Fortunas neuer Tempel soll einzigartig werden. Groß, viel größer als die Akropolis und modern natürlich, viel moderner. Und Menschen soll er anziehen, aus aller Herren Länder, über die Fortuna dann ein Füllhorn voller Glück ausschüttet. Ok! Heute nennt man das nicht mehr Tempel, sondern Casino-Komplex, aber gewisse Ähnlichkeiten sind nicht zu leugnen. 

Anfang Oktober war der Stichtag für die Investoren eines neuen Megaprojektes in Griechenland, genauer gesagt in Athen. Dort dümpelt seit geraumer Zeit eine 620 qm große Brachfläche vor sich hin - dreimal so groß wie Monaco. Früher starteten und landeten dort Flugzeuge. Der alte internationale Verkehrsflughafen Athen-Ellinikon wurde im Jahre 1938 erbaut und 2001 endgültig stillgelegt. Seither dient er nur noch als Motiv für Fotografen von „Lost places“ oder als Heimat vieler Tiere, die in den Ruinen der brüchigen Gebäude ein neues zu Hause gefunden haben. Seit einigen Monaten ist er nun plötzlich auch zum Objekt der Begierde von Investoren geworden. Und davon gibt es eine ganze Reihe. Nicht nur für das geplante Casino, sondern für den gesamten Komplex. Dort sollen über 8000 Wohnungen, Sportstätten, Einkaufs- und Kongresszentren, Hotels und Bürogebäude, Museen und - als Krönung - ein eigener Hafen entstehen.

Viele wollen ein Stück vom Kuchen

Casino ZypernDas als größtes urbanes Entwicklungsprojekt in Europa geltende Gelände wird federführend vom griechischen Immobilienentwickler Lamda Development vermarktet, der allein 8 Milliarden Euro investieren will. Aber auch die anderen Mitstreiter werden sich nicht lumpen lassen. Durch die Ausschreibung der Casino Lizenzen haben einige internationale Betreiber an ihren Angeboten gefeilt und diese eingereicht. Darunter sind ganz schöne Schwergewichte der Branche wie  die Casino-Konzerne Caesars Entertainment, Hard Rock International und Mohegan Gaming & Entertainment aus den USA, die GentingGroup aus Malaysia und die französische Groupe Lucien Barriere. Das Mindestangebot für eine Konzession betrug 30 Millionen Euro, zudem verlangt der griechische Staat vom dritten bis zum 25ten Jahr der Konzession jährliche Zahlungen. Als weitere Anforderungen sollen alle Bewerber eine Eigenkapitaleinlage von mindestens 200 Millionen Euro, basierend auf den letzten drei vergangenen Geschäftsjahren, nachweisen. Zudem müssen innerhalb der letzten drei Jahre mindestens 400 Millionen Euro Umsatz pro Jahr erzielt worden sein. Erstmal klingt das nach sehr stolzen Zahlen aber, wenn man mal einen Blick auf die 120 Millionen Euro wirft, die die 2003 eröffneten Mont Parnes-Casinos in Athen im Jahr erwirtschaften, dann relativieren sich die eben genannten Beträge wieder. 

Insgesamt setzten die neun Casinos in Griechenland, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage, im Jahre 2017 3,2 Milliarden Euro um. Das entspricht einer Steigerung von knapp neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dass die Griechen ein Volk sind, das dem Glücksspiel nicht abgeneigt ist, zeigen auch Zahlen aus 2018. Nach Schätzungen wurden insgesamt fast 17 Milliarden Euro für Glücksspiele ausgegeben. Ganz hoch in der Spieler-Gunst lagen vor allem Roulette, Pferdewetten, Rubbellose und Online Sportwetten. Und hierbei sind Gamer, die Online Casinos vorziehen, noch gar nicht berücksichtigt.

Amerikanische Investoren und das Reich der Mitte

Mit den amerikanischen Investoren betreten altbekannte Konzerne die Glücksspielbühne Griechenlands. Caesars Entertainment ist in erster Linie in Las Vegas aktiv, aber auch Mohegan und Hard Rock gelten als Hochkaräter in der Branche. Beide Unternehmen werden von nordamerikanischen Indianerstämmen kontrolliert. 2006 erwarb das Seminole Tribe of Florida den Hard Rock Konzern, zu dem die bekannten Cafés gehören, die in über 70 Ländern vertreten sind. Die Seminolen sind eine Ethnie, die ursprünglich im Norden Floridas lebte. Heute besiedeln sie Gebiete in Oklahoma und im Süden Floridas. 

1979 eröffnete das Seminole Tribe of Florida als erster Indianerstamm in den USA ein Casino. Das Mohegan Gaming gehört den Mohikanern, deren Siedlungsgebiet im heutigen Connecticut liegt. Ein Gesetz aus dem Jahr 1988 erlaubte es den Indianern Casinos zu betreiben, um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern. Viele Stämme waren aus ihren eigentlichen Siedlungsgebieten vertrieben und in Reservaten untergerbacht worden, die landwirtschaftlich sehr häufig nicht genutzt werden konnten. So kam es zu dramatischen wirtschaftlichen Problemen der Ur-Einwohner Amerikas. Durch die Betriebserlaubnis von Spielbanken gelang einigen Stämmen ein immenser Aufschwung. Heute existieren 400 von Indianern betriebene Casinos in den USA. Sie erzielen dreimal so viel Umsatz, wie ihre Konkurrenten in Las Vegas. Mohegan-CEO Kontomerkos baut nun auch auf das griechische Projekt: „Wir glauben an Athen als eine der weltweit großartigsten Destinationen.“ Sie sind bereit zu investieren und wollen damit auch einen wichtigen Beitrag für die schwächelnde griechische Wirtschaft leisten. Immerhin ist geplant 7.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Aber nicht nur durch die vielen neuen Jobs soll die Wirtschaft angekurbelt werden. Die potenziellen Investoren rechnen darüber hinaus mit zahlreichen Touristen. Ein besonders Augenmerk gilt dabei den Gästen aus dem arabischen Raum, Israel und insbesondere aus China. Das Reich der Mitte investiert jetzt schon fleißig in den hellenischen Staat, und diese Verbindung soll weiter ausgebaut werden. Nicht nur mit neuen Fluglinien und besonderen touristischen Angeboten, sondern auch mit dem Casino-Komplex. Die Bürger aus dem Reich der Mitte gelten weltweit als besonders Glücksspiel-affin. Es bleibt abzuwarten, wer letztendlich den Zuschlag für den Casino-Komplex erhält und wie die weiteren Planungen voranschreiten. Aber falls es wirklich zu einer Realisierung kommen sollte, so ist den Griechen nur zu wünschen, dass nicht der Berliner Flughafenbau als Vorbild dient.