhere Limits einzuführen. Viele Experten befürworten dies, da es im Moment durch das niedrige Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat für High Roller keine Optionen auf dem legalen Online-Glücksspielmarkt gibt. Und mit der nötigen Planung wäre es vielleicht sogar möglich, die höheren Limits anbieterübergreifend umzusetzen.

Erschreckend langsame Umsetzung der Glücksspielregulierung

Die Regulierung des Online-Glücksspiels könnte eine sehr einfache Sache sein. Die UK Gambling Commission und die Malta Gaming Authority zeigen dies seit Jahren. Das Online-Glücksspiel ist keine Raketenwissenschaft, auch wenn dies vielleicht manchen Beamten im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, der aktuell zuständigen Glücksspielbehörde, so vorkommen mag. Das größte Problem sind aber nicht die Behörden, sondern die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Bundesländer haben einen Glücksspielstaatsvertrag ausgehandelt, der zumindest beim Online-Glücksspiel viele kleine und große Regelungen enthält, die zu einem riesigen Arbeitsaufwand führen, ohne dass der Spielerschutz, das wichtigste Ziel der Glücksspielregulierung, besser wird. Die bedauernswerten Beamten im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt und demnächst in der GGL müssen die Fehler und Versäumnisse der Politik ausbaden.