Es ist doch nur ein Spiel. Elf Männer oder Frauen laufen einem Ball hinterher. Ganz simpel. Was waren das noch für Zeiten, als es ausschließlich darum ging... Lange ist’s her. Heute wissen wir: Fußball ist viel mehr als nur ein „Spiel“. Es ist ein knallhartes Geschäft geworden mit milliardenschweren Umsätzen, gelegentlichem Aktienpoker ungewissen Ausgangs und ein Tummelfeld für Geldgeber, Sponsoren, Investoren und Spekulanten. Sportlicher Erfolg ist toll, aber er kostet heutzutage halt etwas. Und so ist gerade Fußball zu einem ausgesprochen attraktiven Umfeld für zahlreiche Werbetreibende geworden, die durch den Sport mit seinen vielen Sympathieträgern eine möglichst hohe Anzahl an Kunden erreichen wollen. Aber genau das ist auch ein Knackpunkt. Denn jetzt droht sieben Fußballvereinen der ersten und zweiten Liga einiges an Ärger, sogar dem DFB selbst. Die Bezirksregierung in Düsseldorf hat wegen unerlaubter Werbung für Glücksspiele ein Verfahren gegen eine Reihe von Vereinen eigeleitet.  Die prominentesten Vertreter sind Borussia Dortmund, Werder Bremen, Bayern München, der 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf. Es geht im Wesentlichen um den Vorwurf, dass die Vereine durch Werbung für Sportwetten-Anbieter wie zum Beispiel „Bwin“, „Tipico“ oder „Betway“ auch direkt Werbung für deren Online-Glücksspiele mache. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um Banden- und Trikotwerbung handelt. Wenn ein Kunde auf die Internetseiten der Anbieter klickt, würden ihm auch in Deutschland unerlaubte Glücksspiele offeriert, lautet der Vorwurf. Damit verstoßen die Vereine und sogar der DFB gegen geltendes deutsches Recht. Den Vereinen und dem Verband droht nun eine Untersagungsverfügung die besagt, dass die Werbung für diese Partner eingestellt werden muss.

Deutsches Recht trägt nicht zur Klärung bei

BundesligaErstmal versucht es die Bezirksregierung auf einem moderaten Weg, es „…soll den Fußballvereinen unsererseits kein absichtliches rechtswidriges Handeln vorgeworfen werden. Die Vereine, denen häufig nicht bewusst ist, dass sie durch ihre Werbemaßnahmen auch die illegalen Online-Casino-Angebote der Sportwettenveranstalter bewerben, werden im Rahmen des Verfahrens über die vorliegenden Verstöße informiert und aufgefordert, diese abzustellen.“ 

Die Vereine müssen zukünftig ganz deutlich klarstellen, dass sie nur für die Sportwetten der Anbieter werben, nicht für die gesamte Marke oder das gesamte Unternehmen. Borussia Dortmund hatte schon vor Wochen reagiert und auf Werbeflächen den Schriftzug „Bwin“ durch „Bwin Sportwetten“ ersetzt. Dies deutet auf einen „richtigen Weg“ hin, ist der Bezirksregierung aber nicht genug. Darüber hinaus werden die Vereine dazu aufgefordert, sämtliche Links von ihren Internetseiten zu entfernen, die direkt zu Werbepartnern führen, die auf ihren Seiten sowohl Sportwetten als auch Glücksspiele anbieten. Borussia Dortmund antwortete auf eine Medienanfrage, die sich auf diesen Sachverhalt bezog damit, dass man „von dem Verfahren habe man keine Kenntnis. Man werbe "... ausschließlich für die Online-Seite von Bwin" und mache "... keinerlei Werbung für Online-Casinos". In gleicher Sache hatte der DFB schon Anfang März vom baden-württembergischen Innenministerium ein Schreiben erhalten, in dem es hieß: „Ihr Partner Bwin bietet neben Sportwetten leider auch unerlaubt die Teilnahme an Online Casino- und Automaten-Spielen an." Bis dato gab es dazu keine Stellungnahme von Seiten des Deutschen Fußball Bundes. 

Langwieriger Prozess

Undurchsichtig ist die ganze Angelegenheit - wie so oft, wenn es um Online Glücksspiel geht - aufgrund der ungeklärten Rechtslage in Deutschland. Die Anbieter und Betreiber berufen sich auf die Dienstleistungsfreiheit in der EU. Das vom Bundesgerichtshof 2017 gefällte Urteil, nachdem Online Casino Spiele illegal seien, fehlt die letzte richterliche Instanz. Es wurde zudem vom Europäischen Gerichtshof in Bezug auf Sportwetten als nicht EU konform bezeichnet. Da es in Bezug auf Online Casinos keine eindeutige Rechtsprechung gibt, agieren diese erstmal in einer Grauzone. Und dann gibt es ja auch noch Schleswig-Holstein. Dort sind Online Casinos in gewisser Weise legal. Da drängt sich doch eine ganze Reihe von Fragen auf. Zum Beispiel: Wenn nun ein süddeutscher Fußball-Verein bei einem schleswig-holsteinischen zu Gast ist und im Stadion Bandenwerbung eines Anbieters von Online Casinos in einer bundesweiten Übertragung zu sehen ist, ist es dann legale Werbung oder illegale?  Neben den vielen juristischen Feinheiten geht es natürlich um sehr viel Geld, und aus diesem Grund ist mit heftiger Gegenwehr der Vereine zu rechnen. Zwischen 45 und 50 Millionen Euro investieren die Anbieter und Betreiber von Sportwetten und anderen Online-Plattformen in den deutschen Fußball. Es fängt schon in der dritten Liga an, wo „Bwin“ Hauptsponsor ist und sich dies mehr als zwei Millionen Euro im Jahr kosten lässt. Mitbewerber „sunmaker“ investiert in Textilien und lässt sich Trikot- und Ärmelwerbung bei mehreren Vereinen im Jahr eine Millionen Euro kosten. Und in der ersten und zweiten Bundesliga kommen noch ganz andere Beträge zusammen. Man rechnet in der laufenden Saison mit einem Plus an Werbeausgaben in Höhe von 15 Millionen Euro, die den Einkauf von Prominenten als Werbebotschafter für Sportwetten miteinschließt. Das bekannteste Beispiel hierfür ist sicherlich Oliver Kahn. Und so ist verständlich, dass die Vereine diesem Verfahren nicht ganz gelassen entgegensehen. Zu viele Einnahmen stehen auf dem Spiel. Auch der DFB dürfte seine Rechtsabteilung schon auf Vordermann gebracht haben, damit sie weitere Anschuldigungen und Verfahren abwehrt. Da deutsches Recht und EU-Recht nicht immer konform sind, ist an diesem Punkt mit einem langwierigen Prozess zu rechnen.