Kommen die ersten deutschen Lizenzen für Online-Casinos erst im Jahr 2022? Eines ist klar: Das zuständige Landesverwaltungsamt in Sachsen-Anhalt hat noch keine Lizenzen vergeben. Beim Start des Lizenzierungsverfahrens hieß es, dass innerhalb von drei Monaten die ersten Lizenzen erteilt werden sollten. Doch nun zeigt sich immer mehr, dass sich die Glücksspielaufsichtsbehörde in Sachsen-Anhalt vielleicht doch ein bisschen übernommen hat. Auch wenn es keine offiziellen Verlautbarungen zu diesem Thema gibt, lässt sich doch anhand der bekannten Fakten nachvollziehen, warum die ersten deutschen Lizenzen für Online-Casinos und frühestens zum Jahreswechsel kommen werden. Für die Glücksspielbranche, aber auch für die Glücksspiel-Fans bleibt die Situation unbefriedigend.

Lizenzierung der Online-Casinos dauert länger

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Offiziell bekannt ist, dass in Deutschland 41 Unternehmen insgesamt 44 Lizenzanträge eingereicht haben beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. Bei vier Anträgen geht es um Online-Poker. Die anderen 40 Anträgen treffen die virtuellen Automatenspiele. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt ist für die Glücksspielregulierung zuständig, bis die neue deutsche Glücksspielbehörde arbeitsfähig ist und die Regulierung des Online-Glücksspiels komplett übernimmt. Schon länger wird gemunkelt, dass die Glücksspielregulierung auch deswegen noch nicht optimal funktioniere, weil nicht genügend Personal vorhanden sei. Zudem muss berücksichtigt werden, dass das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt keine Erfahrung hat mit der Regulierung des Online-Glücksspiels.

Die Prüfung von 44 Lizenzanträgen ist eine große Aufgabe, denn es handelt sich um komplexe Vorgänge. In vielen Fällen müssen Nachfragen gestellt und zusätzliche Dokumente angefordert werden. In Einzelfällen ist es vielleicht auch nötig, die Dienste anderer Behörden in Anspruch zu nehmen, um Prüfungen zu übernehmen. Beispielsweise muss sichergestellt werden, dass die Lizenznehmer seriös sind. Von Anfang an war allen Experten klar, dass es eine Mammutaufgabe sein würde, erstmals Lizenzen für Online-Casinos zu vergeben. Immerhin hat sich die zuständige Behörde aber wohl dagegen entschieden, mit wenigen Lizenzen zu starten. In den Niederlanden lässt sich gerade beobachten, dass dieser Weg dazu führt, dass ein riesiger Vorteil für den Schwarzmarkt entsteht.

Keine Lizenzen für Online-Casinos vor 2022?

Mittlerweile ist es mehr oder weniger klar, dass frühestens am Jahresende die ersten Lizenzen für Online-Casinos in Deutschland vergeben werden. Es kann sogar sein, dass sich die Vergabe der Lizenzen bis weit ins erste Quartal 2022 hineinzieht. Das wäre alles kein Problem, wenn die Antragsteller nicht schon jetzt die Lizenzregeln beachten müssten. Durch einen Umlaufbeschluss der Bundesländer werden die Glücksspielanbieter, die sich an die Regeln halten, noch bevor die Lizenzen erteilt sind, nicht verfolgt. Dieser Vorteil ist allerdings nicht besonders hilfreich, wenn gleichzeitig auch die Anbieter auf dem Schwarzmarkt nicht verfolgt werden. Das Landesverwaltungsamt Sachsen ist im Moment bereits damit überfordert, die Lizenzen zügig zu erteilen. Es ist kaum anzunehmen, dass Ressourcen für den Kampf gegen das illegale Glücksspiel verfügbar sind. Die neue Glücksspielbehörde ist im Aufbau, aber noch nicht handlungsfähig. Das Ergebnis ist eine insgesamt schwierige Gesamtsituation.

Wäre es nicht besser gewesen, zuerst eine Glücksspielbehörde aufzubauen und dann eine neue Glücksspielregulierung einzuführen? Diese Frage haben sich viele Experten schon bei den Verhandlungen zum Glücksspielstaatsvertrag gestellt. Immer mehr zeigt sich, wie wichtig diese Experten lagen. Die aktuelle Übergangsphase ist vor allem zum Nachteil der seriösen Glücksspielanbieter. Während die Anbieter, die keinen Lizenzantrag gestellt haben und auch nie stellen werden, davon profitieren, dass die Glücksspielregulierung in Deutschland noch nicht funktioniert, melden viele seriöse Glücksspielanbieter sinkende Umsätze in Deutschland. Der Spielerschutz, um den es angeblich geht, ist durch die neue Glücksspielregulierung bislang tendenziell eher schlechter geworden nach Einschätzung vieler Experten.

Besserung in Sicht mit neuer Glücksspielbehörde?

Erst im Jahr 2023 wird die neue Glücksspielbehörde in Deutschland die Regulierung des Online-Glücksspiels übernehmen. Aber schon Mitte 2022 soll die Glücksspielbehörde den Kampf gegen das illegale Glücksspiel aufnehmen. Von IP-Blocking bis Zahlungsblockaden werden diverse Maßnahmen diskutiert. Aber am Ende wird sich auch die Frage stellen, ob überhaupt die rechtlichen Voraussetzungen in Deutschland vorhanden sind, um diese angedachten Maßnahmen umzusetzen. Beispielsweise hat sich beim IP-Blocking, auch als Netzsperren bekannt, in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass es großen politischen Widerstand gegen dieses Mittel gibt. In jedem Fall müssen sich die Glücksspielanbieter, die im Moment auf eine Lizenz in Deutschland warten, darauf einstellen, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis die neue Online-Glücksspielregulierung gut funktioniert. Es gibt noch diverse Baustellen, unter anderem auch die neue Glücksspielsteuer. Es wäre fast schon ein kleines Wunder, wenn die Glücksspielaufsichtsbehörde in Sachsen-Anhalt es schaffen würde, die ersten Lizenzen für Online-Casinos noch im Jahr 2021 zu vergeben.