Die ersten Glücksspielanbieter klagen gegen Spieler. Das ist eine überraschende Wende, denn zuletzt gab es vermehrt Meldungen über Spieler, die gegen Online Casinos klagen. Was ist da los? Fakt ist, dass es eine ganze Reihe von Spielern gibt, die in den letzten beiden Jahren gegen Online-Glücksspielanbieter geklagt haben. Gemeinsam hatten diese Klagen, dass es sich bei den Beklagten um Unternehmen in Malta handelte. Der Grund ist klar: Malta ist Mitglied der Europäischen Union und somit gelten die EU-Gesetze. Bei den Klagen ging es um die Rückzahlung von Spieleinsätzen, die die Kläger bei den jeweiligen Online-Casinos verloren hatten. Doch warum klagen nun erste Glücksspielanbieter gegen Spieler?

Glücksspielanbieter gehen gegen klagende Spieler vor

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Wie kann ein Glücksspielanbieter gegen einen Spieler eine Klage einreichen, der Spielverluste zurückhaben möchte? Die Antwort ist: Es geht um Feststellungsklagen. Die Glücksspielanbieter, die diesen Weg gehen, wollen vor Gericht erreichen, dass festgestellt wird, dass keine Rückerstattung erfolgen muss. In einem aktuellen Fall ist dies der renommierten Kanzlei Hambach & Hambach vor einem Landgericht gelungen. Das Ergebnis ist, dass der Spieler nicht nur kein Geld bekommt, sondern auch auf den Anwaltskosten und den Gerichtskosten sitzen bleibt. An diesem Fall wird deutlich, dass die Spieler, die gegen Online-Glücksspielanbieter klagen, ein erhebliches finanzielles Risiko tragen. Mitunter wird der Eindruck vermittelt, dass es sehr einfach sei, Spielverluste durch Klagen zurückzubekommen. In Einzelfällen ist dies auch in erster Instanz gelungen. Aber es gibt zahlreiche Fälle, bei denen die Gerichte für die Glücksspielanbieter entschieden haben.

Zudem gebe es bislang nach Angaben von Hambach & Hambach erst ein rechtskräftiges Berufungsurteil und dieses sei vor dem Landgericht Bonn zugunsten des Glücksspielanbieters ausgefallen. Wenn in den Medien teilweise suggeriert wird, dass es eine einfache Sache sei, Online-Glücksspielanbieter zu verklagen und Geld zurückzubekommen, entspricht dies nicht der Realität. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die Gerichte zunehmend zugunsten der Glücksspielanbieter entscheiden, oft auch schon in erster Instanz.

Prozesskosten können für Spieler erheblich sein

Wenn ein Spieler gegen ein Online-Casino klagt und den Prozess verliert, entstehen erhebliche Kosten. Die Anwälte müssen bezahlt werden und die Gerichtskosten können ebenfalls hoch sein. Zudem ist davon auszugehen, dass die Glücksspielanbieter, die in erster Instanz verlieren, in Berufung gehen und eine zweite Instanz anrufen. Dadurch können die Kosten erheblich steigen. Aktuell lässt sich schwer einschätzen, wie gut die Chancen für einen Spieler sind, der die Rückzahlung von Spieleinsätzen vor Gericht einklagt. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sich eine klare Richtung ergibt, eventuell auch irgendwann in Form eines höchstrichterlichen Urteils. Bis dahin bleibt das Risiko in derartigen Verfahren für die Spieler hoch.
Ein anderer interessanter Fall betrifft ein Unternehmen aus der Schweiz, das die Ansprüche von Spielern auf Rückerstattung in einem großen Paket gekauft hat und nun gegen den Glücksspielanbieter vorgehen möchte. Doch dieser Plan könnte scheitern, denn Hambach & Hambach hat einen Aussetzungsbeschluss erwirkt, der dafür sorgt, dass der Europäische Gerichtshof zunächst klären muss, ob ein derartiges Vorgehen überhaupt zulässig ist und ob deutsche Gerichte zuständig sind. In jedem Fall bleibt es spannend vor den Gerichten. Aber die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass mitunter ein falscher Eindruck erzeugt wird, wenn Anwälte Spielern suggerieren, dass Casino-Kunden ihre Verluste ohne großes Risiko vor Gericht zurückbekommen könnten.

Verändert neue Glücksspielregulierung alles?

Durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 gibt es erstmalig Online-Casinos mit deutscher Lizenz. Allerdings verläuft die Umsetzung der neuen Regulierung doch eher schleppend. Deswegen bleibt abzuwarten, wie sich der Glücksspielmarkt in Deutschland entwickelt. Aber zumindest gibt es in Zukunft keine Zweifel mehr hinsichtlich der Legalität. Demnächst werden sich die Glücksspiel-Fans daran orientieren können, ob ein Casino eine deutsche Lizenz hat. Im Moment ist das allerdings noch schwierig, denn bislang hat das zuständige Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt erst eine Lizenz für ein Online-Casino vergeben. Aber eine ganze Reihe von seriösen Online-Casinos, teilweise auch mit maltesischer Lizenz, wird aktuell de facto geduldet. Ob sich in Zukunft Gerichte von dieser inoffiziellen Duldung beeindrucken lassen, wenn es um Spielerklagen geht, ist eine ganz andere Frage. Im Moment sieht es so aus, als sei durch die neue Glücksspielregulierung vieles anders, aber kaum etwas besser geworden.