Die Malta Gaming Authority, eine der wichtigsten Glücksspielbehörden in Europa, hat eine Stellungnahme zu den Folgen des Brexits veröffentlicht. Die Behörde betont in dieser Stellungnahme, dass es für einige Anbieter unangenehme Konsequenzen geben könnte, wenn der Brexit vollzogen wird. Auch für deutsche Glücksspiel-Fans kann das unter Umständen relevant werden, da viele Online Casinos und Buchmachern im deutschsprachigen Raum mit einer Malta-Lizenz arbeiten.

Betreiber von Casinos und Sportwetten-Angeboten müssen Vorkehrungen treffen

In der Stellungnahme der Malta Gaming Authority gibt es keine ganz großen Überraschungen. Die meisten Firmen, die vom Brexit betroffen sind, haben schon seit einer Weile die nötigen Vorkehrungen getroffen. Ein ganz zentraler Punkt, der trotzdem unter Umständen vor allem für kleine Anbieter relevant werden könnte: Eine maltesische Lizenz für Casino-Spiele oder Sportwetten kann nur von Personen innerhalb der Europäischen Union beantragt werden. Das könnte ein Problem sein für einige kleine Anbieter, die in Großbritannien ansässig sind und nicht extra für den Brexit den Standort wechseln oder eine Filiale in der EU einrichten können. Diese Anbieter werden nach dem Brexit keine Malta-Lizenz mehr nutzen können. Das ist nicht weiter überraschend, denn diese Regelung existiert schon lange und ist erst durch den Brexit für die britischen Anbieter relevant geworden. Die großen Anbieter haben längst Filialen in der Europäischen Union und sind deswegen von dieser Regelung in der Praxis nicht betroffen. Viele Firmen sitzen sogar direkt auf Malta.

Malta Gaming LogoEin ganz anderes Problem könnte sein, dass die britischen Anbieter beim Datenschutz unter Umständen einige Anpassungen machen müssen, die durch den Standortwechsel verursacht werden. Aber das sollte mittlerweile eigentlich kein großes Thema mehr sein, da es längst einheitliche Richtlinien für die gesamte EU gibt. Trotzdem weist die Malta Gaming Authority darauf hin, dass auch an dieser Stelle alle Anbieter überprüfen müssen, dass alles korrekt läuft. Letztlich ist das aber keine Besonderheit für die Glücksspielbranche. Alle Anbieter, die einen Standortwechsel vornehmen oder eine Filiale in einem anderen Land aufbauen, müssen sich an die Regeln, die vor Ort gelten, halten. Daran würde sich auch grundsätzlich nicht ändern, wenn ein harter Brexit durchgezogen würde. Aber ganz sicher bevorzugen die Firmen in der Glücksspielbranche einen kontrollierten Brexit, denn ansonsten könnte es eine ganze Weile dauern, bis klar ist, welche neuen Regeln gelten.

Britische Mitarbeiter in der Glücksspielbranche

In Malta leben viele Briten, die für Casino-Betreiber und Buchmacher arbeiten. Das wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben, aber trotzdem gibt es ein echtes Risiko für die Firmen, die auf britische Mitarbeiter angewiesen sind. Besonders bei einem harten Brexit könnte es schnell zu einem Engpass kommen. Schon jetzt haben die Firmen in Malta eher Probleme, genügend qualifizierte Mitarbeiter für alle Bereiche zu finden. Wenn ein Teil der britischen Belegschaft in diversen Firmen abwandert, könnte sich das Problem erheblich verschärfen. Vieles wird davon abhängen, wie Malta und andere Länder die britischen Arbeitnehmer in Zukunft behandeln werden. Es spricht einiges dafür, dass sinnvolle Regelungen geschaffen werden, die dafür sorgen werden, dass die britischen Arbeitnehmer auch in Zukunft in der Glücksspielbranche in Malta und anderen Ländern der Europäischen Union arbeiten können. Aber bisher war das selbstverständlich. In Zukunft muss es besondere gesetzliche Regelungen für die britischen Arbeitnehmer geben.

Gut vorbereitete britische Unternehmen werden auch in Zukunft kein Problem auf Malta haben. Vor allem die großen Anbieter haben in den letzten Monaten bereits gezeigt, dass sie gut gerüstet sind für den Brexit. Es kann aber gut sein, dass einige kleine Anbieter auf die Nase fallen werden. Wenn in einem kleinen Betrieb durch den Brexit mehrere Leute kündigen, kann das schnell existenzbedrohend werden. Bei einem börsennotierten Konzern gibt es hingegen fast immer Möglichkeiten, offene Stellen schnell neu zu besetzen. Natürlich würden dann auch Reibungsverluste entstehen, aber ein großer Konzern kann die Reibungsverluste deutlich besser auffangen als ein kleiner Betrieb. Auch die diversen Zulieferer der Glücksspielindustrie, zum Beispiel die Spielehersteller, werden ganz genau hinschauen, wie sich die Situation in Malta und der Europäischen Union insgesamt entwickelt. Speziell für die britischen Firmen wird der europäische Glücksspielmarkt nach dem Brexit deutlich anspruchsvoller, da es plötzlich eine Grenze gibt und neue Regeln gelten.

Auch deutsche Glücksspiel-Fans vom Brexit betroffen?

Alle Casino- und Buchmacher-Kunden, die derzeit bei britischen Anbietern aktiv sind, könnten theoretisch vom Brexit betroffen sein. Das würde aber nur dann gelten, wenn sich die Regeln für diese Anbieter fundamental ändern würden. Im Falle der Malta Gaming Authority ist eher nicht zu erwarten, dass es viele Anbieter gibt, die in Zukunft ihre Lizenz abgeben müssen. Der Grund ist einfach: Die Malta Gaming Authority lebt davon, Casinos und Buchmachern mit Lizenzen auszustatten. Deswegen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass flexible Regelungen geschaffen werden, die am Ende dazu führen werden, dass kaum ein Anbieter den Markt verlassen muss. Alle Regeln kann die maltesische Glücksspielbehörde natürlich nicht beliebig anpassen. Deswegen kann es durchaus sein, dass in Zukunft der eine oder andere deutsche Glücksspiel-Fan auf einen liebgewonnenen Anbieter verzichten muss. Aber angesichts der Größe des Marktes insgesamt sollte das zu verschmerzen sein. Bei den großen Anbietern aus Großbritannien muss sich niemand Sorgen machen.

Es könnte sogar sein, dass die maltesische Glücksspielbehörde durch den Brexit erheblich profitiert. In den letzten Jahren haben diverse Länder, zum Beispiel Schweden, Spanien und Portugal, eigene Glücksspielbehörden geschaffen. Dadurch ist die maltesische Glücksspielbehörde für diese Länder nicht mehr relevant. Für die britischen Anbieter wird es in Zukunft jedoch sehr wichtig sein, eine EU-Lizenz zu haben und Malta ist seit jeher das Land, das am besten geeignet ist für eine EU-Lizenz im Glücksspielbereich. Deswegen kann es gut sein, dass die Nachfrage mittelfristig sogar steigen wird. Aber ganz genau weiß das im Moment niemand. Derzeit ist Malta komplett ausgelastet und hat kaum noch Potenzial für Steigerungen, jedenfalls wenn es um die in Malta ansässigen Anbieter geht. Viele britische Firmen haben in den letzten beiden Jahren Filialen in Malta eröffnet und deswegen ist der Bedarf nach Arbeitskräften enorm hoch. Wer schon immer der Glücksspielbranche arbeiten wollte, sollte sich einfach einmal in Malta umschauen. Es gibt unzählige Möglichkeiten.