Die Niederlande als Land sind berühmt für ihre entspannten Gesetze. Wenn es jedoch um Glücksspiele vor 2012 geht - und insbesondere um Online-Glücksspiele -, trifft ihre liberale Haltung eine feste Mauer. Witzigerweise ist es für niederländische Einwohner legal, online zu spielen, jedoch nur auf Websites, die in den Niederlanden gehostet werden. Davon gibt jedoch es nur wenige. Die niederländische Glücksspielaufsichtsbehörde Kansspelautoriteit (KSA) hat angekündigt, dass der regulierte Online-Glücksspielmarkt der Niederlande voraussichtlich erst ab dem 1.Juni 2021 eröffnet wird - das sind sechs Monate nach dem zuerst genannten Datum.

Ursprünglich sollte das Gesetz laut KSA ab dem 1.Juli 2020 in Kraft treten. Bevor es umgesetzt werden kann, müssen die im Juni veröffentlichten Sekundär Verordnungen verabschiedet und die Lizenzbedingungen festgelegt werden, für die Anfang dieses Monats Informationen zur Verfügung gestellt wurden. In einer Aktualisierung des niederländischen Parlaments erklärte der Minister für Rechtsschutz, Sander Dekker, dass die Umsetzung der Rechtsvorschriften nun zum 1. Januar 2021 erwartet werde. Ab diesem Zeitpunkt könne die KSA Lizenzanträge bearbeiten, und der Markt könne nach sechs Monaten geöffnet werden.

Die Frage des Zugangs auf Websiten

europa gesetzWie kann man den Zugriff auf Websites blockieren? 

Dekker ging im Februar diesen Jahres auch auf zwei Anträge ein, die neben dem Gesetz verabschiedet wurden. Einer der Vorschläge des Senators der Labour Party, André Postema, bezweckte, dass die Regierung den niederländischen Gesetzgeber über seine Kriterien für die Sperrung des Zugangs von Internet Dienstanbietern zur Website unterrichtet. Dekker sagte, die niederländische Regierung plane dafür zwei Wege. Zum einen sollten die Anbieter der Websites, die illegale Inhalte enthalten, sich freiwillig melden und diese dann entfernen. Der andere Weg forderte die Regierung auf, ein Verbot der Werbung im Internet zu erwägen, welches von Anfang an ein generelles Verbot durchsetzen soll. Des Weiteren sei es wichtig, dass keine Sportler, Influencer oder Prominente in der Werbung erscheinen sollen, da diese oft auch von Jugendlichen und Kindern gesehen wird, und somit eventuell den Jugendschutz gefährden könnte. 

Er fügte hinzu, dass beide Wege auf illegale Glücksspielanbieter angewendet werden können. "Die Gaming Authority wird dies gegebenenfalls auch tun." Er fügte jedoch hinzu, dass die Anwendung der einzelnen Bestimmungen begrenzt wäre, da die KSA eher Befugnisse nutzen würde, die ihr im Rahmen des Gesetzes über eingeräumt wurden, um das Gesetz durchzusetzen und nicht lizenzierte Aktivitäten auszumerzen.

Was ist mit der Werbung?

Dekker äußerte sich schließlich auch zur Frage der Glücksspielwerbung.

„Die derzeitige Glücksspiel Politik sieht vor, Spieler zu legalen Websites  durch attraktive Angebote zu leiten. Dies setzt voraus, dass das Angebot für die Spieler ausreichend geeignet und attraktiv ist, um sie zum legalen, zuverlässigen und verantwortungsvollen Umgang mit den Websiten zu führen. Die durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass Werbung auf jeden Fall erforderlich ist. “

"Für Anbieter von Online-Glücksspielen ist Werbung noch wichtiger als für Anbieter von Offline-Glücksspielen, wie beispielsweise traditionelle Casinos", fuhr Dekker fort. 

Zum Thema Glücksspielverbot erklärte Dekker, dass er nach Beauftragung von zwei Umfragen zur Glücksspielwerbung zu dem Schluss gekommen sei, dass Werbung zugelassen werden müsse, um die Spieler auf den legalen Markt zu leiten. Er sagte, die Spieler müssten in der Lage sein, das legale Angebot an Glücksspielen zu finden, und für Online-Betreiber sei Werbung der einzige Weg, um die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zu ziehen. "Es scheint, dass ein Verbot oder eine ernsthafte Einschränkung der Werbung für Glücksspiele schwerwiegende negative Auswirkungen auf den Glücksspiel Bereich haben kann." "Ich sehe keinen Grund, mit einem Werbeverbot fortzufahren oder zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, obwohl ich mit der Gaming Authority zusammenarbeiten werde, um die Entwicklungen in Bezug auf Werbung unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes genau zu verfolgen." Die KSA rechnet derzeit mit der Vergabe von bis zu 90 Lizenzen bei Marktöffnung.

Online-Sportwetten in den Niederlanden

Die Online-Sportwetten-Sektion ist etwas anders, da sie nicht vom Holland Casino kontrolliert wird. Stattdessen steht es unter der Kontrolle von zwei Unternehmen namens De Lotto und Scientific Games Racing B.V. Das erste ist für die gesamte Bandbreite der Sportwetten Märkte zuständig, mit Ausnahme der Pferdewetten, mit denen Scientific Games Racing B.V. exklusiv zu tun hat. Die von De Lotto betriebene toto.dl ist der einzige legale Online-Sportwetten Anbieter,  der niederländischen Bürgern zur Verfügung steht. Doch auch hier ist das Glücksspiel im europäischen Vergleich aufgrund der strengen Vorschriften und Grenzen eher verhalten. 

Die niederländische Glücksspielbehörde

Die niederländische Glücksspielbehörde (KSA) wurde am 1. April 2012 gegründet. Die KSA ist ein unabhängiges Leitungsorgan und die Aufsichtsbehörde für Glücksspiele im europäischen Teil des Königreichs der Niederlande. Die KSA wird von der Branche durch Spieleabgaben finanziert. Die Behörde wird vom Verwaltungsrat geleitet und vom Managementteam verwaltet. Der Minister für Justiz und Sicherheit trägt die politische Verantwortung für die Glücksspielpolitik in den Niederlanden. Die Niederlande haben einen regulierten Offline - Glücksspielmarkt, der aus einem Casino - Monopol mit 14 Casinos (betrieben von Holland Casino), einer staatlichen Lotterie, Wohltätigkeitslotterien, einem Monopol für Lotto - und Sportwetten, einem Monopol für Pferderennen und privaten Betreibern besteht.