Glücksspiel ist für die nächsten 10 Jahre im Kosovo verboten. Das kosovarische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das als Reaktion auf brutale Überfälle in zwei Casinos gesehen werden muss. Mit dem Verbot von Glücksspiel möchte die Regierung des Kosovos die öffentliche Sicherheit stärken. Es ist unter Experten umstritten, ob diese Reaktion zum gewünschten Erfolg führen wird. Aber eindeutig ist: Im Kosovo können Glücksspiel-Fans in Zukunft ihrem Hobby nicht mehr legal nachgehen.

Zwei Überfälle innerhalb weniger Tage

Gewalt in Spielcasinos und Wettbüros ist schon seit längerer Zeit ein Thema im Kosovo. Der Kosovo leidet unter einer geringen Wirtschaftskraft, sodass viele Menschen ihre Existenz kaum finanzieren können. Zum anderen gibt es seit Jahren einen großen Boom bei den Glücksspielen und Sportwetten. Aus dieser Gemengelage heraus gibt es immer wieder Zwischenfälle in Spielcasinos und Wettbüros. Zuletzt eskalierte die Situation allerdings, denn innerhalb von wenigen Tagen kamen zwei Casino-Angestellte im Kosovo bei Überfällen ums Leben. Durch diese Vorfälle sah sich der kosovarische Regierungschef Ramush Haradinaj dazu veranlasst, ein Glücksspiel-Verbot vorzuschlagen und umzusetzen.

Schwerer Schlag für Glücksspiel-Industrie im Kosovo

Kosovo

Zuletzt gab es im Kosovo etwa 470 Casinos, Wettbüros und Glücksspiellokale. Das ist eine bemerkenswerte Anzahl für eines der kleinsten Länder in Europa. Schon bevor das Verbot in Kraft trat, wurden die meisten Angebote vom Markt genommen. Dabei machte sich der Staat zunutze, dass viele Glücksspiel-Anbieter sich nicht an die vorgegebenen Regeln hielten. Mit dem gesetzlichen Verbot, das vorerst für 10 Jahre gilt, wird nun auch den letzten Anbietern die Basis für den Geschäftsbetrieb genommen. Somit gibt es aktuell kein legales Angebot in den Bereichen Casino-Spiele und Sportwetten im Kosovo.

Organisiertes Verbrechen ebenfalls von Verbot betroffen

Ein positiver Aspekt des Glücksspiel-Verbots im Kosovo ist, dass auch das organisierte Verbrechen unter dieser neuen Politik leidet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Kosovo Casinos und Sportwetten-Anbieter zum Teil für Geldwäsche genutzt werden. Durch das komplette Verbot bleiben keine Schlupflöcher offen. Ob das langfristig zum gewünschten Erfolg führt, bleibt abzuwarten. Aber zumindest kurzfristig dürfte das Glücksspiel-Verbot dafür sorgen, dass einige kriminelle Organisationen große Probleme bekommen. Langfristig wird diese Maßnahme aber kaum ausreichen, um gegen das organisierte Verbrechen wirksam vorzugehen.

Abwanderung in das illegale Glücksspiel?

In der Geschichte des Glücksspiels ist immer wieder deutlich geworden, dass das Verbot von legalen Angeboten nicht automatisch dazu führt, dass Glücksspiel-Fans auf ihre Leidenschaft verzichten. Stattdessen sprießen bei Verboten meist die illegalen Angebote, die vom Staat nur schwer zu kontrollieren sind. Zudem gibt es unzählige alte und neue Online Casinos, die auch im Kosovo verfügbar sind. Somit dürfte es schwierig sein, das Glücksspiel in der Praxis komplett zu verbieten. Diese Erfahrung machen seit Jahren viele Länder auf der Welt, unter anderem auch Deutschland und Österreich. Das komplette Verbot ist vielleicht im Moment populär, ignoriert aber den Umstand, dass es im Bereich Glücksspiel und Sportwetten weltweit eine hohe Nachfrage gibt. Wenn die Nachfrage mit illegalen Angeboten bedient wird, nutzt das weder den Glücksspiel-Fans noch dem Staat.

Die Situation im Kosovo unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von der Situation in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien oder Schweden. Die Macht des organisierten Verbrechens ist im Kosovo deutlich größer als in anderen Ländern. Das komplette Glücksspiel-Verbot ist zudem keine Erfindung des Kosovo. Auch in Albanien wurden Glücksspiele vor kurzem vollständig verboten. Experten warnen allerdings auch in Albanien davor, dass das Glücksspiel-Verbot kurzfristig vielleicht dafür sorgen kann, dass die Situation oberflächlich besser wird. Aber die grundlegenden Probleme werden durch ein radikales Verbot wahrscheinlich nicht gelöst. In Deutschland wurde immer wieder ein komplettes Verbot privater Angebote diskutiert. Aber mittlerweile werden die Sportwetten-Anbieter in Deutschland akzeptiert und auch für Online-Casinos soll in den nächsten Jahren eine umfassende Regulierung geschaffen werden.