55 Millionen Euro im Lotto gewinnen? Wer möchte das nicht? Für eine 26-jährige Kölnerin ist dieser Traum wahr geworden. Oder vielleicht auch nicht, denn der Anbieter Lottoland bestreitet, dass die junge Altenpflegerin an der Lotterie überhaupt teilgenommen hat. Mittlerweile ist sogar von Betrug die Rede.

Lotto DeutschlandZunächst großer Lottoskandal befürchtet

Vor wenigen Tagen ging eine Geschichte durch die Kölner Lokalpresse, die kaum zu glauben ist. Eine 26-jährige Kölnerin soll über ihr Smartphone an einer Lotterie von Lottoland teilgenommen und dabei 55 Millionen Euro gewonnen haben. So hohe Gewinne sind nicht einmal in den besten Online Casinos möglich. Doch dann bekam die Dame angeblich eine E-Mail von Lottoland, in der darauf hingewiesen wurde, dass die Transaktion für die Bezahlung des Lottoscheins nicht rechtzeitig stattgefunden habe. Aus diesem Grund sei es nicht zu einem Lottogewinn gekommen. Für Lottoland entstand innerhalb kürzester Zeit ein riesiges PR-Desaster. Auch ein Vertreter von Westlotto, dem staatliche Lottoanbieter in NRW, äußerte sich zu dem Fall und machte einige Angaben, die zumindest umstritten sind. Unter anderem behauptete der Mann von Westlotto, dass Lottoland in Deutschland nicht legal sei.

Mittlerweile hat sich auch Deutschland zu Wort gemeldet und erklärt, dass die angebliche Lottogewinnerin nicht an der Lotterie teilgenommen habe. Vielmehr habe die Dame bei einer Lotterie von Lottoland am Tag nach der Ziehung der Zahlen genau die richtigen Zahlen getippt. Vielleicht hat sich die junge Kölnerin vertan und einen riesigen Irrtum produziert. Aber Lottoland droht derzeit mit juristischen Maßnahmen, da ein großer Imageschaden entstanden ist. Nach Angaben von Lottoland sei nicht nachvollziehbar, wie die junge Dame darauf komme, dass sie den sogenannten Eurojackpot gewonnen habe. Besonders problematisch sei die E-Mail, die angeblich von Lottoland stamme. Nach Einschätzung eines Lottoland-Vertreters handele es sich um eine weitergeleitete E-Mail, die manipuliert worden sei. Damit müsste eventuell auch ein Betrug geprüft werden. Das wäre ein starkes Stück. Doch die vermeintliche Lottogewinnerin will sich gegen die Vorwürfe wehren.

Juristische Auseinandersetzung wohl unvermeidlich

Derzeit sind die Fronten verhärtet. Lottoland behauptet, dass die Lottospielerin nicht an der Lotterie teilgenommen habe. Dahingegen ist die junge Dame empört darüber, dass ihr mittlerweile sogar Betrug unterstellt wird. Die Dame hat angekündigt, einen Anwalt damit zu beauftragen, den Gewinn einzuklagen. Wenn die Angaben von Lottoland stimmen, dürfte es allerdings schwer sein, dieses Ziel zu erreichen. Von außen betrachtet lässt sich allerdings nicht sagen, was genau schiefgelaufen ist. Sicher scheint nur, dass eine der beiden Parteien nicht die Wahrheit sagt. Spätestens vor Gericht dürfte aber relativ schnell klar werden, ob es sich nur um ein Missverständnis oder aber um einen handfesten Betrug in die eine oder in die andere Richtung handelt. Beides wäre ein riesiger Skandal. Falls die junge Dame Zweifel an ihrer Geschichte bekommen sollte, kann es aber auch sein, dass dieser Fall still und heimlich ohne weitere juristische Aufarbeitung aus den Medien verschwindet.

Lottoland hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Lottoanbieter mit riesigen Jackpot-Summen gemacht. Auch in Deutschland nutzen viele Anbieter diesen Dienst. Letztlich nutzt Lottoland die gleiche Grauzone, die auch Sportwettenanbieter und Online Casinos zugute kommt: Aufgrund der Dienstleistungsfreiheit können Unternehmen in der Europäischen Union ihre Dienstleistungen auch über die Ländergrenzen hinaus anbieten. Umstritten ist allerdings, ob das auch uneingeschränkt für Glücksspiele und Sportwetten gilt. In Deutschland wird aktuell ein neuer Glücksspielstaatsvertrag verhandelt und es wäre eine gute Idee, auch den Status von Anbietern wie Lottoland klar zu regeln. Das würde letztlich allen Lottospielern, die auf der Jagd nach großen Jackpots sind, helfen. Derzeit ist aber unklar, ob die Vertreter der Bundesländer es tatsächlich wie vorgesehen bis Mitte 2021 schaffen, die Glücksspiele und Sportwetten im Internet in Deutschland komplett neu zu regulieren.