Gewinnspiel-TelefonatSo schnell kann es gehen. Noch vor zwei Wochen wurde dem Antrag zur Kündigung einer Angestellten nach dem Gewinnspiel-Telefonat am Arbeitsplatz stattgegeben. Jetzt folgt die nächste Meldung, die jene Kündigung zurückzieht und in eine Abmahnung wandelt. Doch, was ist in den zwei Wochen geschehen?

Gewinnspiel-Telefonat: das war geschehen

Die Angestellte, die stellvertretend auch für andere Angestellte in der gleichen Situation den Kopf hinhielt, war seit dem 1. Februar 2014 bei einem Kleinbetrieb tätig. Während der Arbeitszeit war es gestattet am Arbeitsplatz Radio zu hören und private Telefonate zu führen. Die Angestellte interpretierte die Regeln derart, dass sie an einer kostenpflichtigen Radiohotline anrief, um an Gewinnspielen teilzunehmen. Pro Anruf wurden 0,50 Euro in Rechnung gestellt. Insgesamt rief die Angestellte 37 Mal an, bevor der Arbeitgeber auf die Extra-Posten auf der Telefonrechnung aufmerksam wurde. Erst auf Nachfrage des Chefs gab die Angestellte einen Tag später zu, dass sie die kostenpflichtigen Anrufe getätigt hatte. Obwohl sie anbot die Kosten in Höhe von 18,50 Euro zu bezahlen, erhielt sie eine fristlose Kündigung, drei Tage später.

Pflichtverletzung und kein Grund für eine fristlose Kündigung

Sowohl das Landesarbeitsgericht Düsseldorf, als auch das Arbeitsgericht Wesel haben die fristlose Kündigung als rechtswidrig erachtet. Durch den Anruf bei der kostenpflichtigen Gewinnhotline lag lediglich eine Pflichtverletzung vor. Diese rechtfertige allerdings nicht, eine fristlose Kündigung auszusprechen. Private Anrufe seien dabei weiterhin zulässig, so denn der Arbeitgeber dies ausdrücklich befürwortet. Allerdings sei dies nicht auf kostenpflichtige Gewinnspielehotlines auszuweiten.

Kein Arbeitszeitbetrug und keine bisherige Regelung durch den Arbeitgeber

Diese zwei Punkte wirkten sich positiv auf die Klage der Arbeitnehmerin aus. Anhand des Einzelverbindungsnachweises konnte nachgewiesen werden, dass die Anrufe tatsächlich innerhalb der Arbeitspausen stattfanden. Dies wirkte sich mildernd auf die Entscheidungen des Gerichts aus. Glück im Unglück hatte demnach die Angestellte bei einem Thema, das noch viele andere Angestellte den Arbeitsplatz streitig machen könnte.

Was ist nun zu tun?

An Angestellte, die auf dem Arbeitsplatz Radio hören können und private Telefonate führen können die Empfehlung, sich sofort um Klarheit zu bemühen. Denn eine solche Gerichtsschlacht ist selbst bei einer guten Rechtsschutzversicherung nicht ratsam. Auch die Lockerheit des Chefs oder der Chefin sollten nicht fehlinterpretiert werden, sondern durch konkretes Nachfragen am besten schriftlich festgehalten werden.

Lockere Arbeitsatmosphäre fördert Überschreitung der Grenzen

Nicht zum ersten Mal haben Angestellte die Grenze zwischen Arbeit und Privatsphäre überschritten. Ein Problem, dass vor allem in lockeren Arbeitsumgebungen zu einem mittlerweile ernstzunehmenden Problem führt. Was dieses Urteil allerdings ebenfalls deutlich macht ist, dass Angestellte, denen schon früher das gleiche Schicksal ergangen ist, eine Revision einlegen sollten. Eine Neuaufnahme von ausgesprochenen Kündigungen in der Vergangenheit, die nicht bis vor ein Arbeitsgericht gekommen sind, sollten ebenfalls erneut aufgenommen und besprochen werden. Wie der Urteilsverlauf innerhalb der letzten zwei Wochen aufzeigt, tut sich eine neue Problematik im Zusammenhang zwischen dem Arbeitsleben und der Teilnahme an Glücksspielen auf. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich das Recht in Deutschland konkretisieren wird. Denn so, wie die Rechtslage derzeit festgeschrieben ist, bedarf es noch so einiger Klärung, um sich unnötige Klagen und damit auch anteilig Steuergelder sparen zu können.