Russische Archäologen im Glück! Bei Ausgrabungen in Russland am ehemaligen Sitz eines Wärmekraftwerks in der Großstadt Pskow stießen sie auf einen außergewöhnlichen Fund: Eine Bank, die auf das späte 17. Jahrhundert datiert wird und auf der eins der ältesten Brettspiele dargestellt ist. „In den Erdschichten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde ein ˏUntergrund-Casinoˊ entdeckt. Tatsache ist, dass in der Regierungszeit von Zar Alexej Michailowitsch (1645 – 1676) das Glücksspiel verboten war und Zuwiderhandlungen streng bestraft wurden. Die Spieler mussten zu allen möglichen Tricks greifen, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können“, lautet die Meldung des Archäologischen Zentrums der Region Pskow - ein Gebiet, das im Nordwesten Russlands liegt. 

Sensationsfund | Vorläufer des Dame-Spiels

Russland Moskau Casino2016 begannen die archäologischen Arbeiten an der Pskower Ausgrabungsstätte Mstislawski, und das Alquerque-Spielbrett ist nicht der einzige spektakuläre Fund. „Beim Besuch ungebetener Gäste konnte man sich einfach auf das Spielbrett hinsetzen oder es schnell mit Lumpen bedecken und somit vor neugierigen Blicken verbergen. Letztes Jahr haben wir eine Menge Chips für das Spiel gefunden und jetzt haben wir einen weiteren Beweis für den vielfältigen Zeitvertreib der Pskower“, berichten die Archäologen nicht ohne Stolz.

Alquerque gilt als eins der ältesten Brettspiele überhaupt und wird als eine Art Vorläufer des Dame-Spiels angesehen. Seine Herkunft ist wahrscheinlich Arabien. Die Mauren brachten es im 8. Jahrhundert nach Spanien und von dort breitete es sich über ganz Europa aus. Der ursprüngliche Name lautet im Arabischen „El-Quirkat“. Alquerque ist die deutsche, bzw. europäische Bezeichnung, die auf „El-Quirkat“ zurückführt. Von den Spielregeln ist so gut wie nichts mehr bekannt. Erwähnt wurde das Spiel erstmals in den Aufzeichnungen von Alfons X, dem Weisen (1221 – 1284). Archäologische Funde dieses Spiels liegen allerdings 2.000 bis 3.000 Jahre weiter zurück und stammen aus Ägypten. 

Offiziell bekannt sind zwei Versionen des Spiels. Bei einer dieser Versionen handelt es sich jedoch eher um eine verkleinerte Ausgabe der anderen. Die kleine Variante bestand aus einem Spielbrett mit vier Mal vier Linien. Bei der anderen Variante existierten neun Mal neun Linien. Querlinien ergänzten dieses Raster. Dadurch sah das Brett aus, als „... würde es aus lauter kleinen Dreiecken bestehen“. Gespielt wurde offensichtlich zu zweit und jeder Spieler erhielt zusätzlich jeweils 12 Spielsteine. Diese Steine mussten entlang der Linien gezogen werden. Mit seinen 81 Schnittpunkten war Alquerque damit deutlich komplexer, als das heutzutage verbreitete Dame-Spiel. Auch wenn die Regeln nicht bekannt sind, vermuten Historiker, dass sie folgendermaßen lauteten: „Ziel des Spiels war das Einfangen der gegnerischen Spielsteine mittels Überspringen (ähnlich wie bei Dame). Waren genügend Felder frei, konnte man auch mehrere Steine hintereinander einfangen. Alle Steine im Spiel waren gleichwertig, d.h. es gab keine "Dame". Züge retour dürften nicht erlaubt gewesen sein. Sieger war jener Spieler, der als erster alle gegnerischen Spielsteine eingefangen hatte.“ 

Glücksspiel-Verbot für eine Woche aufgehoben 

Die Faszination des Glücksspiels ist uralt und ebenso alt sind dessen Verbote. In annähernd sämtlichen Aufzeichnungen wird Glücksspiel in der Regel mit der Untersagung desselben in Verbindung gebracht. Das gilt schon für die Antike. Beispielsweise mussten sich passionierte Spieler im alten Griechenland an speziellen Orten versammeln, um ihre Sehnsucht zu befriedigen. Zwei Orte, an denen damals das Glücksspiel florierte, kennt man. Zum einen war es der Tempel der Athena Skira und zum anderen der Pirene-Brunnen in Korinth. Tatsächliche gesetzliche Verbote sind nicht überliefert, allerdings hielt der Gelehrte Plutarch (ca. 45 – 125) Glücksspiel unvereinbar mit der Philosophie, daher galt es zumindest für Philosophen als unschicklich, sich diesem Vergnügen zu widmen.

Im dritten Jahrhundert v. Chr. wurde in Rom das sogenannte Würfelgesetz eingeführt. 200 Jahre später existierten dann eine ganze Reihe von Verboten für alle möglichen Spiele. Wer erwischt wurde, musste mit einer Strafe rechnen, die das Vierfache seines Einsatzes betrug. Spielschulden waren Ehrenschulden und somit nicht einklagbar. Eine Ausnahme machte Rom allerdings: Im Dezember fand regelmäßig das Fest der Saturnalien statt und dann durfte eine Woche lang geknobelt und gewürfelt und gewettet werden, was der jeweilige Geldbeutel hergab. 

Und obwohl das Glücksspiel von antiken Schriftstellern als kriminell eingestuft wurde, hatte es längst sämtliche gesellschaftlichen Schichten erfasst. Selbst unter Kaisern war es weit verbreitet. Unter anderem zählte es zu den Leidenschaften von Nero, Gaius, Augustus, Claudius, Lucius Verus, Didius Iulianus, Dominatus und Vitellius. 

Kuriose römische Gesetzgebung

„Glück im Spiel und Pech in der Liebe“ kannte man in der Antike noch nicht. Vielmehr war der Aberglaube weit verbreitet, dass das zukünftige Liebesleben durch Würfeln vorhergesagt werden könne. Schon Ovid empfahl in „Ars Amatoria“ jedem jungen Mädchen, das Würfelspiel zu erlernen. Demnach handelte es sich beim Würfeln nicht um eine reine Männerdomäne. Im Gegenteil! Es galt sogar als idealer Start für erotische Liebesabenteuer. 

Aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. ist überliefert, dass in Griechenland Wettkämpfe im Leeren von Weinbechern stattgefunden haben. Dieses Spektakel hielt sich über mehrere Jahrhunderte und landete schließlich auch in Rom. Obwohl dort das Glücksspiel an sich verboten war, behielten Kneipen/Lokale, in denen Glücksspiele stattfanden, weiterhin ihre Konzession. Die einzige Einschränkung, die von den Wirten hingenommen werden musste, war der Titel „Suspector“, was mit Spielunternehmer gleichzusetzen ist. Für sie galt eine Art „reduzierter Rechtsschutz“, sofern es zu Problemen mit Spielern kam. Das damalige Spielangebot in den römischen Gaststätten dürfte jedenfalls nicht mit dem vielfältigen Angebot moderner Online Casinos vergleichbar sein.

Ob damals schon Jetons existierten, ist unklar. Bei Ausgrabungen fand man Spielmarken, die möglicherweise als Jetons dienten. Bei diesen Funden könnte es sich aber auch um eine Art Pfandmarken handeln, die zur Einforderung von Gewinnen dienten.