Karl Stoss redet CASAG Zahlen schönFür den Generaldirektor der Casinos Austria AG (CASAG), Karl Stoss, war der Nationalfeiertag in Österreich wohl auch ein betrieblicher Feiertag. Immerhin wurde in der Spielerstadt Batumi am Schwarzen Meer, auf das „Las Vegas des Ostens“ genannt, ein neues Casino eröffnet. Damit hält die Casino Austria International (CAI) bei aktuell 32 landbasierten Casinos (davon 6 Casinos auf Kreuzfahrtschiffen). Seine gute Stimmung bekommen nun auch die Eigentümer der CASAG über den Umweg der Medien zu spüren. Insbesondere ÖBIB-Generalsekretärin Dr. Oberndorfer darf sich einiges anhören. Sie hatte angekündigt, sich insbesondere die Auslandsaktivitäten der CASAG (über die Tochtergesellschaft Casino Austria International – CAI) näher ansehen zu wollen. In einem Interview für die österreichische Tageszeitung „Wirtschaftsblatt“ (online-Ausgabe 28.10.2015) lässt er keine Zweifel daran, dass Dr. Oberndorfer eigentlich nicht weiß, worüber sie spricht. Aber auch die Zweifel das CAME-Eigentümers (Austrian Gaming Holding) über die zu geringen Margen des Unternehmens wischt Stoss als irrelevante und unqualifizierte Aussage einfach vom Tisch. Immerhin erwartet Stoss für 2015 das erfolgreichste Jahr für die CASAG überhaupt. Ob man so ungestraft mit den Geldgebern umgeht? Aber was soll‘s, wird sich Dr. Stoss wohl denken! Sein aktueller Vertrag endet 2016 und offensichtlich wird es ohnehin keine Verlängerung geben. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Dr. Stoss gerade zur wichtigen außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Oktober in Wien wegen Urlaubs entschuldigen hat lassen!

Casino ist nicht Lotterie

Kommen wir kurz zurück zu CASAG-Generaldirektor Dr. Stoss und seiner Meinung nach unqualifizierten Aussagen der CAME-Vertreter über die geringen Margen der CASAG. Im besagten Interview verweist Stoss darauf, dass die CAME-Eigentümer seines Wissens nach keine Casinos betreiben und das Lotteriegeschäft doch was anderes sei. Gleichzeitig gesteht er den tschechischen Eigentümern, Karel Komarek und Jiri Smejc, zu, rechnen zu können. Stimmt, Casino (hier: landbasierte Casino) ist nicht mit dem Lotteriegeschäft gleichzusetzen. Eine einfache Berechnung zeigt dies deutlich – aber wohl nicht im Sinne von Dr. Stoss.

Casino Alt: 69.400 – 162.600 Euro / Mitarbeiter

Im CASAG-Geschäftsbericht 2014 ist nachzulesen, dass über die CAI von rund 139 Mio Euro an Spielerlösen auf 32 Standorten mit 2004 Mitarbeiter erzielt werden konnten. Umgerechnet kommt somit auf jeden CAI-Mitarbeiter ein Spielerlös von rund 69.400 Euro. Bedenkt man die Personalkosten, wird da wohl nicht viel übrig bleiben. Eine hohe Marge ist hier wohl sicher nicht gegeben. Im Vergleich dazu beträgt die Mitarbeiterproduktivität an den 12 österreichischen Standorten mit einem Spielererlös von 271,6 Mio Euro und 1670 Mitarbeitern rund 162.600 Euro. Abzüglich der Gewinnausschüttungen, Steuern, Abgaben und sonstiger Aufwendungen bleibt wohl nicht viel vom eingesetzten Kapital zurück. Aber auch was die Kunden betrifft, ist die Frage von Dr. Oberdorfer durchaus gerechtfertigt. Im Jahr 2014 verzeichnete die CASAG in Österreich einen wahren Besucherrekord mit 2,5 Mio Gästen. Bezogen auf den Spielerlös gab dabei jeder Gast 108 Euro in den österreichischen Casinos aus (Erfahrungen zeigen, dass davon rund 60-70 % wieder als Gewinne ausbezahlt wurden). Bei den Auslands-Casinos ergibt sich hier ein Spieleinsatz von gerade 27 Euro pro Gast (insgesamt 5,1 Mio Besucher).

Lotterie-Geschäft bringt rund 3,0 Mio Euro pro Mitarbeiter

Die Österreichischen Lotterien zählen zu den cash-cows der CASAG-Gruppe. Mit einem Jahresumsatz von 1,3 Mrd. Euro kommt auf jeden der 647 Mitarbeiter eine Umsatz von 3,0 Mio Euro. Worüber sich wohl auch der Finanzminister freut, bekommt er doch durch diesen Titel rund eine halbe Mrd. Euro Steuergeld.

Umsatzkaiser Online-Welt: 8,6 Mio Euro / Mitarbeiter

Aber diese Zahlen verblassen ja richtig gehend, wenn sich Dr. Stoss einmal genauer mit seinem eigenen Online-Bereich auseinandersetzt. Im Jahr 2014 konnte die Online-Plattform „win2day.at“ einen Umsatz von 1,18 Mrd Euro erwirtschaften. Dabei sind jederzeit rund 8000 – 10.000 Menschen online und versuchen in entspannter Atmosphäre ihr Glück in den unterschiedlichen Spielangeboten. Wie viele Mitarbeiter „win2day“ tatsächlich hat, ist nicht bekannt. Zur schönen neuen Online-Welt der CASAG (fimiert unter der bekannten Entertainment Glücks- und Unterhaltungsspiel GmbH) zählen neben der Internetplattform win2day.at, die Österreichische Sportwetten GmbH tipp3 (Umsatz: rund 45-48 Mio Euro) sowie die Video Lottery Terminal Outlets WINWIN (Umsatz 2014: 0,64 Mrd. Euro). Insgesamt wird für diese Bereiche eine Mitarbeiterzahl von 218 angegeben. Stellt man diese alle aufs Spielfeld und gibt den Gesamtumsatz dieser Bereiche zusammen (rund 1,8 Mrd Euro) so wird ersichtlich, dass hier die Mitarbeiterproduktivität mit 8.603.000,-- Euro sehr beachtenswert erscheint. Aber die Tschechen werden wohl dies auch errechnen können. Warum also noch neue landbasierte Casinos? Ein Anlass, um (wiederholt) die Frage zu stellen, warum in €-Namen in Zeiten lukrativer und kundenorientierter Online-Casino-Welten der teilstaatlichen CASAG weiterhin auf landbasierte Casinos gesetzt wird? Allein der hübsche Croupier mit der Fliege wird es wohl nicht sein. War da nicht was mit dem Finanzminister

 

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