Die Oktoberfest Gaudi ist zu Ende. Auch wenn bundesweit Nachahmer der beliebten Volksfeste existieren, sind und bleiben das Münchner Original und die Canstatter Wasen die bedeutendsten Events zu dieser Jahreszeit. Inzwischen werden die Zelte, Bühnen und Fahrgeschäfte schon wieder abgebaut, aber die Wiesn- und Wasen-Hits sind noch in den Ohren. Und das nicht nur in denen der Millionen Festwiesen-Besucher. 

In München entwickelte sich Joshs „Cordula Grün“ aus dem vergangenen Jahr zu einer Art Evergreen und war das am meisten gespielte Lied dieser Saison. Es lief in den Zelten mal wieder rauf und runter – und zwar in der Disco-Fox Schlagerversion von Sänger Norman Langen oder als Partykracher von den Grazer Draufgängern. Selbstverständlich stand Cordula Grün in Bad Canstatt ebenfalls ganz oben in der Gunst, aber diesmal wurde auch noch zu etwas ganz Neuem getanzt, geschunkelt und mitgesungen. Ein DJ aus Ditzingen landete mit „Party wie ein Rockstar“ DEN Mega-Hit 2019, der im Nu die deutschen Charts eroberte und mittlerweile sogar auf Platz eins gelandet ist.   

Traumstart mit 900.000 Besuchern

Die traditionelle Canstatter Wasen hatte bereits am ersten Wochenende mit einem Traumstart rund 900.000 Gäste auf die Festwiese gezogen. Davon sahen sich allein 155.000 Besucher den alljährlichen Festumzug in Stuttgart an. In Uniformen und historischen Trachten waren die 3.300 Teilnehmer der Parade auf ihren geschmückten Wagen unterwegs. Begleitet von Musikkapellen, rund 100 Pferden, Kühen, Ochsen und Schweinen zogen sie am Sonntag vom Stadtteil Bad Canstatt bis zum Gelände der Wasen. Zahlreiche Brauchtumsvereine hatten an dem Umzug teilgenommen, so auch Gruppen aus der Schweiz, Tirol, Bayern und Sachsen. Es war ein lautes und buntes Treiben bei warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein, das laut Polizei ohne besondere Zwischenfälle verlief. Schon am regnerischen Freitag hatte Fritz Kuhn, der Grüne Oberbürgermeister der Stadt, das Volksfest eröffnet. Ebenso wie in München ist die offizielle Eröffnung erst durch den „Anstich“ eines Bierfasses vollzogen. Viereinhalb Schläge benötigte OB Kuhn, bis Hopfen und Malz endlich liefen.

Traditionalisten fordern Turnschuh-Verbot 

Oktoberfest München 2019Marcus Christen (51) ist der Chef der Wasen und sehr zufrieden. Das Volksfest hat diesmal zusätzlich von der Turn-WM profitiert, die zahlreiche Gäste aus aller Welt nach Stuttgart lockte. Insgesamt verzeichneten die Schausteller und Festwirte mehr als vier Millionen Besucher. Was den Veranstaltern und den Traditionalisten allerdings überhaupt nicht gefiel war die Tatsache, dass heutzutage immer häufiger Turnschuhe zur Tracht getragen werden. Und das, obwohl für den Festumzug sogar ein offizielles Turnschuh-Verbot ausgesprochen worden war. „Das gehört verboten!“, schimpfte Brauchtumsexperte Wulf Wagner (84). Robert Kauderer (84) vom Volksfest-Verein ist der gleichen Meinung: „Wir haben in unseren Einladungen den Teilnehmern schwarz auf weiß untersagt, Turnschuhe zur Tracht zu tragen.“ Wulf Wager setzte dann nochmal einen drauf: „Richtig so. Denn Sneakers zu Dirndl oder Lederhose gehen gar nicht!“ Der Wasen-Boss Marcus Christen ist sich über dieses Problem im Klaren: „Um dem Trend zu weißen und bunten Turnschuhen entgegenzuwirken, bieten wir in unserem Online-Shop Wasen-Sneakers aus Ziegenleder an. Sie passen stilistisch und farblich zu Lederhosen.“ Auch Wasen-Pfarrer Johannes Bräuchle (71) mischte sich ein: „Das Thema ‚Turnschuhe zur Tracht‘ beschäftigt die Leute. Ich werde es in meiner Predigt auf dem Volksfest-Gottesdienst ansprechen.“

