Das Casino Campione, das viele Jahre lang die wichtigste Einnahmequelle der italienischen Exklave Campione d’Italia in der Nähe des Luganersees war, hat der Gemeinde einen riesigen Schuldenberg beschert. Jetzt springt endlich die italienische Regierung ein und hilft mit 5 Millionen Euro.

Casino reißt italienische Exklave in den Abgrund

Campione CasinoLange Zeit war das Casino Campione, ein echtes Beton-Casino und kein modernes Online Casino, eine echte Goldgrube für die italienische Exklave Campione d’Italia. Doch irgendwann änderte sich dies aufgrund der nachlassenden Nachfrage und am Schluss stand die Gemeinde plötzlich mit einem Schuldenberg in Höhe von 5 Millionen Euro da. Teilweise mussten die umliegenden Schweizer Orte dafür sorgen, dass die Menschen in Campione d’Italia zumindest das Nötigste zum Leben noch hatten. Ohne Hilfe von außen wäre es wahrscheinlich teilweise sogar zu einer Hungersnot gekommen, da fast alle Gemeindemitglieder im Casino angestellt waren oder in irgendeiner Form vom Casino profitierten. Immerhin hat sich die italienische Regierung nun dazu entschlossen, 5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um den Schuldenberg abzubauen. In erster Linie sollen damit die Casino-Angestellten, die auf ihre letzten Gehälter warten, entschädigt werden. Aber es gibt auch diverse Firmen aus dem Tessin, die dringend darauf angewiesen sind, dass die ausstehenden Rechnungen bezahlt werden. Immerhin wird die Gemeinde dadurch entlastet. Doch die Zukunft ist damit noch längst nicht gesichert.

Campione d’Italia hat viele Jahre davon profitiert, dass es in der Exklave andere Regeln gab als im schweizerischen Umland. Dadurch konnte das Casino Campione gebaut und zu einem großen finanziellen Erfolg werden. Das Geschäftsmodell war einfach: Zur damaligen Zeit war es für die Schweizer in der Region schwierig, irgendwo attraktive Glücksspiele zu finden. Online Casinos gab es noch nicht, sodass die Fans von Roulette, Blackjack und anderen Casino-Spielen gerne in die italienische Exklave fuhren, um einen schönen Abend im Casino zu verbringen. Das funktioniert auch lange gut, aber irgendwann wurde das Glücksspielangebot in der Schweiz dann besser und deswegen war die Attraktivität des Casinos in der italienischen Exklave nicht mehr gegeben. Ein paar unternehmerische Entscheidungen von mäßiger Qualität kamen noch hinzu, sodass am Ende dann eine Insolvenz mit einem gigantischen Schuldenberg das Ende markierte. Vor einem Jahr musste das Casino Campione geschlossen werden. Die direkte Folge ist, dass die Gemeinde in einem großen Chaos lebt. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, denn das ohne das Casino gibt es kein echtes Geschäftsmodell für Campione d’Italia.

Abhängigkeit vom Casino war historischer Fehler

Die italienische Exklave Campione d’Italia hat sich komplett abhängig gemacht von den Einnahmen aus dem Casino Campione. Fairerweise muss angemerkt werden, dass es in der Gemeinde kaum andere Möglichkeiten gab und gibt, Einnahmen im großen Stil zu generieren. Der Tourismus kann in der kleinen Exklave nicht einmal ansatzweise die Einnahmeverluste aus dem Casino-Betrieb ersetzen. Produzierende Betriebe gibt es auch nicht, sodass es schwierig sein dürfte, die Bevölkerung im Ort zu halten. Aktuell versuchen die Bewohner vor allem zu überleben, da kein neues Geld reinkommt. Viele Menschen haben schon die Flucht angetreten, da das Ersparte aufgebraucht war. Dieser Trend wird weitergehen, wenn sich nicht schnell etwas ändert. Aber im Moment sieht es eher danach aus, dass Veränderungen kommen werden, die letztlich dazu führen, dass die Situation komplett eskaliert. Aktuell deutet alles darauf hin, dass Campione d’Italia demnächst zum EU-Zollgebiet gehören wird. Das hätte dramatische Folgen, denn dann würden die Einwohner nicht mehr von den diversen schweizerischen Vorteilen profitieren, die immer noch verfügbar sind. Letztlich würde das wahrscheinlich dazu führen, dass die meisten Einwohner den Ort verlassen würden. Wer Geld verdienen muss, hat in Campione d’Italia jetzt und in Zukunft wahrscheinlich ein schweres Leben.

Geplant ist der Beitritt zum EU-Zollgebiet zum 1. Januar 2020. Dieses Datum werden wahrscheinlich viele Bewohner gar nicht abwarten, da irgendwann auch die größten Ersparnisse aufgebraucht sind. Die größte Hoffnung der verbliebenen Einwohner ist, dass das Casino irgendwann öffnen wird. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass ein Casino, das schon einmal in der Insolvenz gelandet ist, wahrscheinlich auch in Zukunft kein besonders lukratives Geschäft haben wird. Doch angesichts der Verzweiflung, die in Campione d’Italia vorherrscht, ist das Casino die letzte Hoffnung. Viele Einwohner hoffen auch, dass sie italienische Regierung dafür sorgen wird, dass das Casino wieder öffnen kann. Vielleicht müsste Campione d’Italia auf ein ganz neues Geschäftsmodell entwickeln und zum Standort für Online Casinos werden. Das wäre angesichts der aktuellen italienischen Gesetze wahrscheinlich sogar möglich. Aber derzeit gibt es keine Anstrengungen in diese Richtung. Die desolate Situation in Campione d’Italia zeigt, dass es nicht gut ist, alles auf eine Karte zu setzen. Das gilt in der Wirtschaft genauso wie in jeder Spielbank. Aber von außen ist es leicht zu urteilen. Die vielen dramatischen Einzelschicksale in Campione d’Italia haben in der Schweiz und Italien viele Menschen bewegt. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik eine gute Lösung für die italienische Exklave finden wird.