Aktuell warten 49 Betreiber von Online Casinos auf eine Lizenz in Deutschland. Noch ist keiner der 49 Lizenzanträge für virtuelle Spielautomaten vollständig bearbeitet worden. Dementsprechend gibt es auch noch keine Lizenz für ein Online Casino in Deutschland. Die zuständige Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt ist nur übergangsweise mit der Prüfung der Lizenzen betraut. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), die für die Regulierung und Lizenzierung demnächst zuständig sein soll, ist noch nicht arbeitsfähig. Die fehlenden Lizenzen werden zwar zum Teil durch eine Übergangsregelung abgefangen. Aber insgesamt wirkt die deutsche Glücksspielregulierung für Online-Glücksspiele bislang nicht besonders erfolgreich. Doch vielleicht ändert sich das im Laufe des Jahres.

49 Lizenzanträge müssen bearbeitet werden

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Wenn alle Lizenzanträge, die aktuell im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt vorliegen, positiv beschieden werden, gibt es demnächst 49 Anbieter von virtuellen Spielautomaten mit deutscher Lizenz. Aber selbst wenn einige Anträge abgelehnt werden sollten, zeigt die hohe Zahl doch, dass ein großes Interesse entsteht. Für den deutschen Glücksspielmarkt ist es wichtig, dass eine große Vielfalt vorhanden ist. Die Vielfalt ist allerdings nicht bei den Spieletypen zu erwarten, da ausschließlich Online-Slots lizenziert werden. Aber immerhin sollte es möglich sein, viele verschiedene Anbieter von virtuellen Automatenspielen zu lizenzieren, um eine ordentliche Konkurrenz zu gewährleisten. Zudem ist es wichtig, dass eine große Bandbreite an Online-Slots verfügbar ist. Ohnehin ist der Druck durch den Schwarzmarkt bereits sehr hoch.

Die Bearbeitung der Lizenzanträge ist aufwendig. Das ist keine neue Erkenntnis. Auch andere Glücksspielbehörden in Europa haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, Online Casinos zum ersten Mal zu lizenzieren. Allerdings haben sich die meisten Länder, die das Online-Glücksspiel zum ersten Mal lizenziert haben, deutlich mehr Vorlaufzeit gegeben als Deutschland. Deutschland hat einen neuen Glücksspielstaatsvertrag beschlossen und in Kraft treten lassen, noch bevor eine passende Glücksspielbehörde aufgebaut war. Das erweist sich im Nachhinein als Fehler. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das übergangsweise für die Regulierung des Online-Glücksspiels zuständig ist, ist allem Anschein nach überfordert mit der Prüfung von 49 Lizenzanträgen. Das sollte auch niemanden überraschen, denn die Erteilung einer Lizenz für Online-Glücksspiele ist ein anspruchsvolles Unterfangen.

Regulierung des Online-Glücksspiels ist Neuland in Deutschland

Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das Erfahrungen sammeln konnte mit der Lizenzierung und Regulierung von Online Casinos in den letzten Jahren. Folgerichtig ist Sachsen-Anhalt zu dem Bundesland geworden, in dem die neue Glücksspielbehörde aufgebaut wird. Die meisten Mitarbeiter im Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, die aktuell mit der Prüfung der Lizenzanträge befasst sind, haben vorher nie etwas mit Online-Glücksspielen zu tun gehabt. Dementsprechend dürfte es schwierig sein, schnelle und unkomplizierte Verfahren zu etablieren. Ohnehin ist es eine Mammutaufgabe, 49 Lizenzen auf einmal zu bearbeiten. Aber das war den Fachleuten schon klar, bevor Deutschland sich dazu entschieden hat, das Online-Glücksspiel erstmals zu regulieren. Deswegen wäre es der richtige Weg gewesen, zunächst die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) aufzubauen.

Die meisten Glücksspielanbieter, die in Deutschland eine Lizenz beantragt haben, verfügen über sehr viel Erfahrung mit Glücksspielbehörden in Europa. Auf der anderen Seite sitzen Beamte und Angestellte des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt, die sich immer noch in das Thema einarbeiten. Darüber hinaus gibt es ganz praktische Gründe, warum es eine Weile dauern kann, bis eine Lizenz für einen Online-Glücksspielanbieter vergeben wird. Beispielsweise muss genau geprüft werden, wer hinter einem Lizenzantrag steht. Alle seriösen Glücksspielbehörden achten strikt darauf, dass keine zwielichtigen Personen in irgendeiner Form mit Lizenzen für Online-Glücksspiele ausgestattet werden. Aber im Detail ist es nicht immer einfach, die dafür erforderlichen Prüfungen und Ermittlungen durchzuführen.

Online-Glücksspiel in Deutschland: kaum geplant und schlecht umgesetzt?

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, vor der Einführung einer Regulierung des Online-Glücksspiels in Deutschland umfassende Recherchen in anderen Ländern durchzuführen? Warum hat es nicht große Exkursionen zur UK Gambling Commission, zur schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen und zur Malta Gaming Authority gegeben? Die Fachleute dieser drei Glücksspielbehörden hätten aus erster Hand berichten können, welche Fallstricke und Schwierigkeiten bei der Regulierung von Online Casinos zu beachten sind. Bislang hat die neue Regulierung des Online-Glücksspiels nach Einschätzung vieler Experten nur dazu geführt, dass ein großer Schwarzmarkt entstanden ist und die seriösen Glücksspielanbieter mit deutlichen Umsatzrückgängen umgehen müssen. Das kann nicht sinnvoll sein, wenn es darum geht, den Spielerschutz zu verbessern.