Ein Klassiker unter den Film-Zitaten: „Gerührt oder geschüttelt?“ Jeder kennt es. Jeder liebt es. Welcher Mann hat nicht wenigstens einmal in seinem Leben davon geträumt, ebenso lässig und durch und durch gutaussehend, an der Bar eines exklusiven Nachtclubs oder Casinos zu stehen und dem Barkeeper Anweisungen für die Herstellung seines Lieblingsdrinks zu geben? Und das, nachdem man(n) die Welt vor einer atomaren Katastrophe gerettet, oder wenigstens von einer Reihe übler Schurken befreit hat. Und welche Frau hat sich nicht mindestens einmal in ihrer Fantasie ausgemalt, wie sie reagieren würde, wenn James Bond mit einem Cocktail in der Hand auf sie zugeht und unbeschreiblich sexy und cool nachfragt, ob der Platz neben ihr noch frei ist? 

Traum hin – Fantasie her. Bleiben wir beim Lieblingsdrink des MI6-Agenten. Wer weiß schon, wie ein Wodka Martini „richtig“ getrunken wird? Und wer hätte gedacht, dass in James Bonds berühmtem Wodka Martini überhaupt gar kein Martini drin ist? Dass in den Büchern und Filmen über 007 nicht alles der Wahrheit entspricht, mag für den ein oder anderen befremdlich klingen. Dennoch wollen wir hier ein wenig Aufklärung betreiben - allerdings nur hinsichtlich seines Lieblingsdrinks.

Wodka-Martini-Zubereitung mit Schieflage

James Bond Martini CasinoZunächst einmal ist es ganz wichtig, bei Martini den Unterschied zu kennen. Da gibt es zum einen den Martini-Cocktail. Er wird normalerweise aus Wermut und Gin hergestellt und nur ganz selten wird Wodka verwendet. Dabei sollte man wissen, dass der sogenannte Martini-Cocktail rein gar nichts mit der Wermut-Marke Martini zu tun hat. Wenn man also in eine Bar geht und dort einen Martini ordert, dann kann das für einige Irritationen sorgen. Jeder professionelle Barkeeper wird sich in diesem Fall vermutlich die Frage stellen: Will der Gast jetzt einen Martini-Wermut oder einen Martini-Cocktail? Und im zweiten Schritt drängt sich natürlich die Frage auf, ob man den Martini gern gerührt oder geschüttelt serviert haben möchte. Und damit wären wir dann wieder bei James Bonds Lieblingsdrink. 

Ian Fleming, der Schöpfer dieser genialen Geheimdienst-Figur, war selbst ein leidenschaftlicher Martini-Fan. Der Autor all der großartigen Agenten-Geschichten erlaubte sich in seinem ersten, 1953 erschienen Roman „Casino Royal“ einen kleinen Scherz. Er ließ 007 einen Drink bestellen, den der Mann hinter der Bar folgendermaßen zubereiten sollte: Drei Maß Gin (eigentlich Gordon’s Dry), ein Maß Wodka und ein halbes Maß Kina Lillet – und das ganze natürlich geschüttelt und mit etwas Schale einer Zitrone. So weit, so gut! Allerdings: Wer etwas von Cocktails und Drinks versteht, der bemerkt sofort, dass hier „alles schiefgelaufen ist, was schief laufen kann“. 

Nur für echte Kerle

"Bond hat einen Martini bestellt, der vollkommen neben der Spur war und nur weltberühmt wurde, weil er im Buch steht." Dieser Meinung ist jedenfalls Jörg Meyer, eine wahre Koryphäe unter den deutschen Barkeepern. Und von dieser Meinung lässt er sich auch nicht abbringen: „Unter kultivierten Trinkern würde man Gin niemals mit Wodka kreuzen." Aha! 

Da haben wir also den ersten gravierenden Fehler, der bei klassischen Drinks eigentlich nicht vorkommt. Im Buch liest sich das so:

"'Einen trockenen Martini', sagte er. 'Einen - in einem tiefen Sektkelch.' 'Oui, Monsieur.' 'Einen Moment. Drei Maß Gordon's (Gin), ein Maß Wodka und ein halbes Maß Kina Lillet. Gut schütteln, bis es eiskalt ist und dann ein langes dünnes Stück Zitronenschale dazu. Mitbekommen?' 'Gewiss, Monsieur.' Den Barmann schien das Rezept zu begeistern. 'Donnerwetter, das ist ein Drink', sagte (der CIA-Agent und Freund Felix) Leiter. Bond lachte. 'Wenn ich mich - äh konzentriere,' erklärte er, 'trinke ich vor dem Abendessen nie mehr als ein Glas - das aber muss groß, sehr kräftig, sehr kalt und ordentlich gemacht sein. Für mich gibt es nichts Schlimmeres als kleine Portionen von was auch immer, insbesondere wenn sie schlecht schmecken. Dieser Drink ist meine eigene Erfindung. Ich werde ihn patentieren lassen, wenn mir ein guter Name einfällt.'"

Mr. Bond war demnach total begeistert von seinem Rezept, deshalb musste auch ein Name her. Und im Buch wie im Film bleibt sein Blick an seiner tagesaktuellen Geliebten hängen: Vesper Lynd.1967 wurde diese Figur übrigens von Ursula Andres verkörpert und 2006 von Eva Green. Und wenn wir schon bei Jahreszahlen sind, dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der internationale Bartender-Verband diesen Cocktail seit 2011 unter dem Namen Vesper Martini führt. Blöd ist nur, dass der Drink nicht mehr nach dem Original-Rezept gemixt werden kann, denn der Aperitif Kina Lillet ist 1987 vom Markt verschwunden. Diese ausgesprochen bittere Variante des Lillet enthält sehr viel Chinin. Französische Soldaten nahmen den Aperitif mit nach Afrika, da er als eine Art Malariaprophylaxe galt.

Die sehr herbe Roman-Originalversion des Drinks ist wirklich nur etwas für echte Kerle. Dieser Drink enthielt deutlich mehr Alkohol und war viel bitterer als heute. Im Entstehungsjahr 1953 hatte Gordon’s Gin noch gute 47 % Alkohol. Mittlerweile sind es nur noch 37,5 %. Auch Wodka lag damals bei gut 50 %. 

Aus Synchronisations-Gründen Verben vertauscht

Ein Martini muss grundsätzlich immer gerührt werden. Diesen Fehler erkennt jeder Profi sofort. Auch darf keine Zitrone hinein, und in ein Weinglas gehört er schon gar nicht. Diesen Gag baute Ian Fleming für eingefleischte Martini-Trinker in seine Geschichte ein. „Er wollte mit Konventionen brechen", sagt Barkeeper Meyer und verweist auf die Stelle des Buches, in der James Bond sagt: "Shake it, not stir!" Die allererste deutsche Film-Fassung hatte einfach die zwei Verben ausgetauscht, da die Lippenbewegungen so besser zur Synchronisation passten, behauptet Meyer. „Gerührt, nicht geschüttelt“ soll es ursprünglich geheißen haben, was dann in den späteren Fassungen wieder korrigiert wurde. 

Wer jetzt Lust auf einen Drink in einem Casino bekommen, aber keine Spielbank vor der Haustür hat, dem empfehlen wir den Besuch eines Online Casinos. Ein Wodka Martini lässt sich auch beim Online Gaming zu Hause genießen. Egal, ob gerührt oder geschüttelt.