Damit hatte vermutlich keiner von ihnen gerechnet. Die jungen Menschen freuten sich auf ein wenig Zerstreuung, waren vom Nervenkitzel berauscht etwas „Illegales“ zu tun oder hatten sich einfach gar keine Gedanken gemacht. Auf alle Fälle ist sicherlich niemand davon ausgegangen, durch die Polizei auf die Straße eskortiert zu werden. Hierbei geht es um 28 Minderjährige, die im Zuge einer großangelegten Razzia mit Namen „Arcade“ Ende September von der spanischen Nationalpolizei in einer Spielhalle oder in einem Wettbüro angetroffen wurden. Glücksspiel ist in Spanien für Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Als Grund für die Groß-Aktion wurde die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen im Lande genannt. Die staatlichen Stellen führen zwar regelmäßig Kontrollen durch, so Javier Molinera, Leiter der Abteilung für Glücksspielkontrolle der Nationalpolizei bei einer Pressekonferenz, aber dies scheint einem Teil der Bevölkerung nicht genug zu sein. Die Razzien im September kamen nämlich auch auf Druck von Bürgern zustande, die zunehmend Vorwürfe äußerten, dass Jugendlichen der Zutritt zu Spielhallen oder Wettbüros genehmigt und gewährt würde. Auf diese Vorwürfe haben die Behörden nun reagiert und zahlreiche Objekte im ganzen Land durchsucht – mit Ausnahme des Baskenlandes. 

Druck auf Glücksspielbranche wächst

Spanien Online CasinoBeim Thema Glücksspiel unter 18 Jahren herrscht in dem beliebtesten Urlaubsland der deutschen so etwas wie eine Null-Toleranz Grenze, führte Molinera weiter aus. Und so sind auch die 28 Jugendlichen eine Zahl, die auf den ersten Blick erstmal nicht dramatisch erscheint, aber schon ein Jugendlichen sei einer zu viel. Er wies auch darauf hin, dass die Anzahl der ertappten Täter natürlich in Relation der kontrollierten Einrichtungen zu setzten sei und sich damit das Gesamtbild etwas relativiert. Die Branche gehört zu der am stärksten kontrollierten in ganz Spanien, und es gibt keine andere, auf die so ein großer Druck ausgeübt wird, wenn es um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien geht. Nun wird man zusammen mit den Verantwortlichen prüfen, wie es zu diesen Fehlern kommen konnte und wie sie zu beseitigen sind. Ob es sich nun um Eingangskontrollen handelt oder um eine schärfere Überprüfung von einzelnen Gruppen, in denen sich Jugendlichen quasi mit eingeschmuggelt haben. Viele der aufgebrachten jungen Menschen werden im Zuge von „Arcade“ so nun auch zum ersten Mal eine Polizeistation nicht nur als Besucher gesehen haben, sondern als „Täter“. Denn hierhin wurden sie verbracht, um von ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten abgeholt zu werden.   

„Kein echtes Problem“ in Spanien

Kein gravierendes Problem sieht Alejandro Landaluce, Generaldirektor der CEJUEGO (Wirtschaftsrat für Glücksspiele), da mit 0,93 Prozent der Anteil der Jugendlichen unter 18 Jahren bei den Kontrollen sehr gering sei. Landaluce sagt: „Die daraus resultierenden Daten bestätigen unsere Überzeugung, dass es zwar Verbesserungspotentiale bei den technischen Systemen zur Zugangskontrolle gibt, aber kein reales Problem mit dem Zugang Minderjähriger zu den Glücksspiellokalen besteht.“ Dies sehen wohl einige Bürger und Bürgerinnen anders. Denn einen Tag vor der Veröffentlichung der Pressemitteilung zur Aktion „Arcade“ kam es im ganzen Land zu Protestaktionen und Märschen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen protestierten gegen die Zunahme von Wettbüros und eine Verbreitung des Glücksspiels in Spanien. Wie in Madrid, wo 1500 Menschen durch die Straßen zogen, wurde die Regierung aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um angemessene Freizeitaktivitäten zu fördern. 

Bei der Regierung liegt der schwarze Peter

Die spanische Regierung hat zwar in der Vergangenheit durchaus angefangen Maßnahmen zu ergreifen, wie zum Beispiel das Verbot von Wetten bei Veranstaltungen, die auch von Minderjährigen besucht werden. Wie lange es diese Regierung überhaupt noch gibt, wird sich im November zeigen. Wenn die Spanier am 10. November zu den Wahlurnen gehen, dann ist es die vierte Parlamentswahl innerhalb von vier Jahren. Kontinuität sieht irgendwie anders aus. Seit 2015 wird Spanien von Minderheitsregierungen oder geschäftsführenden Kabinetten regiert. Dass manche Entscheidungen bei einem solchen Durcheinander auf der Strecke bleiben, scheint da nicht verwunderlich. 

Andererseits geht es der Wirtschaft auf der iberischen Halbinsel relativ gut, obwohl das Land vor gewaltigen Problemen steht. Der Brexit, wenn er denn kommt und wie er dann aussieht, wird auch für den Sektor des Glücksspiels und der Wetten Auswirkungen haben. Viele Spanier aus dem Umland von Gibraltar pendeln zur Arbeit in die britische Enklave, in der zahlreiche Firmen, die Sportwetten und Online Casinos betreiben, ihren Hauptsitz haben. Die zukünftigen Arbeitsverhältnisse sind dann vollkommen ungeklärt. Des Weiteren gärt auch noch immer der Konflikt um die Unabhängigkeit Kataloniens. Zwölf Mitglieder der Separatistenregierung befinden sich in Haft und ihnen drohen hohe Haftstrafen. Bei einer Verurteilung wird die Unabhängigkeitsbewegung bestimmt nicht stillhalten und es wird zu massiven Protesten kommen, deren Auswirkungen nicht abzusehen sind. Alle Prognosen laufen zwar zurzeit auf einen Wahlsieg der sozialistischen Partei hin, aber sie wird sich Koalitionspartner suchen müssen. Und das hat in der Vergangenheit auch nicht besonders gut funktioniert. Das Glücksspiel wird also eines der vielen Probleme sein, die angegangen werden müssen. Es bleibt wirklich abzuwarten, wie die Entscheidung im November ausfallen wird. Das Kreuz auf dem Wahlzettel ist dann ebenfalls so etwas wie ein Glücksspiel.