Jetzt scheint es also amtlich: Die staatlichen Spielbanken Nordrhein-Westfalens werden verkauft. Im Kabinett der schwarz-gelben Landesregierung ist ein entsprechender Gesetzentwurf verabschiedet worden. Das staatliche Monopol wird dann gegen ein privates „ausgetauscht“, denn die Konzession für alle vier in NRW beheimateten Casinos (Aachen, Dortmund-Hohensyburg, Duisburg und Bad Oeynhausen) soll an nur einen Käufer gehen, der on top auch noch die Option auf zwei weitere Standorte erhält. Sofort sickerte durch, wer Interesse am Kauf angemeldet hat. Dass der potentielle Interessent aus Espelkamp kommt, wundert sicherlich niemanden. Allerdings muss sich die Gauselmann-Gruppe noch gegen internationale Mitbewerber durchsetzen, denn die Konzession wird europaweit ausgeschrieben.

Erste Details zum Casino Gesetzentwurf

Spielbank WiesbadenSchon im Mai vorigen Jahres hatte die Landesregierung den Beschluss gefasst, die staatliche Westspiel-Gruppe zu veräußern. Nun liegt ein Gesetzentwurf vor, dessen erste inhaltliche Details inzwischen vom Innenministerium des Landes NRW bestätigt wurden. An den Investor werden „umfangreiche Anforderungen, insbesondere hinsichtlich der Zuverlässigkeit" gestellt und darüber hinaus wird er sowohl von der Finanzaufsicht, als auch von der Genehmigungsbehörde unter „effektiver Aufsicht“ stehen, teilte das Innenministerium mit. Ein „ordnungspolitischer Beirat“, der sich aus kompetenten Landesvertretern zusammensetzt, wird den zukünftigen Käufer ebenfalls unterstützen. Im vergangenen Jahr erlebte Westspiel einen gewissen Aufschwung. Lag der Jahresfehlbetrag im Jahr 2017 noch bei 7,6 Millionen Euro, so konnte er sich im letzten Jahr mit 3,6 Millionen Euro exakt um die Hälfte minimieren. Für 2019 erwartet Westspiel sogar zum ersten Mal Gewinne.

Verkauf trotz Kampfansage

Auch von dem Verkauf betroffen ist die Spielbank in Bad Oeynhausen. Die Mitarbeiter und der Betriebsrat der dort ansässigen nordrhein-westfälischen Westspiel GmbH haben lange gehofft und dafür gekämpft, dass das Casino nicht an einen privaten Glücksspielunternehmer verkauft wird. Dabei hatte die Bad Oeynhausener Betriebsratsvorsitzende Christiane Beckemeyer gemeinsam mit Jens Hashagen, dem Westspiel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden, noch vor nicht allzu langer Zeit Thomas Kutschaty, dem Vorsitzenden der NRW-Landtagsfraktion, eine Kampfansage erteilt. „Wir haben über die Medien erfahren, dass die Landesregierung uns verkaufen will. Es wird behauptet, die Spielbanken bescherten dem Land als Eigentümer Millionen-Defizite. Dabei ist das Gegenteil der Fall", ließ Jens Hashagen damals verlauten und klärte über den hohen Brutto-Spielertrag auf. Brutto-Spielertrag – so wird der Umsatz der Spielbanken und Casinos genannt.

Brutto-Spielertrag höher als in den Vorjahren

Das Casino in Bad Oeynhausen feierte gerade erst ein Jubiläum. Eröffnet wurde die Spielbank schon vor 39 Jahren im Kurhaus, zog aber im August 1999 um in den Werrepark, wo sich sowohl die Zahl der Besucher, als auch die Einnahmen verzweifacht hat. „Der Umzug war damals durchaus umstritten, aber es war die richtige Entscheidung," freut sich noch heute Joachim Pollok, Direktor der Spielbank Bad Oeynhausen. Pressesprecher Marco Lippert trug stolz die definitiven Besucherzahlen vor. „Rund 100.000 Gäste waren es in 2018. In 2015 waren es nur 86.000. Wir hatten in 2017 knapp zehn Millionen Euro Brutto-Spielertrag.“ Obwohl ihm die 2018er-Zahlen bereits vorliegen, darf er sie noch nicht öffentlich machen, da der Prüfbericht des Jahresabschluss 2018 noch aussteht. „Unser Brutto-Spielertrag liegt aber noch mal höher,“ bestätigt er und ergänzt, dass allein zwei Drittel des Jahresumsatzes an den Spielautomaten erwirtschafteten wurden. Aktuell stehen 133 Automaten in der Spielbank. Das andere Drittel wird an den Tischen eingenommen. Hier hat sich besonders der große Hype ums Pokern bemerkbar gemacht. „Wir waren schon 2003 die erste Spielbank deutschlandweit, die große Poker-Turniere mit über 200 Teilnehmern ausgerichtet haben", freut sich Isanthe Lüth, die Saalchefin. All das trägt nicht nur zur Freude der Casino-Crew bei, sondern auch zu der des Stadt-Kämmerers Marco Kindler bei, denn von den Casino-Gewinnen bekam die Stadt Bad Oeynhausen im letzten Jahr immerhin 1,3 Millionen Euro ab. Er ist voller Zuversicht, dass es in 2019 sogar noch etwas mehr wird. Mit ungefähr 300.000,- Euro Mehreinnahmen rechnet er im Vergleich zu den Vorjahren.

Zum geplanten Verkauf der nordrhein-westfälischen Spielbanken will sich der Bad Oeynhausener Spielbankdirektor Joachim Pollok nicht näher äußern. „Das Verfahren dazu läuft", viel mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen. Allerdings fürchtet er sich nicht vor der Privatisierung. „Ich sehe das auch als Chance, uns neu im Markt zu positionieren," betont Pollok selbstbewusst. Und der ist sich ganz sicher, dass seine insgesamt 98 Mitarbeiter keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben müssen.

„Riesenfete“ zum runden Geburtstag

Bei der ersten offiziellen Eröffnung am 4. Juli 1980 war noch der weltberühmte deutsche Schauspieler Gert Fröbe mit von der Partie und weihte gut gelaunt den nagelneuen Roulette-Tisch ein. Von diesem Zeitpunkt an blieb das Casino 19 Jahre lang im Kurhaus, bevor es dann in den Werrepark umzog. In den ehemaligen Räumen im Kurhauses etablierte sich fortan das GOP Varieté. Den runden Geburtstag am „neuen“ Standort – dem „Klein Las Vegas“ wie es am Ort liebevoll genannt wird - ließ sich die Spielbank Bad Oeynhausen auch etwas kosten. Ein „Must“ war dabei natürlich ein großes Pokerturnier, das mit 100 Plätzen ausgerichtet wurde. Die gesamte „Winner Week“, die in der Zeit von Ende August bis Anfang September stattfand, war „eine Riesenfete“, so Direktor Pollok. Zu den Highlights zählten neben dem Poker-Event auch eine Gameshow mit dem bekannten Moderator Frank Neuenfels. Ganze 10.000 Euro in bar konnten hier gewonnen werden. Und last but not least wurde den zahlreichen Gästen bei der „Will Smith Tribute Show-Party“ nochmal so richtig eingeheizt.