Neue Besen kehren gut! Frei nach diesem Motto versucht die Bildungslotterie, bzw. Bildungs-Chancen Lotterie einen Neustart. Im Sommer warb sie auf ihrer Homepage noch mit dem ganz großen Gewinn. Der deutsche Stifterverband, der dieses Unternehmen gemeinsam mit den SOS Kinderdörfern und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ins Leben gerufen hatte, stellte den Spielerinnen und Spielern Gewinne von bis zu zwei Millionen Euro in Aussicht. Die gemeinnützigen Träger hatten sich zum Ziel gesetzt, die Förderung des Bildungswesens voranzutreiben, doch die großen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Es waren einfach zu wenig Menschen, die ihr Geld in die Lose investierten. An den möglichen Gewinnen hat es vermutlich nicht gelegen. Aber jetzt ist es erst einmal vorbei. Die Lotterie versandte E-Mails an sämtliche Spieler und an ihre Kunden aus der Wirtschaft und der Industrie, um mitzuteilen, dass dieses ambitionierte Projekt vorläufig zu Ende ist. Vor Kurzem fand die letzte Ziehung statt. Aufgeben will die Lotterie jedoch niemand. Glücksspielprofis sollen ins Boot geholt werden, mit denen eine Art Relaunch geplant wird.

Erste Gespräche mit Branchenprofis

Gewinn Online Casino„Wir mussten feststellen, dass es doch weit schwieriger ist, als neuer Anbieter auf dem Online-Lotterie-Markt bekannt zu werden, ohne sehr viel Geld für Marketing auszugeben.“ Mit diesen Worten entschuldigte sich Andreas Schlüter, der Generalsekretär des Stifterverbands der Wirtschaft. Er räumte außerdem Fehler im Bereich des Aufbaus der sogenannten Markenbekanntheit ein. Man hätte auf TV-Werbung gesetzt, sagte er, und diese Promo hat sich im Nachhinein als wenig effizient und obendrein viel zu teuer erwiesen. Aus diesem Grund ist nun ein Neustart geplant. Ein großer Branchenprofi soll es richten. Der Stifterverband und seine beiden Partner in diesem Lotterie-Projekt führen aktuell Gespräche „mit einem etablierten Unternehmen aus dem Glücksspielsektor mit einem sehr großen Kundenstamm“, lässt Gerald Mauler wissen. Er ist als Finanzvorstand zuständig für alle SOS-Kinderdörfer auf der ganzen Welt und einer der Geschäftsführer der bisherigen Lotteriegesellschaft. 

Hoffnung auf Relaunch

In die Zuständigkeit des Glücksspiel-Unternehmens sollen zukünftig sowohl der Betrieb, als auch die Vermarktung der Bildungslotterie fallen. Hierbei wünscht sich die Gesellschaft, dass die Gespräche rasch voranschreiten und ein Vertrag möglichst noch in diesem Herbst unterzeichnet werden kann. Mit neuem „aufgemöbelten“ Produkt und einer neuen Lizenz soll der Spielbetrieb dann Anfang 2020 beginnen. Stifterverbandschef Andreas Schlüter rechnet der „neuen“ Bildungslotterie sehr gute Chancen aus und gibt sich ganz und gar zuversichtlich: „Denn es hat sich deutlich gezeigt, dass die Spieler den Zweck, ausgewählte Bildungsprojekte zu unterstützen, sehr gut finden – aber wir müssen sie eben erst mal an Bord holen.“

Schlüter hatte die Gründung der „Bildungs-Chancen Lotterie“ über viele Jahre hinweg nach vorn getrieben. Der Anlass für diese Initiative lag in der Ungeduld des Wirtschaftsverbandes, bei dem sich eine enorme Unzufriedenheit über das staatliche System breitgemacht hatte. Der Hauptkritikpunkt lag in den „enormen Bildungsaufgaben, die angesichts der Digitalisierung und des zunehmenden Anteils von Migranten nicht bewältigt“ werden.

Ziele waren optimistisch

„Der Staat ist nicht so gut darin, Einzelne so zu fördern, dass sie ihr volles Potenzial entwickeln“, hatte Andreas Schlüter zum Start der Lotterie im Mai 2018 gesagt. Selbsthilfe war demnach seine Devise und die seiner Mitstreiter aus der Wirtschaft und der Industrie:

„Das kann das staatliche Bildungssystem gar nicht so leisten, wie es erforderlich wäre. Diese Lücke wollen wir helfen zu füllen.“ Die Erträge aus der Bildungslotterie sollten demnach neben den drei Partnern auch einer Reihe von „ausgewählten weiteren Initiativen für Bildungsprojekte zugutekommen.“ 

Die Ziele waren zum Lotterie-Start noch sehr optimistisch. Es war sogar die Rede von 100 Millionen Euro Umsatz, den man „spätestens in zehn Jahren“ erzielen wollte. Damit hätten sie dann bei einem Viertel dessen gelegen, was der Marktführer „Aktion Mensch“ verbucht. „Heute denke ich, dass wir in zwei bis vier Jahren auf etwa 20 Millionen kommen können“, war Schlüters Fazit nach dem ersten Jahr. Im gesamten Geschäftszeitraum von 2018 bis 2019 hatte die Bildungslotterie insgesamt gut 1,5 Millionen Euro eingenommen. Davon wurden bisher etwas mehr als 450.000 Euro an „vorbildliche Bildungsprojekte von vielfach kleinen Organisationen“ weitergegeben,“ verrät Gerald Mauler. 8.000 Dauerabonnenten konnte die Lotterie gewinnen, „aber um kostendeckend zu arbeiten, bräuchten wir 40.000 bis 50.000“. 

Hälfte des Startkapitals aufgebraucht

Mit einem Startkapital von 20 Millionen Euro ging die Bildungslotterie vor knapp eineinhalb Jahren an den Start. Das Geld kam nicht nur von den drei Partnern, sondern auch von Stiftungen und rund einem Dutzend Privatpersonen, darunter Bettina Würth (Würth-Gruppe), Christian Boehringer (Boehringer Ingelheim), Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf) und Arend Oetker. Der ehemalige Präsident des Stifterverbandes hatte diese Idee bereits 2013 öffentlich vorgestellt. Jetzt sei der größere Teil des Startkapitals aufgebraucht. Erst dann, wenn das Folgeprojekt Erfolg hat, können die Investoren ihre Kredite vollständig zurückerhalten.  

Eine der ganz großen Hoffnungen des Stifterverbands lag in den eigenen rund 3.000 Mitgliedern. Sie sollten Lose erwerben und an Mitarbeiter, Partner und Kunden verschenken und somit das Projekt unterstützen. Anfangs lief alles gut: „Wir haben fast 10.000 Jahreslose an Unternehmen verkauft“, sagte Schlüter, „die allerdings nur an einer Ziehung pro Monat teilnehmen.“ Gerald Mauler war der Ansicht, dass hier „durchaus noch Luft nach oben“ sei: „Viele Unternehmen planen etwa Weihnachtsgeschenke ein Jahr im Voraus – dafür waren wir im ersten Jahr zu spät dran.“