Der Pate lässt grüßen. In Italien soll ein illegaler Glücksspielring Steuern hinterzogen und der Mafia Milliardenbeträge zugeschustert haben. Und hierbei handelt es sich nicht um eine Meldung aus dem vorigen Jahrhundert, bei der es sich noch um Lire drehen könnte. Weit gefehlt. Die italienischen Behörden verzeichneten laut eigenen Angaben kürzlich einen phänomenalen Durchbruch bei ihren Ermittlungen, die einen weiteren Beweis für die Verbindung von organisierter Kriminalität und illegalem Glücksspiel erbringen. „Galassia“ ist der Codename für ein hochqualifiziertes Ermittler-Team, dem es gelungen ist, kriminelle Strukturen in der Glücksspielbranche aufzudecken. Sie konnten 51 Personen identifizieren, die sich gleich mehrerer Vergehen schuldig gemacht haben, darunter auch Geldwäsche, illegale Absprachen, Betrug und Steuerhinterziehung.   

„Galassia“ sorgte schon einmal für Schlagzeilen 

Italien Karte CasinoEs ist jetzt ein knappes Jahr her, dass man zum ersten Mal von der Operation „Galassia“ hörte. Sie sorgte am 14. November 2018 für Schlagzeilen, weil italienische Einheiten mehr als 70 Personen in allen Provinzen festnahmen – und zwar in einer sogenannten Blitzaktion. Diese Personen wurden verdächtigt, im Auftrag der Mafia Milliarden-Beträge durch illegales Glücksspiel erwirtschaftet und „gewaschen“ zu haben. Die Ermittlungen dauern nach wie vor an. Aktuell stehen auch einige Firmen im Fokus, die auf Malta ansässig sind und dort über Glücksspiellizenzen verfügen. Auch ihnen werden mutmaßliche Verbindungen zur organisierten Kriminalität nachgesagt.

Neben etlichen italienischen Einheiten waren auch einige europäische Ermittler an der Aktion beteiligt, bei der fast eine Milliarde Euro sichergestellt werden konnte. Seitdem sind die Behörden damit beschäftigt, ein internationales Firmennetz zu entwirren, das um die 4 Milliarden Euro pro Jahr eingenommen haben soll. Dabei kommt es immer wieder zu Verhaftungen.  

Geldwäsche in großem Stil

Die Liste der Verdächtigen ist lang. Aktuell stehen die Ex-Anbieter von SKS365, eines Buchmachers aus Österreich, sowie ein Hedgefonds-Manager aus den Niederlanden im Fokus der Ermittlungen. SKS365 wurde 2009 in Innsbruck gegründet und betreibt sein Headquarter auf Malta. In Österreich, Italien, Spanien, Serbien, Montenegro und Belgien ist das Unternehmen mit der Marke Planetwin365 auf dem Markt. Laut Firmenangaben werden im Durchschnitt 370.000 Wetten pro Tag über deren Online Casinos und Wettbüros abgegeben. 

2017 übernahm der Niederländer Marcel Boekhoorn mit seinem Hedgefonds Ramphatos Investment den Konzern. Dem Wettanbieter wird vorgeworfen, illegales Glücksspiel angeboten und Geldwäsche verschleiert zu haben. Und dies im ganz großen Stil. Schließlich sollen dem italienischen Staat mehr als 124 Millionen Euro an Steuergeldern vorenthalten worden sein. Es hatte bereits in den Vorjahren eine ganze Reihe von Verstößen gegeben, für die dann 2015 eine Amnestie ausgehandelt wurde, und dennoch betrieb die Firma ihre gut 1.000 illegalen Wettbüros in Italien ungeniert weiter. Und nicht nur das. Auch diverse nicht lizensierte Online-Foren, die eine .com-Domain innehatten, betrieb das Unternehmen weiterhin und nahm dort illegal Wetten entgegen. Von den Ermittlungsbehörden werden in diesem Zusammenhang die Marken BetFaktor, Palace777, PlanetWin365, JokerBet und PremierWin365 genannt.  

Absprachen mit Mafia-Clan

In der Vergangenheit wurde der Niederländer und Ramphastos-Gründer Marcel Boekhoorn „nicht offiziell“ verdächtigt. Das ist inzwischen anders. Durch Deals, die er auf Empfehlung von Paolo Tavarelli, dem Ex-SKS-Chef, eingefädelt haben soll, steht er nun auch im Fokus der Ermittlungen. Unter anderem geht es darum, dass Ramphastos eine italienische Firma aufgekauft hat, die Glücksspiel-Software entwickelt. Vollkommen unbekannt ist die Motivation Tavarellis für diese Übernahme. Dass es von seiner Seite aus zu einer finanziellen Beteiligung durch Mafiagelder kam, steht allerdings als Vorwurf im Raum. Auch die Martiradonna-Familie, die im Glücksspielbereich tätig ist und der organisierten Kriminalität zugeordnet wird, spielt in diesem Kontext eine Rolle. Die Behörden sehen es als erwiesen an, dass es zu Absprachen zwischen SKS365 und der Familie kam.

Keine Stellungnahme zu Vorwürfen

Der aktuellen Leitung der SKS365 war bisher keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu entlocken. Wenn überhaupt, dann hagelte es lediglich Dementi. Stattdessen betont das Unternehmen sein soziales Engagement, seine Aktivitäten im Bereich des Sports und seinen Einsatz gegen Betrug. So betont SKS365 öffentlich, dass sowohl das Management, als auch die Buchmacher-Experten sich „... nachdrücklich gegen die Manipulation von Sportwettkämpfen einsetzen.Das Unternehmen übernimmt regelmäßig eine aktive Rolle bei der Information und Unterstützung der zuständigen Behörden, Institutionen und Sportorganisationen bei ihren Bemühungen zur Bekämpfung von Spielmanipulationen.“

Soso!

Spannend wird es aller Voraussicht nach noch einmal am 8. November dieses Jahres, wenn in Mailand der zweite European Gaming Congress (AGC) stattfindet. Im Rahmen dieses Branchentreffs wird es auch eine Podiumsdiskussion geben, zu der Maurizio Bernardo, ein Strategie-Fachmann der SKS365, eingeladen ist. „Die Compliance-Anforderungen an Glücksspielanbieter auf dem italienischen Markt,“ lautet das Motto der Veranstaltung.

Hohe Priorität von Seiten der Behörden

Nach der Veröffentlichung des aktuellen „Galassia“-Ermittlungsstands wurde durch die italienischen Behörden noch einmal ganz deutlich gemacht, mit welch hoher Priorität das Thema nach wie vor behandelt wird. Ob es ihnen allerdings gelingen wird, den Unterschied von legalem und illegalem Glücksspiel herauszustellen und die höchst komplizierten Verbindungen zwischen Firmen aus Malta, Österreich und Italien mit der Mafia zu entwirren, wird die Zeit zeigen. Außerdem ist derzeit noch nicht geklärt, ob die bisherigen Ermittlungen als „gerichtsbar“ gelten. Den 51 Verdächtigen bleiben noch 20 Tage Zeit, um schriftlich zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Im Anschluss kann erst über tatsächliche Anklagen vor italienischen Gerichten entschieden werden.