In England erregt aktuell eine Bewegung gegen Spielsucht mit der Forderung nach mehr Engagement der Fußballclubs Aufmerksamkeit. Angeführt von James Grimes, 28, einem Ex-Spielsüchtigen aus Manchester, stattet die sogenannte „Big Step Challenge“ momentan 9 verschiedenen Profivereinen in England per Fanmarsch einen Besuch ab. Alle 9 Profivereine haben gemeinsam, dass ihre Trikots von mindestens einem Unternehmen aus der Glücksspielbranche gesponsert werden. Ziel der Aktion ist es, die Vereine zu mehr Verantwortung und Engagement im Kampf gegen Spielsucht zu bewegen.

Spielbank UlmAktiver Kampf gegen Spielsucht als wichtiges Ziel

 Bei einem Blick in die Statistiken ist die Big Step Challenge durchaus sinnvoll: Alleine im Vereinigten Königreich gibt es 340.000 erwachsene Spielsüchtige, weitere 55.000 im Alter von 11-16 Jahren und 2 Millionen zusätzliche „gefährdete“ Personen. Untersuchungen zeigen ferner, dass Spielsüchtige 15-mal suizidgefährdeter sind als der Durchschnitt.

James Grimes war bis vor einem Jahr selbst einer der 340.000 Fälle von Spielsucht. Nun steht er an der Spitze des Marsches von Big Step, der ausgehend vom Etihad Stadium des Spitzenclubs Manchester City über 8 weitere Profivereine bis hin zum Old Trafford, Stadion des City Erzrivalen Manchester United, führt. Bei einer der Stationen, den Bolton Wanderers aus der dritten englischen Liga, werden James und andere Köpfe der Bewegung sogar mit Kluboffiziellen darüber sprechen, was die Vereine tun können, um spielsuchtgefährdeten Fans zu helfen.

„Die Big Step-Challenge ergibt sich aus meiner eigenen Erfahrung als genesender Glücksspiel-Süchtiger und der Erkenntnis, dass die Konfrontation mit Glücksspiel durch den Fußball von klein auf elementar dazu beigetragen hat. Ich möchte daher, dass Fußballvereine den ‚Big Step‘ gehen und sich genauer damit auseinandersetzen, was sie tun“, sagt James über die Bewegung. Die Bolton Wanderers haben Big Step jedenfalls bereits ihre volle Unterstützung zugesichert: „Die Bolton Wanderers unterstützen verantwortungsvolles Spielen zu 100 % - wir stehen voll und ganz hinter der Big Step Challenge und wünschen der Bewegung nur das Beste“, so ein Sprecher des Vereins in einer offiziellen Mitteilung.

Neben dem Streben nach mehr Aufmerksamkeit unter Fans und Verantwortung der Vereine sammelt die Gruppe außerdem Geld für die Stiftung „Gambling with Lives“, die von Familien und Freunden junger Männer gegründet wurde, die durch Glücksspielsucht Suizid begangen haben.

Spielsucht auch in Deutschland ein Problem

Auch in Deutschland ist Spielsucht ein Problem, obwohl sich die Thematik im Verhältnis (die Bevölkerungszahl in Deutschland entspricht 82,79 Millionen versus 66,04 Millionen in Großbritannien) als nicht ganz so gravierend darstellt. Als „spielsüchtig“ klassifiziert sind in Deutschland rund 180.000 Menschen. Weitere 326.000 gelten als „gefährdet“. An dieser Stelle muss jedoch angemerkt werden, dass die deutsche medizinische Klassifizierung von der britischen abweicht und die Zahlen somit nur eingeschränkt vergleichbar sind.

Positiv zu erwähnen ist, dass Spielsucht in Deutschland seit 2009 konstant rückläufig ist. Auch die Zahl an Menschen, die Beratungsangebote zum Thema Glücksspielsucht in Anspruch nehmen, ist in dieser Zeit gestiegen, was im Allgemeinen als wichtiger Indikator für den Erfolg der Bemühungen von Politik, Branchenverbänden und Betreibern betrachtet wird. Hier leistet sicherlich auch die im internationalen Vergleich sehr strenge Regulierung von Spielhallen, Gaststätten und Casinos in Deutschland ihren Beitrag. Die geltenden Regeln werden zunehmend auch online durchgesetzt und das Thema verantwortungsvolles Spielen hat oberste Priorität bei den besten Online Casinos. Allgemein lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass in Deutschland bereits eine deutlich größere Awareness gegenüber Glücksspielsucht und dessen Beratungsangeboten herrscht als etwa in Großbritannien.