Das ist wirklich eine eindringliche Warnung. Aber so war sie wohl auch gedacht. Georg Stecker, Vorstandssprecher der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW), findet deutliche Worte. Sie drehen sich um die neue Verordnung, die ab dem 10. November nur noch zwei Geldspielgeräte in gastronomischen Betrieben zulässt: „Der Abbau des 3. Gerätes in der Gastronomie ist ein weiterer Schritt in die falsche Richtung und ein herber Schlag für die legale Gastronomieaufstellung sowie tausende Automatenkaufleute und Gastwirte, die tagtäglich einen verantwortungsbewussten Spieler- und Jugendschutz praktizieren und leben.“ Er sieht nämlich nicht in der Anzahl der Geräte, sondern in der Qualität des Angebotes einen effektiven Spieler- und Jugendschutz. Wohin führt der Abbau des 3. Gerätes in seinen Augen? Zu einer Abwanderung der Spieler und Spielerinnen zu teilweise unseriösen Anbietern und im schlimmsten Fall in die Illegalität. „Um dem entgegenzuwirken, braucht es attraktive und ausreichende legale Online Casino Angebote“, führt Stecker fort. Seit der Umstellung auf die technische Richtlinie TR5 im November 2018 sei immer mehr zu beobachten, dass es eine starke Abwanderung vom gewerblichen legalen Automatenspiel zu unlimitierten und sogar illegalen Angeboten gibt, und dies in einem besonders starken Masse im Internet. Durch die künstliche Verknappung in der Gastronomie wird die Entwicklung weiter befeuert, so die Meinung des Vorstandssprechers. „Unser gesetzlicher Auftrag, den natürlichen Spieltrieb der Menschen in geordnete Bahnen zu lenken, ist dramatisch gefährdet.“.Stecker betont: „Das gewerbliche Geldspiel hat seine Ursprünge in der Gastronomie. Bis heute ist die Gastronomie-Aufstellung eine tragende Säule unserer Branche. Als Dachverband werden wir uns auch weiterhin intensiv für deren sichere Zukunft einsetzen.“

Geldspielgeräte | Was passiert bei der Richtlinie TR5

DAW Georg SteckerWie beschrieben, sind für Spielautomaten im letzten Jahr verschärfte Auflagen in Kraft getreten („TR 5.0“). Zu den größten Veränderungen gehören dabei sicherlich, dass anstatt 25,00 Euro nur noch 10,00 Euro auf dem Geldspeicher stehen dürfen und dass kein Geld mehr automatisch gebucht werden darf. Daher besitzen alle neuen TR 5 Spielautomaten eine neue Taste, die sogenannte Einsatz–Taste. Das neue Buchungssystem hat wohl für die größte Welle der Empörung unter den Spielern gesorgt. Zumindest am Anfang. Bevor Beträge vom Geldspeicher in die Bank gebucht werden, erfolgt ein kleines Minispiel, in dem das Geld in Energie (Punkte) umgewandelt wird. Hier gibt es von Herstellerseite aus kleine Unterschiede bei der Umsetzung. Des Weiteren beträgt der maximale Verlust eines Spielers nur noch 60 Euro in einer Stunde anstatt 80 Euro, wobei gleichzeitig der maximale Gewinn von 500 Euro auf 400 Euro gesunken ist. Eine weitere Neuerung ist die Einführung einer Spielerkarte. Dazu muss sich die Spielerin oder der Spieler beim Casino Personal legitimieren und erhält dann eine Karte, die zu einem Spiel an nur einem Gerät berechtigt. 

Bei der Umsetzung der neuen Richtlinie verfahren die Hersteller der Geräte ziemlich unterschiedlich. Je nachdem, wie die Richtlinie interpretiert wird, setzt sich dies in der Herstellung und Ausprägung der Geräte um. So ist beispielsweise ein Knackpunkt die Interpretation, was überhaupt ein Spiel ist. In der Verordnung heißt es nämlich: „Der Spieleinsatz darf nur in Euro oder Cent erfolgen; ein Spiel beginnt mit dem Einsatz des Geldes, setzt sich mit der Bekanntgabe des Spielergebnisses fort und endet mit der Auszahlung des Gewinns beziehungsweise der Einstreichung des Einsatzes. Die Mindestspieldauer beträgt fünf Sekunden; dabei darf der Einsatz 0,20 Euro nicht übersteigen und der Gewinn höchstens 2 Euro betragen.“ 

Auf der einen Seite kann man dies so interpretieren, dass sich die Walzen auf dem Display des Spielgerätes nun mindestens fünf Sekunden lang drehen und der Spieler währenddessen nur 20 Cent einsetzen kann. Die Interpretation einiger Hersteller ist aber eine ganz andere. Die besagt, dass nicht die Interaktion der Walzen, sondern der Buchungsvorgang das eigentliche Spiel sei. Dieser kann nämlich alle fünf Sekunden 20 Cent einziehen und die Gewinne in 2-Euro-Schritten umbuchen. So kann man es natürlich auch sehen - allerdings sehr zum Verdruss einiger Experten, die darin schon eine Aushebelung der neuen Richtlinie sehen.

 DAW | Wo ist die Zukunft?

Natürlich! Veränderungen machen immer ein wenig Angst und nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht. So werden sich auch Automatenwirtschaft und Gastronomie Gedanken um die Zukunft machen. Mit dem Rauchverbot in vielen Bundesländern wurde ja schon ein Sterben aller gastronomischen Einrichtungen proklamiert. Und tatsächlich mussten viele Betriebe, gerade die „Eckkneipe“, aufgrund fehlender Gäste schließen. Nun kann es aber sein, dass sie auch ohne Rauchverbot hätten schließen müssen, da sich einfach das Freizeitverhalten der Menschen verändert hat. Man sucht immer mehr „Erlebnis-Gastronomie“ auf, als eine einfache „Eckkneipe“. Ähnlich wird es vielleicht auch bei der Automatenwirtschaft sein. Ob nun ein Spielgerät mehr oder weniger eine Veränderung am Verhalten der Spielerinnen und Spieler bewirken wird, und welche Auswirkungen die neue Richtlinie TR5 hat, wird man erst in ein paar Monaten oder Jahren messen können, wenn konkrete Zahlen vorliegen. Entscheidend wird sein, wie man sich für die Zukunft aufstellt. Ob man zum Beispiel Online Casinos nur als Konkurrenz betrachtet oder sie auch als Ergänzung sieht? Es gibt Menschen, die zocken halt lieber vom Sofa aus, und dann gibt es die, die froh sind, die eigenen vier Wände verlassen zu können und eine Spielhalle oder einen gastronomischen Betrieb aufsuchen. Es gibt ja nicht nur entweder oder, sondern immer zwei Seiten. Bisher ist es der Automatenwirtschaft immer wieder gelungen kreative und attraktive Angebote zu entwickeln, und diese werden auch für die Zukunft gefragt sein.