Auf dem Bundeskongress zum Glücksspielwesen in Berlin wurde ausführlich über den aktuellen Stand der Glücksspielregulierung in Deutschland diskutiert. Besonders beim Online-Glücksspiel gibt es noch viel zu tun. Dies wurde sehr deutlich beim Vortrag von Dr. Sven Jung vom Handelsblatt Research Institut. Der Wissenschaftler analysierte in seinem Beitrag die aktuelle Situation auf dem Online-Glücksspielmarkt in Deutschland. Besonders schockierend: Nach Einschätzung von Jung gibt es aktuell über 600 Glücksspielanbieter, die nicht reguliert sind, aber trotzdem Kunden aus Deutschland akzeptieren. Diese Zahl allein belegt schon, dass die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, die zuständig ist für die Bekämpfung des Schwarzmarkts, noch viel zu tun hat.

Stand der Glücksspielregulierung in Deutschland

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Der Bundeskongress zum Glücksspielwesen, der vom Behörden Spiegel veranstaltet wird, hat sich den Ruf erworben, spannende Perspektiven zur Glücksspielregulierung zu präsentieren. Auch in diesem Jahr gab es mit dem Vortrag von Dr. Sven Jung vom Handelsblatt Research Institut einen überaus hörenswerten Beitrag mit vielen spannenden Erkenntnissen. Die grundlegende Frage, die sich Dr. Jung bei seinen Forschungen gestellt hat, lautet: Wie gut funktioniert die Glücksspielregulierung? Für besonderes Erstaunen sorgte die Erkenntnis, dass derzeit mehr als 600 Glücksspielanbieter ohne Lizenz auf dem deutschen Markt um Kunden werben. Zudem geht Dr. Jung davon aus, dass die Anzahl der nicht lizenzierten Glücksspielanbieter in Deutschland wächst. Das wäre genau der gegenteilige Effekt, den die neue Glücksspielregulierung eigentlich auslösen sollte.
Es lohnt sich, einen näheren Blick auf die nicht lizenzierten Glücksspielanbieter in Deutschland zu werfen. Um was für Anbieter handelt es sich? Die kleinste Gruppe sind die Glücksspielanbieter, die eine Lizenz (Erlaubnis) beantragt, aber noch nicht bekommen haben. Viele dieser Glücksspielanbieter werden wohl in den nächsten Monaten eine Lizenz erhalten und somit aus der Liste herausfallen. Aktuell ist es so, dass die Glücksspielanbieter ohne Lizenz, aber mit Lizenzantrag nicht verfolgt werden, solange sie sich an die geltende Glücksspielregulierung halten. Ein Problem stellen diese Glücksspielanbieter somit nicht dar, weder für die Behörden noch für die Glücksspiel-Fans. Die anderen beiden Gruppen sind Glücksspielanbieter mit Sitz in der EU und Glücksspielanbieter mit Sitz außerhalb der EU, die sogenannten Offshore-Casinos.

Deutsche Lizenz für viele Spieler nicht wichtig

Dr. Jung legt in seinem Vortrag eindrücklich dar, dass für etwa die Hälfte aller Glücksspiel-Fans die Lizenz kein Kriterium sei bei der Auswahl eines Online-Casinos. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die legalen Online-Casinos in Deutschland von vornherein keinen überragenden Vorteil haben. Wenn viele Spieler gar nicht nach der Lizenz schauen, kann die Lizenz auch kein entscheidendes Argument bei der Auswahl sein. Doch was ist den Casino-Kunden wichtig? Nach Angaben von Dr. Jung sind es Kriterien wie sichere Auszahlungen, generelle Sicherheit des Angebots, Auszahlungstempo und Datenschutz. Allem Anschein nach glauben allerdings viele Glücksspiel-Fans, dass diese Kriterien nicht nur von den lizenzierten Online-Casinos erfüllt werden.

Viele Glücksspiel-Fans in Deutschland hätten noch gar nicht mitbekommen, dass sich etwas verändert hat bei der Glücksspielregulierung. Diese Erkenntnis wirkt im ersten Moment überraschend. Aber wahrscheinlich ist es so, dass viele Glücksspiel-Fans nur spielen möchten. Mit den Hintergründen beschäftigen sich nur Enthusiasten, Politiker, Journalisten und Juristen. Zudem ist das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro so angesetzt, dass viele Glücksspiel-Fans dieses Limit nie erreichen. Wenn Glücksspiel-Fans allerdings die Veränderung wahrnehmen, wechselt laut Dr. Jung ungefähr die Hälfte zu Anbietern, bei denen die Einschränkungen der deutschen Glücksspielregulierung nicht gelten. Das ist ein deutliches Alarmsignal, denn irgendwann werden auch die bislang schlecht informierten Glücksspiel-Fans bemerken, dass sich etwas verändert hat.

Schlechtere Gewinnchancen als Argument gegen lizenzierte Casinos?

In vielen Fällen ist es nach Einschätzung von Dr. Jung so, dass Glücksspiel-Fans das Casino wechseln, wenn sie bemerken, dass die Gewinnwahrscheinlichkeiten niedriger sind als früher. Kleine Unterschiede können dabei schon den Ausschlag geben. Da in Deutschland die Glücksspielsteuer dazu führt, dass die Auszahlungsquoten in den lizenzierten Online-Casinos niedriger sind als in den Casinos auf dem Schwarzmarkt, gibt es ein strukturelles Problem, vor dem viele Experten schon seit der Einführung der Glücksspielsteuer warnen. Angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Dr. Sven Jung, wäre es angebracht, zumindest die Glücksspielsteuer und andere Aspekte der neuen Glücksspielregulierung auf den Prüfstand zu stellen.