Kein Oktoberfest für Obama

Beim Münchner Oktoberfest war auch in diesem Jahr alles so wie immer. Die Bierbänke der Festzelte fungierten als Tanzfläche, Wettbewerbe im Maßkrug-Stemmen wurden ausgetragen, die Dirndl waren ebenso schön wie sexy, beim traditionellen Anstich des ersten Bierfasses saß Florian Silbereisen mit etlichen Schlager-Freunden in der ersten Reihe und auch an den anderen Tagen nahm das Promi-Schaulaufen kein Ende. Die offizielle Münchner Oktoberfest-Bilanz zeigt, dass insgesamt 6,3 Millionen Besucher 7,3 Millionen Maß Bier tranken und 124 Ochsen verspeisten. Einer der wenigen, den all das kalt ließ, war der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Er hatte in München die Gründermesse „Bits & Pretzels“ besucht und reiste wieder ab, ohne der Wiesn einen Besuch abzustatten. Dafür tauchte ein Überraschungsgast aus Mallorca auf: Party-Star Peter Wackel war am letzten Festtag zu Gast im Fischer-Vroni-Zelt. 

Selbst musikalisch änderte sich nichts. Joshs „Cordula Grün”, der Dauerbrenner aus dem letzten Jahr, war auch 2019 das am häufigsten gespielte Lied in München.

Etwas war dann aber doch neu: Erstmals hielt die Polizei 414 betrunkene Fahrer von E-Scootern an, von denen 254 ihren Führerschein sofort abgeben mussten.

Vom Wasen-Kracher zum Nr.1-Hit

Beim traditionellen Volksfest-Wettbewerb zwischen der bayerischen und der baden-württembergischen Landeshauptstadt hatte Stuttgart in puncto Festwiesen-Hit die Nase vorn. Der eigens für die Canstatter Wasen geschriebene Song „Party wie ein Rockstar“ von DJ Robin Leutner (23) ging so durch die Decke, dass er sich inzwischen auf Platz 1 der deutschen Charts befindet. Jeden Abend stand der Ditzinger DJ auf der Bühne des Wasenwirt-Zeltes und schmetterte unter tosendem Beifall sein Lied. Geschrieben wurde der Partykracher in den Kölner Xtreme Sound Studios von Mike Rötgens. Und Mike Rötgens kennt sich mit Party-Schlagern aus, wie man weiß. „Die Leute gehen bei dem Lied richtig ab. Da merkt man, dass die Schwaben super feiern können,“ sagte Robin Leutner.

Ein weiteres Schlager-Highlight war die Gaydelight-Party, die diesmal schon zum 20ten Mal stattfand. Damit ist sie zu „einer richtigen Institution“ geworden. Sie ist eins der ganz großen Gay-Happenings in Baden-Württemberg – mitfeiern darf allerdings jeder. Im Festzelt Wasenwirt sorgten die Partyband Grafenberger und DJ Michael Leupold (SWR) für Stimmung. Moderiert wurde das Ganze von Drag Queen Michl La Troya, die sich als Unterstützung auch noch CSD-Vorstand Chris Michl auf die Bühne holte. Krönender Abschluss war – wie in jedem Jahr – ein Helene-Fischer-Double.

Wem all das viel zu turbulent war oder ist, aber dennoch nicht auf Volksfest-Feeling verzichten mag, der sollte ein wenig beim Gaming entspannen, z.B. mit „Heidis Bier Haus“ von SG Interactive, „Oktoberfest“von No Limit City oder bei „Heidi at Oktoberfest“ von Red Rake Gaming.