Der Glücksspielanbieter Mr Green ist in Schweden zu einer Geldbuße von 31,5 Millionen Kronen (3,1 Millionen Euro) verdonnert worden. Der Glücksspielanbieter, der zu dem britischen Glücksspielkonzern William Hill gehört, hat gleich zwei Verwarnungen von der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen erhalten. Zur Begründung für die ungewöhnlich hohe Geldbuße werden Verstöße gegen die Vorgaben zum Spielerschutz, zum verantwortungsbewussten Spielen und zum Schutz vor Geldwäsche angeführt. Die erste Geldbuße in Höhe von 30 Millionen Kronen (2,95 Millionen Euro) bezieht sich auf Verstöße gegen verantwortungsvolles Spielen. Die zweite Geldbuße in Höhe von 1,5 Millionen Kronen (0,15 Millionen Euro) hängt mit Verstößen gegen die KYC-Regeln (Know Your Customer) und Auflagen zum Schutz vor Geldwäsche zusammen.

Hohe Geldbuße für Glücksspielanbieter Mr Green

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Mr Green ist kein Unbekannter auf dem Glücksspielmarkt. Als Mr Green auf den Markt kam, handelte es sich um eine der ersten Online-Spielbanken mit einem hohen Anspruch an Transparenz und Kundenfreundlichkeit. Zu einer Zeit, als das Online-Glücksspiel noch längst nicht so populär war wie heute, konnte Mr Green Maßstäbe setzen für die gesamte Branche. Deswegen ist es ein Stück weit tragisch, dass Mr Green nun zu außergewöhnlich hohen Geldbußen in Schweden verurteilt worden ist, weil nach Einschätzung der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen grundlegende Verstöße stattgefunden haben. Die aktuellen Geldbußen gehen zurück auf Vorgänge im Jahr 2019. Im November des Jahres 2019 hatte es Beschwerden gegeben über Mr Green. Aus diesem Anlass wurden die Anti-Geldwäsche-Maßnahmen bei Mr Green überprüft. Konkret wurden 15 Kundenkonten unter die Lupe genommen. Einige dieser Kunden war von Mr Green bereits bei der Polizei gemeldet worden, da laut Spelinspektionen der Verdacht bestanden habe, dass Geldwäsche stattgefunden haben könnte. Bei der Überprüfung stellte die schwedische Glücksspielbehörde fest, dass ein Kunde 39,3 Millionen Kronen (3,86 Millionen Euro) eingezahlt hatte und 3,2 Millionen Kronen (310.000 Euro) verloren hatte. Es stellte sich allerdings heraus, dass es keine Belege für die Herkunft des Geldes gab. Das legale Einkommen des Kunden habe ebenso wie das legale Vermögen nicht ausgereicht, um die hohen Einzahlungen zu erklären. Nachdem der Kunde sich bei Mr Green abgemeldet habe, sei der Glücksspielanbieter laut Spelinspektionen nicht mehr daran interessiert gewesen, den Fall weiterzuverfolgen.

Bei den Verstößen gegen die Vorgaben zum verantwortungsbewussten Spielen führt die schwedische Glücksspielbehörde an, dass Mr Green fünf Kunden kontaktiert habe, um die Aktivitäten im Online-Casino zu steigern. Bei den Untersuchungen von Spelinspektionen sei herausgekommen, dass einer dieser Kunden über einen Zeitraum von mehreren Jahren mehr Geld als ein versteuertes Einkommen verloren habe. Der Kunde hätte bis zum Juli 2020 ein Konto bei Mr Green gehabt. Erst zu diesem Zeitpunkt sei das Konto geschlossen worden. Auch andere Konten wurden von Mr Green geschlossen, die im Zusammenhang mit Verstößen gegen verantwortungsbewusstes Spielen standen. Mr Green habe allerdings keinen Kontakt aufgenommen zu den betroffenen Spielern. Im direkten Kontakt wäre es möglich gewesen herauszufinden, ob die Spieler über genügend Mittel verfügten, um die Summen, die im Casino eingezahlt worden waren, zu verlieren. Einige dieser Spieler hätten mehr als dreimal so viel verloren, wie sie in einem Jahr verdienen würden. Der „Spitzenreiter“ sei ein Spieler gewesen, der das sechsfache Jahresgehalt verloren habe.

Mr Green reagiert mit Verbesserungen auf Geldbußen

Für Mr Green sind die aktuellen Geldbußen, die von der schwedischen Glücksspielbehörde verhängt worden sind, ein PR-Fiasko. Kein Glücksspielanbieter möchte in der Presse auftauchen mit Verstößen gegen zentrale Vorgaben der Glücksspielregulierung. Im Falle der Anti-Geldwäsche-Maßnahmen rechtfertigt Mr Green die Probleme damit, dass im fraglichen Zeitraum ein System installiert gewesen sei, das nicht richtig funktioniert habe. Durch technische Probleme seien die problematischen Spieler nicht aufgefallen. Wichtig ist aber vor allem, dass Mr Green angekündigt hat, ein deutlich besseres Fallmanagement umzusetzen, um sowohl den Spielerschutz als auch den Schutz vor Geldwäsche zu verbessern. Die Risikoprofile der Kunden sollen deutlich verbessert werden, um Problemspieler frühzeitig ausbremsen. Darüber hinaus sollen auch die Maßnahmen gegen Geldwäsche erheblich ausgebaut werden. In Zukunft soll es so sein, dass ein Kunde, der als Risikokunde eingestuft wird, umgehend kontaktiert wird. Wenn es nicht möglich ist, einen Kontakt herzustellen, weil der Kunde nicht reagiert, werde das Konto sofort geschlossen.

Mr Green muss nun liefern. Die schwedische Glücksspielbehörde Spelinspektionen hat bereits angekündigt, dass ähnliche Verstöße in der Zukunft zum Entzug der Lizenz führen könnten. Das wäre eine dramatische Sache für Mr Green, die wohl auch in anderen Jurisdiktionen zumindest indirekte Folgen hätte. Schweden ist ein rechtsstaatlich regulierter Glücksspielmarkt, sodass es selbstverständlich sein sollte, dass sich die Glücksspielanbieter an die Regeln halten. Im aktuellen Fall sieht es so aus, als hätte Mr Green durch schlechtes Management oder durch falsche strategische Entscheidungen beim Spielerschutz, bei den Anti-Geldwäsche-Maßnahmen und bei den Maßnahmen zum verantwortungsbewussten Spielen Lücken entstehen lassen, die nun heftig bestraft worden sind. Vielleicht wird der eine oder andere Glücksspielanbieter mit schwedischer Lizenz nur noch einmal ganz genau hinschauen, um ähnliche Geldbußen zu vermeiden. Grundsätzlich ist eine gute Sache, wenn ein Glücksspielmarkt von einer starken Glücksspielbehörde reguliert wird. Nur wenn drastische Sanktionen möglich sind, ist es möglich, eine Glücksspielregulierung effektiv umzusetzen.