Diese Meldung schlug ein wie eine Bombe! Jedenfalls tat sie das bei den Kulturverantwortlichen in ganz Österreich. Markus Hein (FPÖ), seines Zeichens amtierender Vize-Bürgermeister der Stadt Linz, meldete sich in einer Pressemeldung zu Wort und äußerte die ziemlich gewagte Idee, das Lentos Kunstmuseum in ein Casino für Schiffstouristen umzuwandeln. Ob es sich dabei um einen ernstgemeinten Vorschlag handelt, oder um reine Polemik, lesen Sie hier. „Ein Casino-Standort würde sich an dieser attraktiven Stelle anbieten und wäre auch eine wahre Touristenattraktion direkt an der Donaulände", ließ FPÖ-Vizebürgermeister Markus Hein in einer Pressemeldung zum Lentos Kunstmuseum verlauten, das sich aktuell in einer finanziell arg angeschlagenen Situation befindet. Die Idee, Kultur gegen ein Casino auszutauschen, rührt daher, dass eine jährliche Spende in Höhe von 3 Millionen Euro entfällt.

Casino Linz: Kulturprogramm zu aufwendig

Casino LinzAufgrund der anhaltenden Gesundheitskrise sieht sich die Linz AG, die das Museum regelmäßig unterstützt, in diesem Jahr nicht dazu in der Lage einen Kultur Zuschuss zu leisten. Die Stadt Linz soll nun diese Summe aufbringen, ist die Meinung des Unternehmens. Ganz anders sieht das offensichtlich der Vizebürgermeister Markus Hein und moniert „Wenn die größte Stadt Oberösterreichs finanziell angeschlagen ist, dass ist das Festhalten am aktuellen, sehr kostenaufwendigen Kulturprogramm für Randgruppen ein Schritt in die falsche Richtung." Was auch immer Herr Hein in diesem Kontext mit Randgruppen meint, sei zunächst einmal dahingestellt. Sofern man sich die Mühe macht und ein wenig im Internet recherchiert, stößt man sehr schnell auf Wikipedia und Co. Dort wird der Begriff Randgruppe folgendermaßen definiert: „Randgruppe ist eine Bezeichnung für sehr verschiedene jeweils als nicht integriert geltende Bevölkerungsteile innerhalb der Gesellschaft... Zu Randgruppen zählen daher Gruppen von Menschen, die aufgrund bestimmter Merkmale wie etwa Behinderung, ethnische Zugehörigkeit, Armut, Kinderreichtum oder Obdachlosigkeit diskriminiert werden und nur geringe Chancen haben, ihre Bedürfnisse und Interessen innerhalb der Gesellschaft durchzusetzen, da sie kaum Einfluss auf gesellschaftliche Entscheidungsprozesse haben“. Dass einer solchen „Randgruppe“ ein „... sehr kostenaufwendiges Kulturprogramm“ zur Verfügung gestellt wird, ist dann doch eher fraglich und befremdend. 

Casinos Austria AG weiß von nichts

Als kontraproduktiv stufen Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) und die derzeitige Kulturstadträtin Doris Lang-Mayrhofer von der ÖVP diesen Vorschlag ein und weigern sich, ihn tatsächlich ernst zu nehmen. Auch vom anderen Vizebürgermeister Bernhard Baier kam eine klare Absage. selbst Patrick Minar, der Chef von Corporate Communications bei der Casinos Austria, zeigte sich auf Nachfragen ausgesprochen stutzig und teilte ganz offiziell mit: „Mit uns als Konzessionsnehmer gibt es bisher keinerlei Gespräche". ÖVP-Stadträtin Doris Lang-Mayrhofer ließ daraufhin verlauten: „Gerade in den aktuell wirtschaftlich schweren Zeiten sieht man, wie sehr kulturelles Angebot und Veranstaltungen und damit auch Besucher in der Innenstadt fehlen". Abgesehen davon wären in der letzten Klausursitzung des Senats der Stadt auch sämtliche Fraktionen übereingekommen, dass das einzig richtige Vorgehen in puncto Kultur und Wirtschaft derzeit heißen muss: „Ankurbeln statt Sparen“. FPÖ-Mann Hein stimmt dem grundsätzlich zu und ergänzt: „Ich halte an der Idee einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Umnutzung des Lentos fest. Ein Casino-Standort würde sich an dieser attraktiven Stelle anbieten und wäre auch eine wahre Touristenattraktion an der Donaulände. Dann müssten vielleicht auch in Zukunft die zahlreichen Schiffstouristen nicht länger mit Bussen an Ziele fernab von Linz gekarrt werden.“

Müssen Kokoschka, Klimt und Co weichen?

Das Lentos Kunstmuseum Linz, wie die offizielle Bezeichnung lautet, liegt unmittelbar zwischen dem Brucknerhaus und der Nibelungenbrücke an der Donau. Der spektakuläre Bau nach einem Entwurf der Zürcher Architekten Weber & Hofer wurde am 18. Mai 2003 eröffnet und ist ein Avantgarde Museum, das zu den bedeutendsten Museen für zeitgenössische und moderne Kunst in der gesamten Alpenrepublik zählt. Mit seiner Nutzfläche von rund 8.000 qm und einer Länge von 130 Metern löste es die renommierte „Neue Galerie der Stadt Linz“ ab, die zahlreiche Werke aus dem Besitz des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt (1888 - 1965) zeigte. Darunter befanden sich u.a. Arbeiten von Max Pechstein, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Lovis Corinth und Gustav Klimt. Seit dem Umzug werden im Lentos Museum mit seinen 1.800 Verbundsicherheitsgläsern außerdem „... maßgebliche Themen und Positionen der zeitgenössischen Kunstproduktion in Bezug auf die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts“ vermittelt und präsentiert. Durch viele Leihgaben anderer Museen und unterschiedliche Ausstellungen wird das Programm ergänzt und liefert einen repräsentativen Querschnitt durch die Kunst der Gegenwart.  

Die FPÖ und die Casinos

Ex FPÖ-Vizekanzler Heinz Christian Strache steht mit seiner Vorliebe für das Glücksspiel offensichtlich nicht allein da. Durch diesen Vorschlag des FPÖ-Vizebürgermeister Markus Hein wurde einmal mehr deutlich, dass die österreichischen Freiheitlichen große Casino-Sympathisanten sind. So absurd die Idee auf den ersten Blick auch scheinen mag, ein Kunstmuseum in ein Casino umfunktionieren, ist es auf den zweiten Blick gar nicht. Sollten die Fördergelder aus der Wirtschaft nämlich dauerhaft wegfallen, ist es mehr als fraglich, wie die Stadt Linz das „... Kulturangebot einer Millionenmetropole“ langfristig finanzieren will. Ob es wirklich dazu kommt, dass das Museum einem Casino weichen muss ist im Wesentlichen davon abhängig, ob es der Stadt Linz gelingen wird, die immensen Kosten für diese Einrichtung in Zukunft allein zu tragen.