Die ehemaligen niederländischen Casino-Betreiber Stijn F., Maurice G. and Michel G. wurden in einem Gerichtsverfahren zu Haftstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt. Nachdem die niederländische Staatsanwaltschaft vier Jahre ermittelt hatte, reichten die Beweise aus, um die drei Angeklagten wegen Geldwäsche und Leitung einer kriminellen Organisation zu verurteilen. Dieses Urteil dürfte viele in der niederländischen Casino-Welt aufschrecken, aber die Umstände sind außergewöhnlich. Casino-Betreiber sollten sich das aktuelle Urteil und die Folgen einer möglichen Haftstrafe in jedem Fall näher anschauen.

Kriminelle Organisation durch Betrieb von illegalen Casinos

Die drei Brüder Stijn F., Maurice G. and Michel G. sind nur eine kleine Auswahl der insgesamt 27 Verdächtigen im aktuellen Verfahren. Das gesamte Unternehmen, das hinter den betroffenen Casinos stand, wird durch das Urteil offiziell als kriminelle Organisation betrachtet. Allerdings meldete sich der Hauptangeklagte Stijn F. in der Zeitung „Het Financieele Dagblad“ zu Wort und stritt die Vorwürfe ab: „Ich habe nichts Illegales gemacht. Das Verfahren ist willkürlich. Die Staatsanwaltschaft verfolgt uns, aber die Niederländische Gaming Authority (NGA) unternimmt nichts gegen die vielen anderen Online Casinos.“

Finanzielle Dimensionen in beeindruckender Höhe

Im Verfahren zur Haftstrafe wurde deutlich, wie hoch der finanzielle Anreiz beim Betrieb von Casinos ist. Im Zeitraum von 2007 bis 2013 wurden Einnahmen in einer Höhe von über 100 Millionen Euro erzielt. Laut Staatsanwaltschaft führte dies zu einem Gewinn von mehr als 50 Millionen Euro. Die Casinos waren offiziell in Costa Rica beheimatet, sodass die Geldströme größtenteils an den Niederlanden vorbeiflossen. Zu den sieben genannten Casinos im Verfahren gehören unter anderem amsterdamscasino.com und fruitluck.com. Diese Domains sind aufgrund von Beschlagnahmungen schon seit 2013 nicht mehr erreichbar.

Bei einer Razzia im Jahr 2013 wurden auch mehr als 100 Bankkonten gefunden, über die das Geld aus dem Casino zu den Betreibern floss. Zudem gab es über 80 Gebäude, die von der Razzia betroffen waren. An diesen Zahlen wird deutlich, dass es sich nicht um einen kleinen Casino-Betreiber handelte, der einfach nur ein paar Euro auf einfache Weise verdienen wollte. Auch wenn sich die Einnahmen ein wenig relativieren mit dem Blick auf die zahlreichen beteiligten Personen, dürfte es sich doch um ein äußerst lukratives Geschäft gehandelt haben.

Lange Zeit gefeierte Jungunternehmer - nun Haftstrafe

Noch im Jahr 2011 wurden die drei Hauptangeklagten in renommierten Magazinen als junge Selfmade-Millionäre gefeiert. Das Unternehmen war also mitnichten eine verdeckt operierende Organisation. Auch interessant: Im Jahr 2012 ordnete der Justizminister der Niederlande an, eine Liste mit allen Online Casinos zu erstellen, die auf der Basis vorgegebener Kriterien toleriert werden könnten. Auf dieser Liste befand sich unter anderem amsterdamscasino.com. Umso verwunderlicher scheint es, dass schon im November 2013 die bereits erwähnte Razzia gegen das Unternehmen stattfand und umfangreiche Ermittlungen folgten.

Online Casino Haftstrafe

Dass das Verfahren am Ende mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 24 Monaten für die Hauptangeklagten und einer Geldstrafe in Höhe von jeweils 100.000 Euro endete. Darüber hinaus wurden diverse Finanzberater verurteilt wegen Geldwäsche und Fälschung sowie mit dreijährigen Berufsverboten belegt. Angesichts der Millionensummen, um die es ging, scheinen die Strafen allerdings eher milde zu sein. Es bleibt zudem abzuwarten, ob die Verurteilten gegen das Urteil angehen werden.

Andere Situation in Deutschland für Casino-Betreiber

In Deutschland gibt es mit der Lizenz von Schleswig-Holstein eine anerkannte und sichere Casino-Lizenz, die von diversen Top-Casinos genutzt wird. Online Casinos werden seit vielen Jahren toleriert, selbst wenn keine deutsche Lizenz vorhanden ist. Die rechtliche Situation ist in Deutschland längst nicht optimal, da es nach wie vor keine bundesweite Regulierung gibt. Aber in den letzten Jahren lässt sich beobachten, dass Casino-Spiele immer mehr zum Mainstream werden, zum Beispiel auch durch TV-Werbung und Sponsoring. Der niederländische Fall lässt sich aufgrund der vielen seltsamen Details nicht auf die deutsche Situation übertragen. Für deutsche Glücksspiel-Fans ist die Situation ohnehin unkompliziert, denn im Zweifel stehen die Casino-Betreiber im Fokus und nicht die Casino-Besucher.