Ende September vergangenen Jahres nahmen Polizei und Staatsanwaltschaft einen Casino-Clan hoch, dem vorgeworfen wird, mit manipulierten Spielautomaten in NRW Millionen gescheffelt zu haben. Eine Verbindung zwischen Online Casinos und dem Clan besteht nicht. Der Besitz der türkisch-kurdischen „Familie“, dessen Mitglieder auf sehr großem Fuß lebten, wurde beschlagnahmt. Unter anderem nannten sie neun edle Sportwagen ihr Eigentum. Fünf dieser Luxus-Fahrzeuge sollen jetzt versteigert werden.

MercedesMit Lamborghini und Co soll jetzt Geld in die Staatskasse fließen

Der glitzernde Fuhrpark des Familien-Clans um den 43-jährigen Sami S., der in Untersuchungshaft sitzt, stand über ein halbes Jahr bei einem Abschlepp-Unternehmen. Damit ist jetzt Schluss! Das Finanzamt versteigert fünf dieser Luxus-Karossen über eine Zoll-Auktion, damit möglichst viel Geld zurück in die Staatskasse fließt. Unter anderem wird ein Lamborghini Huracán versteigert. Der geschätzte Wert des Wagens, der 610 PS und einen V10-Motor mit 5,2 Litern Hubraum hat, liegt bei 200.000,- Euro. Auch der orangefarbene Lamborghini Aventador LP700-4 mit seinen 700 PS kommt unter den Hammer. Er ist dreieinhalb Jahre alt und hat etwas mehr als 20.000 Kilometer runter. Es interessieren sich bereits 53 Personen für den Wagen. Aktuell liegt das höchste Gebot der Interessenten bei 175.655,- Euro.

Anwalt des Casino-Clans geht an die Öffentlichkeit

Nachdem im vergangenen September bei einer Großrazzia in Hagen neben den Luxus-Wagen auch rund fünf Millionen Euro Bargeld in Scheinen und Münzen, eine scharfe Schusswaffe, zwei Schreckschuss-Pistolen und kleinere Mengen Betäubungsmittel beschlagnahmt wurden, treten jetzt erstmals auch die Beschuldigten an die Öffentlichkeit. Drei der Clan-Mitglieder saßen in Untersuchungshaft, zwei von ihnen sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Sie wehren sich gegen den schwerwiegenden Vorwurf Spielautomaten mit Hilfe einer Software manipuliert und einen Steuerschaden in Höhe von 38 Millionen Euro verursacht zu haben.

Prof. Dr. Ulrich Sommer zeigt sich empört. Er ist der Strafverteidiger, der das letzte, in Untersuchungshaft befindliche Familienmitglied vertritt: „Das ganze Verfahren gleicht einem Fake, die Verdachtsbehauptungen sind eine wilde Konstruktion. Es gibt keinen einzigen Beweis gegen die Familie. Ich sehne eine Hauptverhandlung herbei, aus der die Beschuldigten als freie Männer herausgehen werden.“

Als reine „Stimmungsmache“ bezeichnet Anwalt Sommer die Vorwürfe

„Was die Hagener Staatsanwaltschaft da betreibt, ist nichts als reine Stimmungsmache“, sagt Prof. Dr. Sommer. „Es gibt nicht einen einzigen Beweis, außer einem Laptop, auf dem angeblich mit einer Manipulationssoftware gearbeitet worden sein soll. Der Laptop ist der Familie und meinem Mandanten aber gar nicht zuzuordnen, und so eine Software ist auch nie zum Einsatz gekommen. Die Staatsanwaltschaft hat sich auf eine Interpretation der Situation festgelegt und verbeißt sich jetzt darin.“

Nach Informationen der WESTFALENPOST soll es sich um einen Zufallsfund handeln, zu dem es bei einem anderen Ermittlungsverfahren kam, bei dem auch ein Mitglied des Clans im Fokus der Ermittler stand. Hierbei handelte es sich eine aggressive Attacke beim Fritz Kahl-Fußballturnier. 2016 stürmten sechs durchtrainierte Männer in der Halbzeitpause der Begegnung Cemspor Hagen gegen ETuS Schwerte das Spielfeld und schlugen Trainer sowie Linienrichter brutal nieder. Dem Clan-Mitglied konnte nichts nachgewiesen werden, aber bei den Ermittlungen wurde ein Laptop mit Informationen sichergestellt, die Rückschlüsse auf Manipulationen bei Umsatz-Ausdrucken der Spielhallen-Betreiber zuließen.

„Es stimmt nach meinen Informationen und nach Aktenlage gar nicht, dass der Laptop in diesem Zusammenhang gefunden worden sein soll. Auch das ist eine merkwürdige Sache in den Ermittlungen,“ so Strafverteidiger Sommer.

40 Spielhallen-Razzien in NRW

Aufwendige Ermittlungen des Hagener Kommissariats zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität hatten eine Durchsuchungsaktion von 40 Spielhallen der Familie ermöglicht. In Datteln, Dortmund, Duisburg, Hagen, Hattingen, Hilden, Holzwickede, Langenfeld, Lüdenscheid, Menden und Meinerzhagen standen plötzlich die Behörden vor der Tür. Ein Großaufgebot von Polizeikräften durchsuchte den Hauptsitz der Spielhallen-Firma sowie viele Casinos und Privathäuser. Laut Westfalenpost waren außerdem ein Bank- und ein PC-Experte bei den Einsätzen dabei. Die versierten Fachkräfte sollten helfen, Vermögenswerte zu sichern.

Angeblich Millionen-Umsätze an der Steuer vorbei und Kritik an dem Ausdruck „Clan“

Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die für die Steuerberechnung maßgeblichen Umsatzdaten getürkt worden sind. Zwar konnten die Umsätze aus den Spielautomaten des Casino-Clans ausgelesen werden, aber es besteht der Verdacht, dass mit Hilfe der Manipulations-Software niedrigere Umsatzdaten ausgedruckt wurden. Auf diesem Weg seien dem Staat Millionen an Steuergeldern entgangen.

Aus Sicht des Strafverteidigers besteht kein einziger Euro an Steuerschulden. Das hätte eine große Prüfung der Steuerfahndung ganz klar bewiesen: „Natürlich wissen die Behörden von größeren Mengen Bargeld, die die Familie privat aufbewahrt. Aber das ist auch ganz normal, wenn man so viele Spielhallen betreibt, in denen täglich viel Bargeld in den Automaten eingesetzt werden muss. Man kann das aus Behördensicht auch komisch finden, wenn eine Familie viele Spielhallen betreibt und damit viel Geld verdient. Aber letztlich läuft all das auf legalen und höchst korrekten Wegen ab. Da ist nichts Verwerfliches dran.“

Darüber hinaus wehrt sich Prof. Dr. Sommer gegen den Ausdruck Clan: „Mit diesem Wort wird die Familie in eine Ecke gestellt, in die sie nicht gehört.“ Es sei niemand ernsthaft vorbestraft, sofern man von einigen Einträgen ins Strafregister absieht, betont der Strafverteidiger. Wegen Vermögensdelikten ist allerdings kein Familien-Mitglied vorbestraft. „Ich habe der Familie gesagt, dass sie ihr Geld und ihre Fahrzeuge zurückbekommen. Es wird Gerechtigkeit geben, und die zu Unrecht beschuldigten Familienmitglieder werden frei sein.“