Nadja Wierzejewski ist als Abteilungsleiterin in der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder zuständig für die Bekämpfung des Schwarzmarkts. Die Juristin hat 14 Jahre in Rheinland-Pfalz im terrestrischen Glücksspiel Erfahrungen gesammelt. Allerdings zeigte sich bei der Gaming in Germany Conference 2022, dass die Unterschiede zwischen dem terrestrischen Glücksspiel und dem Online-Glücksspiel in der Praxis für einige Schwierigkeiten sorgen könnten. Jedenfalls drängte sich nicht an allen Stellen der Eindruck auf, dass der Abteilungsleiterin der GGL bis ins letzte Detail klar ist, warum die Bekämpfung des Schwarzmarkts oft mit dem legendären Kampf gegen Windmühlen des Don Quichotte verglichen wird.

Nadja Wierzejewski erklärt Verfahren gegen unerlaubte Glücksspielanbieter

GGL

In ihrem Vortrag auf der Gaming in Germany Conference 2022 erklärte Nadja Wierzejewski, wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder in Zukunft gegen unerlaubtes Online-Glücksspiel in Deutschland vorgehen wird. Die wichtigste Erkenntnis: Ein Wundermittel, das andere EU-Staaten, die vor dem gleichen Problem standen und stehen, nicht zur Verfügung haben, gibt es auch in Deutschland nicht. Die GGL wird mit geordneten Verfahren die Glücksspielanbieter, die sich in Deutschland nicht an die Regeln halten, auf Verstöße hinweisen und anschließend den Druck stufenweise eskalieren. Allerdings kann die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder nur in Deutschland Zwangsgelder festsetzen. Somit dürfte es schwierig sein, gegen Online-Glücksspielanbieter in anderen EU-Ländern wirkungsvoll vorzugehen.

Deutlich schwieriger wird der Kampf gegen die Online-Glücksspielanbieter, die ihren Sitz nicht in der Europäischen Union haben. Gegen diese Glücksspielanbieter will die GGL zwei Instrumente einsetzen: Payment Blocking und IP Blocking. Beim Payment Blocking werden Zahlungsdienstleister dazu aufgefordert und gegebenenfalls wohl auch dazu gezwungen, die Kooperation mit einem unerlaubten Glücksspielanbieter einzustellen. Allerdings dürfte dies nach den Ausführungen von Nadja Wierzejewski nur dann gelingen, wenn der Zahlungsdienstleister zumindest eine Tochterfirma in Deutschland hat. Ansonsten stellt sich das gleiche Problem wie bei den Glücksspielanbietern, die nicht in Deutschland ansässig sind. Eines scheint sicher: Es wird nicht möglich sein, alle Zahlungsanbieter zu blockieren. Zudem gab Nadja Wierzejewski zu, dass Kryptowährungen aktuell überhaupt kein Thema beim Payment Blocking sind.

IP Blocking oder DNS-Sperren gegen unerlaubtes Glücksspiel?

Nachdem in den letzten Monaten immer wieder davon die Rede war, dass die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder IP Blocking verwenden würde, um unerlaubte Glücksspielanbieter auszusperren, wies Nadja Wierzejewski in ihrem Vortrag darauf hin, dass wohl nun DNS-Sperren angestrebt würden. Was war noch einmal der Unterschied? Die Hürden für DNS-Sperren sind hoch. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder muss nachweisen, dass alle anderen Mittel ausgeschöpft worden sind. Deswegen wird bei jedem einzelnen unerlaubten Glücksspielanbieter ein riesiger Papierkrieg entstehen, der sich vermutlich über Monate hinzieht. Und am Ende darf die DNS-Sperre keinen Verstoß gegen die Netzneutralität darstellen. Es wird spannend sein zu sehen, wie die angekündigten DNS-Sperren in der Praxis funktionieren werden.

Ein grundlegendes Problem scheint zu sein, dass man sich bei der GGL nicht darüber im Klaren ist, wie das unerlaubte Glücksspiel wirklich funktioniert. Besonders deutlich wurde dies an der Anmerkung, dass die GGL bislang kaum Recherchen betreibt, um den Schwarzmarkt zu erkunden. Stattdessen verlässt man sich darauf, dass die zahlreichen Hinweise, die von Spielern eingegangen sind, als Ausgangsbasis genügen. Kann das wirklich sein? Müsste ein organisierter Kampf gegen den Schwarzmarkt nicht mit einer gründlichen Analyse des Problems beginnen? Wenn man bei der GGL glaubt, das Problem könnte gelöst werden, indem man einen unerlaubten Glücksspielanbieter nach dem anderen mit Payment Blocking und DNS-Sperren aus dem Verkehr zieht, muss eine neue Metapher her. Der viel zitierte Kampf gegen Windmühlen wäre dann schon fast eine Verharmlosung des Problems.

Skepsis angebracht bei Schwarzmarkt-Bekämpfung der GGL

Wie stehen die Chancen, dass die GGL erfolgreich ist gegen den Schwarzmarkt? Nach den Ausführungen von Nadja Wierzejewski bei der GiG Conference 2022 ist Skepsis angebracht. Hört man sich bei den Fachleuten in der Branche um, glaubt niemand daran, dass der deutsche Glücksspielmarkt in naher Zukunft auch nur annähernd in Richtung 100 Prozent Kanalisierung gehen kann. Dazu müsste der legale Online-Glücksspielmarkt zudem deutlich attraktiver gemacht werden. Vieles von dem, was man sich bei der GGL beim Thema Schwarzmarkt-Bekämpfung vorstellt, ist Wunschdenken. Das passt allerdings gut zur Regulierung der legalen Online-Casinos, die auch in einer ganz eigenen Realität entstanden zu sein scheint.
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