Lotto Rheinland-Pfalz muss sich im Moment mit einem großen „Shitstorm“ auseinandersetzen. Grund dafür: Die staatliche Lottogesellschaft hat einem kleinen Laden in Laubenheim die Lizenz entzogen. Der skandalöse Grund: Die Betreiber der Lotto-Annahmestelle sind angeblich zu alt.

Lotto DeutschlandKeine Lizenz mehr für Lotto-Annahmestelle nach über 29 Jahren

Für das Ehepaar Mattes, das seit 29 Jahren in Laubenheim ein kleines Geschäft mit Lotto-Annahmestelle führt, war die Entscheidung ein echter Schock: Lotto Rheinland-Pfalz teilte den beiden Geschäftsinhabern kürzlich mit, dass die Lizenz für den Vertrieb der Lottoscheine nicht verlängert werden werde. Dagegen protestieren aktuell viele Kunden und Zeitungsleser, die empört sind über das Verhalten der staatlichen Lottogesellschaft. Für das Ehepaar Mattes ist die Lotto-Lizenz wichtig, denn das kleine Geschäft ist die Basis für den Lebensunterhalt. Ohne Lotto sinken die Einnahmen deutlich und ein Online Casino wird das ältere Ehepaar wohl eher nicht eröffnen. Wie in vielen anderen Lotto-Annahmestelle profitieren die Ladenbetreiber nicht nur davon, dass Lottoscheine verkauft werden. Viele Lottospieler kaufen bei einem Besuch auch Zeitschriften, Tabakwaren und andere Dinge.

Auf Presseanfragen reagierte Lotto Rheinland-Pfalz mit der Auskunft, dass das Unternehmen sich an das Beamtenrecht halten müsse. Der Grund dafür sei, dass 51 Prozent von Lotto Rheinland-Pfalz im Staatsbesitz sein. Das Beamtenrecht habe klare Regelungen für die Pensionierung. Daraus würden sich dann auch Altersgrenzen für die Firmen, mit denen Lotto Rheinland-Pfalz zusammenarbeite, ergeben. Das klingt abenteuerlich, ist vermutlich aber juristisch korrekt. Für die betroffenen Ladenbesitzer ist es trotzdem schwer einzusehen, warum ein gut funktionierendes Geschäft, das privatrechtlich betrieben wird, durch das Beamtenrecht beeinflusst werden soll. Die Verantwortung für die Gesetze trägt allerdings nicht Lotto Rheinland-Pfalz.

Einfacher Ausweg nicht praktikabel für die Betroffenen

Das Ehepaar Mattes könnte die Lotto-Lizenz behalten, wenn eine jüngere Person das Ladengeschäft leiten würde. Doch das ist für die beiden älteren Herrschaften keine Option, da es keinen designierten Nachfolger in der Familie gibt. Extra für das Lotto-Geschäft eine zusätzliche Person einzustellen, würde sich aufgrund der Größe des Ladens nicht rechnen. Zudem möchte das Ehepaar Mattes das eigene Geschäft auch nicht in fremde Hände legen. Somit wird wohl kein Weg daran vorbeiführen, dass das Ladengeschäft in Zukunft ohne Lotto auskommen muss. Auch wenn es viele Proteste gibt, kann Lotto Rheinland-Pfalz nicht einfach über bestehende Gesetze hinwegsehen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Politik nicht dafür sorgen müsste, dass derartige Regelungen aus den Gesetzen verschwinden. In der heutigen Zeit wirkt die Regelung antiquiert, zumal gerade Politiker immer wieder fordern, dass Menschen Eigeninitiative übernehmen und für sich selbst Verantwortung tragen sollen. Genau das wird dem Ehepaar Mattes jedoch durch die aktuelle gesetzliche Regelung verwehrt.

Das Lottospiel ist in Deutschland und vielen anderen Ländern sehr beliebt. Zwar gibt es längst moderne Glücksspiele im Internet, aber trotzdem ist Lotto nach wie vor ganz oben zu finden, wenn es darum geht, die Glücksspielumsätze zu vergleichen. Die Online Casinos holen auf, doch es wird noch eine Weile dauern, bis mit Online-Glücksspielen mehr Umsatz gemacht wird als mit dem staatlichen Lotto. Vielleicht wird Lotto auch immer die Führungsposition behalten. Ein Grund, warum Lotto eine hohe Akzeptanz hat, sind die unzähligen lokalen Lotto-Annahmestelle. Auch deswegen ist es unverständlich, dass einem etablierten Ladenbetreiber, der seit Jahrzehnten gute Umsätze verzeichnet, der Vertrag aus Altersgründen gekündigt wird.