Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) könnte demnächst den Internetprovidern in Deutschland das Geschäft schwer machen. Die GGL hat angekündigt, den Internetprovidern, die nicht kooperieren, erhebliche Bußgelder und Verfahrenskosten aufzubrummen. Um was geht es? Die neue Glücksspielbehörde, die für das Online-Glücksspiel in Deutschland zuständig ist, will IP-Sperren nutzen, um illegalen Glücksspielanbietern den Zugang zum deutschen Markt zu verwehren. Doch IP-Sperren können nicht an einer zentralen Stelle umgesetzt werden. Vielmehr muss jeder Internetprovider individuell die IP-Sperren umsetzen.

Keine IP-Sperre für illegale Online-Casinos? Hohe Bußgelder!

Richter mit deutschem Gesetzbuch in Rot

Die GGL ist erst seit einigen Wochen zuständig für die Bekämpfung des Schwarzmarkts beim Online-Glücksspiel. Doch die neu geschaffene Behörde zeigt sich gut vorbereitet. Ein wichtiges Element bei der Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels sollen IP-Sperren werden. Die erste Sperre hat die GGL bereits angekündigt. Diese Sperre betrifft mit Lottoland allerdings einen Anbieter von Zweitlotterien. Doch demnächst werden auch nicht lizenzierte Online-Casinos mit IP-Sperren belegt. Das hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder sehr deutlich gemacht. Damit die IP-Sperren funktionieren, müssen die Internetprovider kooperieren. In einem aktuellen Schreiben hat die GGL sehr deutlich vermittelt, womit die Internetprovider rechnen müssen, wenn sie sich nicht an die Vorgaben halten.

Die deutsche Glücksspielbehörde droht den Internetprovidern, dass Bußgelder bis zu einer halben Million Euro denkbar seien, wenn nicht die gewünschte Kooperation stattfinde. Doch was ist genau gemeint? Die GGL bietet den Internetprovidern an, über eine unmittelbare Kommunikation die IP-Sperren umzusetzen. Für die Internetprovider bliebe dann nur der Aufwand zur Umsetzung als Kostenfaktor. Aber wie soll das funktionieren? Die Internetprovider müssen sicherstellen, dass sie sich nicht strafbar machen. Eine Sperre auf Zuruf kann kaum funktionieren, denn dann machen sich die Internetprovider angreifbar vonseiten der Glücksspielanbieter. Das aktuelle Schreiben der GGL an zahlreiche Internetprovider in Deutschland irritiert die Branche erheblich, denn dieses Vorgehen ist in jeder Hinsicht unüblich.

Umsetzung der IP-Sperren ist schwierige Aufgabe

Das Schreiben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder gibt einen wichtigen Hinweis darauf, wie schwierig es ist, IP-Sperren in der Praxis umzusetzen. Zumindest alle großen Internetprovider in Deutschland müssten kooperieren, damit die gewünschte Wirkung erreicht wird. Aber kann es wirklich sein, dass die GGL mit jedem einzelnen Internetprovider in Deutschland kommunizieren möchte, um die Umsetzung der IP-Sperren zu überprüfen? Im Schreiben wird ausdrücklich erwähnt, dass der Nachweis „per Screenshot“ erfolgen könne. Solange dieser Nachweis per E-Mail und nicht per Fax übermittelt werden kann, wäre dies zumindest schon einmal ein Fortschritt im Vergleich zu früheren Zeiten.

Genügt es nicht schon, dass die GGL demnächst jeden einzelnen Spielautomaten in jedem Casino individuell überprüfen muss? Nun soll auch noch jede einzelne Internetsperre bei jedem Service-Provider individuell überprüft werden? Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder braucht deutlich mehr Personal, wenn die Umsetzung der Aufgaben weiterhin mit derart viel Micromanagement stattfinden soll. In anderen Ländern wird eine Sperrliste zusammengestellt von der Glücksspielbehörde der Länder. Für den Rest sind die Ordnungsbehörden zuständig. Doch die neue Glücksspielbehörde in Deutschland hat anscheinend andere Pläne. Wie die praktische Umsetzung aussehen soll, bleibt abzuwarten, zumal davon auszugehen ist, dass sich der eine oder andere Anwalt geplante Verfahren genauer anschauen wird.

IP-Sperren sind unter Experten umstritten

Es gibt viele Internetexperten, die sich klar gegen IP-Sperren positionieren. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass es leicht passieren kann, dass falsche Anbieter gesperrt werden. Schon aus technischen Gründen ist es nicht ganz einfach, dieses Problem komplett zu vermeiden. Der zweite Grund ist, dass IP-Sperren sehr leicht ausgehebelt werden können. In der heutigen Zeit weiß jeder halbwegs aktive Internetnutzer, dass es sehr leicht ist, Webseiten, die in Deutschland oder Europa gesperrt sind, trotzdem aufzurufen.

Warum sollte das gerade bei den Online-Casinos nicht funktionieren? Es ist eine gute Sache, die seriösen Online-Casinos vor dem Schwarzmarkt zu schützen. Aber es ist auch wichtig, dass dabei ein vernünftiger Weg gegangen wird, der nachhaltig funktioniert. Wenn die IP-Sperren in der geplanten Art und Weise umgesetzt werden, wird es wohl schon bald die ersten Gerichtsverfahren zu diesem Thema geben. Es ist schwer vorstellbar, dass sich alle Internetprovider das angekündigte Vorgehen der GGL gefallen lassen.