SteuereinnahmenDer Hannoveraner Stadtrat kann sich freuen. Immerhin 12 Millionen Euro flossen 2014 als Steuer durch Glücksspielautomaten in den Stadtsäckel. Geld, was Hannover dringend gebrauchen kann. Allerdings hat diese Entwicklung eine Kehrseite, denn immer mehr Menschen sind in der niedersächsischen Landeshauptstadt spielsüchtig. Schätzungen gehen von etwa 5.000 Menschen aus, die zum Teil die Beratungsstellen aufsuchen. Das führt zu Engpässen, sodass Hilfesuchende bis zu drei Wochen Wartezeit in Kauf nehmen müssen bis sie endlich einen Termin wahrnehmen können.

Silke Quast vom Diakonischen Hilfswerk mahnt an, dass dies zu viel Zeit sei. Allein im vergangenen Jahr hätten rund 100 Spielsüchtige erstmals die Beratungsstelle aufgesucht und damit für einen neuen Rekord gesorgt. Neben den rund 5.000 Menschen der Stadt mit Problemen in Bezug auf das Glücksspiel käme noch einmal die gleiche Anzahl dazu, wenn das Umland mit hinzugerechnet würde. Auch Martina Kuhnt, die Landeskoordinatorin für Glücksspielsucht, macht besorgniserregende Tendenzen aus. Sie möchte die Stadt und das Land in die Pflicht nehmen und fordert, dass mehr in die Vorbeugung investiert werden müsse. „Schließlich profitiert die Stadt von Spielsucht“ so ihre Aussage.

Das Geschäft mit den Glücksspielautomaten boomt

Die statistischen Erhebungen vom Arbeitskreis gegen Spielsucht belegen, dass vor drei Jahren mit rund 2.000 Automaten etwa 36,5 Millionen Euro an Einnahmen erzielt wurden. Im Jahre 2013 waren es bei einer annähernd gleichbleibenden Automatenanzahl schon 51 Millionen Euro. Das heißt, dass nicht nur Hannover mit 18 Prozent Steuern gut verdient, sondern auch die Spielhallenbetreiber ihr Scherflein ins Trockene bringen. Doch leider fließt von den Steuereinnahmen offenbar nichts zurück in die Suchtprävention und die Hilfsorganisationen fühlen sich allein gelassen.

Zumindest schärfere Kontrollen der Spielhallen in Bezug auf den Jugendschutz wünschen sich die Suchtberater, was auch die offensive – eigentlich verbotene – Außenwerbung mit einschließt. Darüber hinaus, so Silke Quast, müsste verhindert werden, dass Spielhallenbetreiber mehrere Konzessionen erlangen und somit viele Automaten an einem Ort aufstellen können.

Der Hannoveraner Stadtrat will augenscheinlich die Sache aussitzen. Nach dessen Meinung werde sich das Problem innerhalb weniger Jahre dadurch lösen, dass aufgrund gesetzlicher Regelungen ein Mindestabstand von 100 Metern zwischen Spielhallen eingehalten werden müsse. Damit, so das Ordnungsdezernat, werde die Anzahl der Spielhallen um etwa die Hälfte sinken. Von wem sich von der Spielsucht Betroffene in der Zwischenzeit in ausreichendem Umfang helfen lassen können, darauf hat das Ordnungsdezernat keine Antwort gegeben.