Glücksspiel in ÖsterreichDas Netz zwischen Politik, Wirtschaft und der Glücksspielindustrie, hier vor allem mit dem Hersteller von Slot Automaten und Betreiber von Online Casinos Novomatic, ist in Österreich so eng, wie wohl in keinem anderen Land in Europa. Lizenzen für neue Casinos werden erteilt, dann wieder von den Gerichten kassiert, da fehlende Transparenz im Vergabeverfahren fast immer auf Kosten der Mitbewerber aus anderen Länder geht. Von Schmiergeldzahlungen, angeboten Posten nach der politischen Karriere und allerlei Druck ist die Rede, wenn es um Novomatic und die Entscheidungsträger des Landes geht. Eine Krähe hackt der anderen bekanntlich keine Auge aus und so ist es für die Justizbehörden in der Alpenrepublik äußerst mühsam wenigstens etwas Licht ins Dunkel der Seilschaften zu bringen. Wie ein Recherche-Team des Dossier jetzt herausgefunden hat, gibt es diese auch zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, in Gestalt des ORF, und der Glücksspielbranche rund um CASAG und Novomatic.

Der ORF ist an der Lotto-Toto Holding GmbH beteiligt

Jeden Tag flimmert Werbung für allerlei Glücksspiele über die Bildschirme und der ORF ist ganz vorn mit dabei. Nachdem das Recherche-Team sich eine zufällig ausgewählte Woche ansah, fanden es heraus, dass der ORF deutlich mehr Werbung für Glücksspiele versendet als die private Konkurrenz von ATV und Puls4. Die privaten Fernsehsender schalten gerade einmal 1 – 1,8 Prozent ihrer Werbezeit mit Gambling-Angeboten, der ORF hingegen 3,5 Prozent und der ORF2 sogar ganze 3,7 Prozent. Schon dies ist äußerst fragwürdig, da doch der Staat oberste Instanz gegen die Glücksspielsucht ist und die öffentlich-rechtlichen Sender von ihm betrieben werden, doch die Verflechtungen gehen noch weitaus tiefer. So hält der ORF sogar 18,7 Prozent an der Lotto-Toto Holding GmbH, an der auch der Gambling-Konzern Novomatic über die RSV Beteiligungs GmbH und LTB Beteiligungs GmbH involviert ist. Hier sitzen also der österreichische Glücksspielriese und der öffentlich-rechtliche Rundfunk gemeinsam an einem Tisch. 

Der ORF kassiert gleich dreifach beim Glücksspiel in Österreich

Neben der Beteiligung an der Lotto-Toto Holding GmbH und den Einnahmen aus der Werbung für Glücksspiele, kassiert der ORF auch ein drittes mal kräftig ab. Denn in keiner öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt im deutschsprachigen Raum laufen so viele Gambling-Sendungen wie in Österreich. Mit dem Klassiker „Lotto 6 aus 45“ geht es los, dann geht es weiter mit „EuroMillionen“, „Bingo“, „Brieflosshow“, „ToiToiToi“ und zum Abschluss gibt es noch „Klassenlos“. Für den Sommer darf es dann als Extrabonus noch „Money Maker“ obendrauf sein. Da freut sich das Geldsäckel des ORF, denn es wird mit den Einnahmen der ganzen Sendungen gespeist, die zusätzlich noch selbst beworben werden. Neben den Werbezeiten für die eigenen Sendungen ist beim ORF noch genügend Spielraum auch Werbespots des Mr. Green Online Casinos zu versenden oder passend zu Fußballeuropameisterschaft die fragwürdigen Offerten von Lopoca zu zeigen, die gern zu der in manchen Ländern verbotenen Praxis greifen, die Teilnahme am Glücksspiel mit sexuellem Erfolg in der Werbung zu verknüpfen. Lopoca steht zusätzlich noch im Verdacht ein illegales Pyramidenspiel zu betreiben. Auch die CASAG ist mit der Marke win2day ein einträglicher Partner der Sendeanstalt. Dies alles stört den ORF allerdings wenig, denn das Geld muss fließen.

Die Erfolgsgeschichte Lotto! - Der ORF und die Medien schreiben sie selbst

Als im Jahr 1986 das Lotto zum ersten mal über die Mattscheiben flimmert entschied der damalige Gesetzgeber, die Steuerleistungen daraus an einen gemeinnützigen Zweck zu binden. Der gesamte Batzen wird unter der Sportförderung, karitative Einrichtungen und den Medien aufgeteilt. Zu den Medien gehört natürlich auch der ORF, aber auch der Verband Österreichischer Zeitung und so verwundert es sicherlich niemanden, dass Zeitungsmedien und öffentlich-rechtlicher Rundfunk alles daran setzen die Cashcow Lotto weiter anzuschieben und kräftig zu melken. Wie gut diese Strategie aus Werbung und der Vermittlung von Seriosität funktioniert, wenn die Glücksspielsendungen im ORF laufen, wird am Beispiel des Umsatzwachstums beim „EuroMillionen“ in den letzten Jahren ersichtlich. Belief sich der Umsatz im Jahr 2005 nach seiner Einführung in Österreich noch auf 132 Millionen Euro, hat er sich im Jahr 2015 auf 305 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Novomatic – die dicke Spinne im Netz

Auf Anfragen bezüglich der Beteiligung an der Lotto-Toto Holding GmbH, für die der ORF Kritik von Seiten des Rechnungshofes einstecken musste, denn ihrer Meinung nach stellt die Beteiligung kein betriebsnotwendiges Vermögen dar und könne somit verkauft werden, und dem Übermaß an Glücksspielwerbung, gab es von Roman Horacek aus der Pressestelle nur den Hinweis auf die gültigen gesetzlichen Grundlagen im ORF-Gesetz. Dieses regelt allerdings nur den Umgang mit Alkohol- und Tabakwerbung und enthält nirgends einen Punkt über das Glücksspiel. Die einzige Instanz, die dem Treiben des ORF Einhalt gebieten könnte, wäre der Stiftungsrat. Dieser zeigt aber auch kein großes Interesse am jetzigen Zustand etwas zu ändern, denn um an den Anfang der Geschichte mit der starken Verflechtung von Politik, Medien und der österreichischen Glücksspielindustrie zu kommen, hat die große Spinne im Zentrum Novomatic auch im ORF seine Fäden gezogen. Denn seit Mai 2014 ist Dietmar Hoscher oberster Aufseher im Stiftungsrat, der obersten Kontrollinstanz der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, und zu dem ist er auch hauptberuflicher Vorstand der Casinos Austria AG und Prokurist der Österreichischen Lotterien GmbH. Die CASAG ist nicht nur zusammen mit der Lotto-Toto Holding GmbH der Eigentümer der ÖLG sondern auch das zukünftige Tochterunternehmen von Novomatic. Somit hält der Glücksspielgigant alle Fäden in Sachen Lotto in Österreich in seinen Händen und mit seinen Verstrickungen in die Politik dürfte es schwer werden daran in Zukunft noch etwas zu ändern.