Überfall auf SpielhalleSicherlich hat der Angeklagte in diesem Fall mit einer milderen Strafe gerechnet oder diese zumindest erhofft. Doch es kam anders für ihn. Der 30-jährige Angeklagte bekam zwei Jahre und neun Monate Haft, ohne Bewährung. Die nächste Zeit verbringt er also erst einmal hinter schwedischen Gardinen. Doch, wie kam es dazu?

Überfall auf Spielhalle: Was war passiert?

In der vergangenen Woche musste sich der 30-Jährige aus Bergisch Gladbach vor der 10. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht verantworten. Ihm wurde vorgeworfen am 16. Oktober dieses Jahres die Spielhalle in der Bensberger Straße in Bergisch Gladbach überfallen haben. Laut Ermittlern habe der Mann gegen 23.30 Uhr eine Mitarbeiterin der Spielhalle mit einem Faustschlag außer Gefecht gesetzt. Danach entwendete er 464 Euro aus der Kasse und versuchte zu fliehen. Seine Flucht endete jedoch jäh, als der Polizeihund Pepe seine Flucht mit einem Biss beendete. Denn weit kam der Angeklagte nicht. Danach folgte direkt die Untersuchungshaft, in der der Angeklagte bis zum Prozess einsaß.

Gericht sah Schuld als erwiesen an

Am vergangenen Donnerstag fällte der Richter der 10. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts das Urteil gegen den angeklagten 30-Jährigen. So sah es der Richter als erwiesen an, dass der Angeklagte die ihm zu Last gelegte Tat auch begangen hatte. Nicht zuletzt wohl auch dadurch bedingt, dass der Angeklagte noch auf seiner Flucht festgenommen werden konnte und sich auch die aus dem Raub erlangte Beute in seinem Besitz fand. Das Urteil fiel mit zwei Jahren und neun Monaten Haft in einem normalen Rahmen aus. Zwar hatte die Verteidigung zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert und die Staatsanwaltschaft drei Jahre und drei Monate Haft gefordert, doch mit seinem Urteil blieb der Richter somit prinzipiell zwischen den beiden Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Entschuldigung milderte das Urteil

Das Urteil wegen schweren Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung fiel zudem vergleichsweise mild aus, da sich der Angeklagte im Laufe des Prozesses auch beim Opfer, der Mitarbeiterin der Spielhalle, entschuldigte. Das sahen alle drei Parteien, Richter, Verteidiger und Staatsanwalt als glaubwürdig und aufrichtig an. Zudem legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab, das die Strafe insgesamt ebenfalls etwas abmilderte. Auch der Umstand, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch ein ungeschriebenes Blatt gewesen sei und keinerlei Vorstrafen besaß, dürfte das Urteil abgemildert haben und zu zwei Jahren und neun Monaten Haft geführt haben.

Schwere Lebensverhältnisse

Im Plädoyer für seinen Mandanten erzählte der Verteidiger von den schweren Lebensverhältnissen, die den 30-Jährigen dazu bewogen haben sollen, diese Tat zu begehen. So soll der Pole erst seit kurzer Zeit in Deutschland sein, da er sich hier ein neues und vor allem besseres Leben aufbauen wollte. Jedoch misslang ihm dies, denn er hatte nur schlecht bezahlte Jobs bekommen und soll zudem auch noch ohne eigene Wohnung gewesen sein. Die Tat an sich entschuldigt das natürlich nicht. Selbst der Richter bezeichnete die Tat in seiner Urteilsverkündung als „großen Blödsinn“, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sogar „nur“ 464 Euro und damit eher wenig Geld geraubt werden konnten.

Neues Leben nach der Haftzeit

Zwar beteuerte der Angeklagte, dass er bei einer Bewährungsstrafe zeigen wolle, dass er sein Leben auch ohne Straftaten führen könne. Doch für den Richter und die Schöffen war dies kein Grund, um auf Bewährung zu gehen. Dennoch bekommt der 30-Jährige nach Verbüßen seiner Haft die Gelegenheit, diesen Vorsatz unter Beweis zu stellen. Seine durch den Hundebiss erlittene Narbe wird ihm dabei hoffentlich helfen, sich zukünftig auf dem richtigen Weg zu begeben.