Der Verkauf von William Hill an 888 ist eine der größten Deals der letzten Jahre auf dem europäischen Glücksspielmarkt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es einige wichtige strategische Vorteile geben könnte für den neu entstehenden Glücksspielanbieter. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis der Deal komplett abgewickelt ist. Erst im ersten Halbjahr 2022 sollen die letzten Unterschriften erfolgen. Bis dahin müssen die Details ausgehandelt werden. 888 will William Hill für 2,2 Millionen Pfund (2,57 Millionen Euro) übernehmen. Der Verkäufer Caesars Entertainment behält nur das US-Geschäft von William Hill. Im letzten Jahr hatte Caesars Entertainment William Hill für 2,9 Milliarden Pfund (3,39 Millionen Euro) übernommen. Doch wie sieht die Zukunft für 888 und William Hill aus?

Größe ist auch auf dem Glücksspielmarkt wichtig

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Größe ist ein wichtiger Faktor, wenn es um langfristigen Erfolg geht. Das ist keine exklusive Erkenntnis in der Glücksspielbranche. Gerade in Europa gibt es viele Herausforderungen auf dem Glücksspielmarkt, die von großen Unternehmen deutlich besser gemeistert werden können. Jedes Land in Europa hat eine eigene Regulierung und dementsprechend müssen die Rechtsabteilungen bei den Glücksspielanbietern viel arbeiten. Ein kleiner Glücksspielanbieter kann sich eine eigene Rechtsabteilung leisten und muss deswegen tendenziell hohe Kosten für externe Rechtsberatung bezahlen. Bei einem großen Konzern, wie er aktuell durch den Zusammenschluss von 888 und William Hill entsteht, stehen riesige Ressourcen zur Verfügung. Auch für große Investitionen und die Expansion in neue Märkte sind große Glücksspielanbieter wesentlich besser aufgestellt. Nicht zuletzt können Glücksspielanbieter auch wesentlich leichter mit Banken verhandeln, wenn einmal eine Krise entstehen sollte.

888 will Management von William Hill behalten

Itai Pazner, der CEO von 888, hat sich der Entscheidung zur Übernahme von William Hill lobend über den CEO von William Hill, Ulrik Bengtsson, geäußert. Das gesamte Management von William Hill sei auf einem hohen Niveau unterwegs. Grundsätzlich sei es geplant, große Teile der Strukturen von William Hill zu übernehmen. Langfristige Entscheidungen seien aber noch nicht getroffen, zumal die Abwicklung des Deals erst im ersten Halbjahr des nächsten Jahres enden wird. Aber grundsätzlich deutet vieles darauf hin, dass 888 nicht versuchen wird, William Hill mit einem riesigen Aufwand in die eigenen Konzernstrukturen zu integrieren. Vielmehr könnte es am Ende darauf hinauslaufen, dass William Hill ein weitgehend eigenständiges Unternehmen bleibt, das vor allem mit dem stationären Glücksspielgeschäft befasst sein wird. Die Integration des Online-Glücksspiels von William Hill könnte deutlich einfacher sein für 888. Aber bei 888 strebt man wohl an, zumindest große Teile des oberen Managements von William Hill zu behalten. Ob das gelingt und ob der CEO Ulrik Bengtsson nach der offiziellen Übernahme im Konzern bleibt, bleibt abzuwarten.

Aufwendige Trennung von William Hill und Caesars Entertainment

Caesars Entertainment hat William Hill nur übernommen, um das US-Geschäft des britischen Glücksspielanbieters übernehmen zu können. Wenn es darum geht, die Trennung zwischen Caesars Entertainment und William Hill hinzubekommen, geht es deswegen in erster Linie darum, das europäische Geschäft vom US-Geschäft zu trennen. Ein großer Vorteil ist, dass Caesars Entertainment bereits seit Monaten damit beschäftigt ist, diese Aufgabe zu bewältigen. Deswegen sollte es keine Verzögerungen bei der Übernahme von William Hill durch 888 geben. Aber im Detail werden die Verhandlungen wahrscheinlich dann doch sehr aufwendig sein, denn es muss genau geklärt werden, welcher Anteil des Geschäfts bei Caesars Entertainment bleibt und welchen Anteil des Geschäfts 888 übernimmt. Aber auch wenn die Verhandlungen im Detail sehr aufwendig werden könnten, sollte es doch möglich sein, in den nächsten Monaten eine vernünftige Lösung zu finden, mit der beide Seiten zufrieden sind.

Stationäre Sportwetten: risikoreiches Geschäft

William Hill betreibt über 1.400 Wettbüros in Großbritannien. Das ist einer der Gründe, warum 888 sich dazu entschieden hat, William Hill zu übernehmen. Vor der Gesundheitskrise hätten wohl alle Experten diese Entscheidung äußerst positiv bewertet. Zwar hatte William Hill in den letzten Jahren mitunter Schwierigkeiten im stationären Sportwetten-Geschäft. Aber grundsätzlich herrschte immer Einigkeit darüber bei Experten, dass das stationäre Sportwetten-Geschäft langfristig gut funktionieren würde. Doch seit der Gesundheitskrise ist klar, dass es Krisen geben kann, die das gesamte stationäre Sportwetten-Geschäft in Schwierigkeiten bringen. Bei 888 geht man allerdings davon aus, dass es zu einer vollständigen Erholung des stationären Geschäfts kommen wird. Darüber hinaus gibt es dann vor allem die Hoffnung, dass die nächste Gesundheitskrise nicht allzu schnell kommt.

Synergie-Effekte und größere Marktabdeckung

888 und William Hill ergänzen sich gut, da zum Teil sehr unterschiedliche Märkte abgedeckt werden. William Hill ist zum Beispiel durch Mr Green in Nordeuropa sehr gut aufgestellt. Auch das stationäre Glücksspiel ist bei William Hill wesentlich besser ausgebaut als bei 888. Auf der anderen Seite hat 888 einige Vorteile beim Online-Glücksspiel, insbesondere wenn es um die Marktabdeckung in der Europäischen Union geht. Synergie-Effekte können eine wichtige Rolle spielen, wenn 888 und William Hill in Zukunft mit Spieleherstellern und anderen Lieferanten verhandeln. Je größer ein Konzern ist, desto leichter ist es, günstige Preise auszuhandeln. Wie groß der finanzielle Vorteil wirklich ist, wird sich in den ersten Jahresbilanzen nach der Übernahme zeigen.