Seit Jahrzehnten hat Heiraten in Las Vegas Kult-Status. Man putzt sich ein wenig heraus (oder auch nicht) und torkelt angetrunken zum Altar, an dem schon Elvis wartet. Und vor seinem Angesicht schwört man sich dann ewige Liebe und Treue. So, oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen eine Hochzeit in Las Vegas vor. Kein Wunder, denn In vielen Fällen hat das auch genauso stattgefunden. Man denke nur an die Fotos so manch einer schrägen Promi-Hochzeit, wie zum Beispiel der von Pamela Anderson und Tommy Lee oder auch der von Angelina Jolie und Billy Bob Thornton. Übrigens zählen die in Sin City geschlossenen Ehen zu denen mit der kürzesten „Halbwertszeit“- jedenfalls gilt das für die Ehen der Hollywoodstars.

Ungekrönte Casino Hochzeitskönigin

Las Vegas CasinoDie ungekrönte Hochzeits-Königin von Las Vegas ist Charolette Richards. Und das schon seit annähernd siebzig Jahren. Allein seit 1991 haben sich mehr als 50.000 Brautpaare unter ihrer Ägide das Jawort gegeben. Heute ist sie 86. Ihre Little White Wedding Chapel bezeichnete die New York Times einmal als „berühmtesten Hochzeitsort der Welt“, doch seit April dieses Jahres steht sie nun zum Verkauf. Und das bisher vergeblich. 12 Millionen US-Dollar soll sie einbringen, wenn es nach Frau Richards geht. Schließlich haben dort auch schon Frank Sinatra, Michael Jordan, Bruce Willis und Britney Spears geheiratet. Sie gilt als eine Art Blaupause für die komplette Hochzeitsindustrie der Wüstenstadt. Der beauftragte Makler bezeichnet die kleine Kapelle als „Ikone“ und wirbt mit Auftritten in “zahllosen Filmen, Fernsehshows, Musikvideos und allen Arten medialer Aufmerksamkeit". Auf einem Foto ist auch ein Drive-In Fenster zu sehen, das für Hochzeiten im Auto wirbt. 

Erneuerung des Eheversprechens als neuer Trend

Dass die berühmte Wedding Chapel keinen Käufer findet, wirft ein verstörendes Licht auf die gesamte Hochzeitsbranche in Las Vegas. Schätzungen besagen zwar, dass der Geschäftszweig im letzten Jahr rund 2,5 Milliarden Dollar zur Gesamt-Wirtschaftsleistung beitrug und mehr als 10.000 Menschen beschäftigte, allerdings waren die Zahlen in den „Hoch-Zeiten“ schon einmal doppelt so hoch. Laut Umfragen heiraten immer weniger Menschen. Das betrifft nicht nur Nevada sondern die ganzen USA. Da hilft es auch nichts, dass irgendein Elvis Presley singend und tanzend die Zeremonie leitet, oder als Zombie aus einem Sarg klettert. Der Rückwärtstrend scheint nicht zu stoppen zu sein. Erschwerend hinzu kommt, dass kleinere Anbieter auf den Markt preschen und mit Hochzeitspreisen von unter 50 US-Dollar den alt eingesessenen Veranstaltern das Leben schwermachen. Dafür haben die alten Platzhirsche einen neuen Erwerbszweig für sich entdeckt, der die fehlenden Umsätze – zumindest in Teilen - wieder wett machen soll. Dafür geht es ran an eine neue Zielgruppe und eine neue Geschäftsidee: „Die Erneuerung eines Eheversprechens“. Die Werbung für diese „Vow Renewal Ceremonies" ist ziemlich aggressiv und hat sich bisher nachhaltig bezahlt gemacht. „Die Leute wollen beim zweiten Mal etwas Lustiges machen", sagt Ron Decar von der Viva-Las-Vegas-Hochzeitskapelle. Beim ersten Mal „... sorgen sich die Leute noch, was ihre Mutter wohl denkt, aber beim Erneuern der Versprechen ist der Druck weg." Auch viele Europäer träumen von einer „schnellen“ Hochzeit in Las Vegas. Aber so einfach, wie früher, ist es nicht mehr. Bevor man sich im Glücksspielparadies das Jawort geben kann, muss noch einiges erledigt werden, denn Bürokratie ist auch in Sin City kein Fremdwort.

Von Billig-Angeboten und einem Extravaganza-Paket

So ein Vorhaben ist schnell geplant: nach Möglichkeit nicht so viel Aufwand betreiben, die Kosten im Auge behalten, nur die engsten Freunde mitnehmen und ein bisschen Rock’n Roll wäre auch dufte. So eine Hochzeit trifft den Geschmack von vielen.  Einfach in den Flieger steigen, ein oder zwei Drinks und dann zu Elvis am Altar. Allerdings: Wer sich ansonsten um nichts kümmert, der wird herb enttäuscht. Auch in Las Vegas kommt man heutzutage nicht mehr ohne lästigen Papierkram aus. Braut und Bräutigam sollten mindestens 18 Jahre alt sein, dürfen weder verwandt noch anderweitig verheiratet sein und müssen mit ihren Reisepässen beim Clarc County Marriage License Bureau vorsprechen. Am sinnvollsten ist es, wenn sie die entsprechenden Anträge bereits im Vorfeld online ausgefüllt haben. Dann bekommen die Heiratswilligen eine Lizenz, die sie berechtigt, innerhalb eines Jahres im Bundesstaat Nevada zu heiraten. Die Kosten für diese Lizenz betragen einmalig 77 US-Dollar. Die Öffnungszeiten des Büros sind mit 8.00 Uhr morgens bis Mitternacht sehr großzügig bemessen. Einen Termin benötigt man nicht, sollte jedoch Wartezeiten mit einplanen.

Ohne Trauzeugen geht nichts in Las Vegas. Sie sind Pflicht, so schreibt es das Gesetz vor. Wer ohne Freunde und Verwandte anreist, kann sich auch jemanden von der Straße ansprechen, der mit zum Altar geht. Manchmal werden Trauzeugen sogar von den Chapels gestellt.

Relativ neu: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen jetzt auch in Las Vegas heiraten.

Man kann ebenso viel, wie wenig Geld für eine Hochzeit in der Wüstenstadt ausgeben. In der Little White Wedding Chapel gibt es das günstigste Paket schon für ungefähr 50 US-Dollar. Im Preis inbegriffen ist eine Limousine, die Zeremonie mit Hochzeitsmusik vom Band, das Registrieren der Ehe und gegebenenfalls auch Trauzeugen. Ein Fotograf ist nicht enthalten. Das teuerste Angebot der kultigen Kapelle ist das Extravaganza-Paket, das bei etwas über 1.700 US-Dollar liegt.