Die Glücksspiel-Mafia in Oberösterreich wird zu einem immer größeren Problem. Nein, es geht nicht um die oft kritisierten Online Casinos. Experten gehen davon aus, dass jährlich mindestens 108 Millionen Euro Umsatz erzielt werden mit illegalen landbasierten Spielautomaten. Die Organisation „Spieler-Info“, die sich seit vielen Jahren engagiert im Kampf gegen illegales Glücksspiel, hält ein komplettes Verbot allerdings für nicht zielführend. Die aktuelle Situation ist jedoch besorgniserregend und vor allem hinsichtlich des Spielerschutzes nicht akzeptabel.

Mehr als 300 Anzeigen wegen illegaler Automaten seit 2011

spielautomatDie Organisation „Spieler-Info“ hat seit im letzten Jahrzehnt mehr als 62 Anzeigen in Oberösterreich gestellt. Jeder illegale Automat, der von der Organisation entdeckt wird, wird konsequent zur Anzeige gebracht. Da es sich um ein privates Engagement handelt, ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl von illegalen Automaten deutlich höher liegt. „Spieler-Info“ geht davon aus, dass mindestens 900 illegale Slots in Oberösterreich verfügbar sind. Bei einer konservativen Schätzung eines durchschnittlichen Gewinns von 10.000 Euro pro Monat mit jedem Automaten wäre das ein Umsatz von 108 Millionen Euro im Jahr. Es kann allerdings durchaus sein, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen. Bei illegalen Angeboten sind auch Experten auf Schätzungen angewiesen, sodass die in diesem Artikel genannten Zahlen als untere Grenzen zu sehen sind.

Bei illegalen Automaten kann die Mechanik so manipuliert sein, dass auch monatliche Gewinne von bis zu 50.000 Euro möglich sind. Da keine staatliche Kontrolle stattfindet, ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Für die Glücksspiel-Fans, die diese Automaten nutzen, ist zudem nicht immer ersichtlich, dass es sich um ein illegales Angebot handelt. Auch wenn Glücksspiel generell so gestaltet ist, dass die Betreiber einen Gewinn erzielen, wird dieses grundlegende Prinzip bei den illegalen Slots auf die Spitze getrieben. Die staatlichen Behörden in Oberösterreich scheinen das Problem nicht in ausreichendem Maße zu würdigen. Ansonsten müssten nicht private Organisationen dafür sorgen, dass sich überhaupt etwas bei dieser Thematik bewegt. Für die Glücksspiel-Fans in Oberösterreich ist die Situation schon seit Jahren nicht befriedigend.

„Spieler-Info“ nicht für ein komplettes Glücksspiel-Verbot

Auch wenn „Spieler-Info“ sich klar positioniert gegen illegales Glücksspiel, bedeutet dies nicht, dass die Organisation grundsätzlich gegen Glücksspiel ist. Aus pragmatischen Gründen setzt sich „Spieler-Info“ für staatlich kontrollierte und regulierte Angebote ein. Ganz ohne legale Alternativen wäre es wahrscheinlich nicht möglich, das illegale Glücksspiel überhaupt erfolgreich zu bekämpfen. Derzeit gibt es allerdings schon legales Glücksspiel in Österreich, aber der Kampf gegen die illegale Konkurrenz findet nicht in einem ausreichenden Maße statt. Das ist auch ein Problem für die illegalen Anbieter, denn die Umsätze, die von den illegalen Anbietern gemacht werden, fehlen den legalen Glücksspiel-Firmen. Auf lange Sicht kann das nicht funktionieren.

Das Hauptproblem bei den illegalen Glücksspielen sieht Gert Schmitt von „Spieler-Info“ darin, dass diese Spiele darauf optimiert sind, die Spieler wirtschaftlich zu ruinieren. Ohne staatliche Regeln zum Spielerschutz führt das auf breiter Ebene zu großen finanziellen und psychischen Problemen bei der betroffenen Zielgruppe. Somit entsteht ein gesellschaftliches Problem, das nicht ignoriert werden sollte. In einem offenen Brief an die Politik beschreibt „Spieler-Info“ das Problem eindringlich und weist darauf hin, dass eine Lösung dringend geboten sei. Es bleibt abzuwarten, ob der österreichische Staat, der in den letzten Jahren beim Spielerschutz nicht gerade geglänzt hat, die nötigen Konsequenzen aus dem aktuellen Appell ziehen wird.