Mit seinen knapp 38.000 Einwohnern und einer Fläche von 160 Quadratkilometern gehört Liechtenstein zu den Zwergstaaten Europas. Teil der EU ist Liechtenstein nicht, aber das Fürstentum ist seit 1995 Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und damit dem EU-Binnenmarkt angeschlossen. Vor gut drei Jahren ebnete der Liechtensteiner Landtag nun auch dem Glücksspielmarkt den Weg. Die Umsetzung geht allerdings ziemlich holprig von statten. Den Casino-Betreibern werden immer wieder Steine in den Weg gelegt. 

LiechtensteinGerüchte um Pokerclub mit angeschlossenem Hotel in Bendern

Nachdem im vergangenen Jahr die Lichter der ehemals renommierten Liechtensteiner Medicnova Privatklinik AG in Bendern endgültig erloschen sind und das gesamte bewegliche Inventar versteigert wurde, ist das Gebäude inzwischen wieder vermietet. Die erst vor kurzem gegründete „Grand Casino LI“ soll dort Büro- und Geschäftsräume unterbringen, aber auch eine Pokerlounge mit angeschlossenem Hotel, berichten gut unterrichtete Kreise. Alles spricht dafür, dass es sich hierbei nicht nur um ein Gerücht handelt, denn der Geschäftszweck der „Grand Casino LI“ besteht darin, eine Spielbank gemäß Geldspielgesetz zu betreiben sowie einen Hotelbetrieb und ein Gastgewerbe gemäß Gewerbegesetz. 

Der Österreicher Dieter Bettschar, der über umfangreiche Erfahrungen in der Casino-Branche verfügt, sitzt im Verwaltungsrat der Firma. Seit 2013 leitet er als General Manager die Geschicke der Apex Casinos, zu denen mehrere Unternehmen im Glücksspielbereich zählen. Der eigenen Website zufolge bezeichnet sich die Apex Gaming Technology GmbH als „... eine der führenden innovativen Firmen weltweit im Bereich Casino-Lösungen“. Darüber hinaus wurde von der Selemad Immobilien AG und der Axalo Immobilien AG erklärt, dass das ehemalige Medicnova-Gebäude in Zukunft nicht mehr medizinisch genutzt werden soll, sondern von einer Liechtensteinischen Gesellschaft gemietet wurde, die unterschiedliche Dienstleistungen anbietet. Weitere Details würden dann aber in Absprache mit dem neuen Mieter zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert.

Pläne für Spielbanken bisher ohne Bewilligung

Für Spannung sorgt auch ein Projekt, das an der Zollstraße in Schaan realisiert werden soll und was für ein Betreiber hinter dem Konzept steht. Dass es sich bei dem Baugesuch um Casino-Pläne handelt, ist bereits bestätigt worden, die Bewilligung ist allerdings noch nicht erteilt. Nähere Informationen werden bislang noch zurückgehalten. Auch in Balzers ist ein Casino geplant, dessen Türen schon im Spätsommer geöffnet werden sollen. Laut Casino Austria (Liechtenstein) AG ist noch keine endgültige Bewilligung erteilt worden. Im Eschener Gossmad Park (einer neuen Überbauung der Essanestraße) soll ebenfalls ein Casino eingerichtet werden. Auch hier ist nichts Genaueres bekannt. Aktuell sieht es so aus, als müssten sich die Liechtensteiner Gamer noch gedulden und weiterhin Online Casinos nutzen.

Politik nach wie vor besorgt

Landtagspräsident Albert Frick zeigt sich erneut sehr besorgt über den Casino Boom in Liechtenstein und das damit verbundene Image des Fürstentums. Die Vaterländische Union (kurz:VU) – eine der beiden großen Volksparteien Liechtensteins – reichte Ende April ein Postulat zur „Gestaltung einer größenverträglichen Casino-Landschaft Liechtenstein“ ein. Darin ersuchen sie die Regierung, rechtliche Möglichkeiten eines Bewilliigungsmoratoriums und Alternativ-Maßnahmen zu einer „sinnvollen Eingrenzung“ der Anzahl an Spielbanken zu prüfen.

Das Glücksspiel-Geschäft boomt – Geldspielabgaben haben sich knapp verdoppelt

Ob die liechtensteinische Glücksspiel-Landschaft tatsächlich um einige Angebote reicher wird, ist derzeit noch unklar. Bisher liegt dem Amt für Volkswirtschaft lediglich ein konkretes Bewilligungsgesuch vor. Für das neue Casino in Balzers hatte die Casino Austria (Liechtenstein) AG am 12. April dieses Jahres das entsprechende Gesuch eingereicht, bestätigte der stellvertretende Regierungschef Daniel Risch. Die Frage nach konkreten Bewilligungsgesuchen für Schaan, Eschen oder Bendern beantwortet Risch so: „Das Amt für Volkswirtschaft erhält laufend Anfragen zu den Anforderungen für eine Spielbankenbewilligung. Ob diese Anfragen letztlich in konkrete Gesuche um Erteilung einer Spielbankbewilligung münden, ist nicht abschätzbar.“

Offensichtlich lohnt sich im Moment das Glücksspiel-Geschäft in Liechtenstein. Die Geldspielabgaben der beiden einzigen Casinos an den Staat betrugen im 1. Quartal 2019 rund 6,6 Mio. Franken. 3,9 Mio. Franken waren es im gleichen Zeitraum 2018.